Archäobotanische Untersuchungen der eisenzeitlichen und kaiserzeitlichen Siedlung von Mardorf 23 more

Published in: Berliner Archäologische Forschungen 5, 2008, 353-426.

Michael Meyer Mardorf 23, Lkr. Marburg-Biedenkopf Archäologische Studien zur Besiedlung des deutschen Mittelgebirgsraumes in den Jahrhunderten um Christi Geburt Teil 1 Mit Beiträgen von Norbert Benecke, Susanne Biegert, Małgorzata Daszkiewicz, Claus Dobiat, Kerstin Geßner, Angela Kreuz, Nicolo Lieske, Erika Lück, Eva Schäfer, Bernd Starossek, Astrid Stobbe, Julian Wiethold und Jürgen Wunderlich Verlag Marie Leidorf GmbH . Rahden/Westf. 2008 667 Seiten inkl. 315 Abbildungen, 20 Tabellen und 19 Listen zzgl. 147 Tafeln und 2 Beilagen (in zwei Bänden) DEUTSCHEN FORSCHUNGSGEMEINSCHAFT Gedruckt mit Unterstützung der Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Meyer, Michael: Mardorf 23, Lkr. Marburg-Biedenkopf ; archäologische Studien zur Besiedlung des deutschen Mittelgebirgsraumes in den Jahrhunderten um Christi Geburt ; mit Beiträgen von Norbert Benecke … / von Michael Meyer. Rahden/Westf. : Leidorf, 2008 (Berliner Archäologische Forschungen ; Bd. 5) Zugl.: Berlin HU, Univ., Habil. ; 2005 ISBN 978-3-89646-515-3 Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar. Gedruckt auf alterungsbeständigem Papier Alle Rechte vorbehalten © 2008 Verlag Marie Leidorf GmbH Geschäftsführer: Dr. Bert Wiegel Stellerloh 65 . D-32369 Rahden/Westf. Tel: +49/(0)5771/ 9510-74 Fax: +49/(0)5771/ 9510-75 E-Mail: vml-verlag@t-online.de Internet: http://www.vml.de ISBN 978-3-89646-515-3 ISSN 1611-3551 Kein Teil dieses Buches darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie, CD-ROM, DVD, I n t e r n e t oder einem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages Marie Leidorf GmbH reproduziert werden oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden. Herausgegeben für den Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin, Hausvogteiplatz 5-7, D-10117 Berlin Koordination: Heidemarie Eilbracht, Berlin E-Mail: eilbrachth@geschichte.hu-berlin.de Internet: www.geschichte.hu-berlin.de/bereiche/ufg/index.htm Umschlagentwurf: Michael Meyer, Berlin Titelvignette – Umzeichnung: Daniela Hinz, Berlin PC-Texterfassung und Scans: Michael Meyer, Berlin Redaktion: Katrin Peschke, Berlin Satz, Layout und Bildnachbearbeitung: Enns Schrift & Bild GmbH, Bielefeld Druck und Produktion: Druckhaus Köthen GmbH, Köthen 353 Archäobotanische Untersuchungen der eisenzeitlichen und kaiserzeitlichen Siedlung von Mardorf 23 von Julian Wiethold, Metz, Eva Schäfer und Angela Kreuz, Wiesbaden Zusammenfassung / Summary 557 Proben aus 92 Befunden der Siedlung Mardorf wurden archäobotanisch untersucht. Die Befunde wurden dabei einer eisenzeitlich-keltischen, einer kaiserzeitlich-germanischen sowie einer Übergangsphase zugeordnet. Die archäobotanischen Ergebnisse sind als Fundlisten pflanzlicher Reste (Tab. 3 u. 6) sowie in Form von Diagrammen dargestellt. An Hand der Getreidenachweise kann ein deutlicher Wandel im Getreideanbau von der keltischen zu den germanischen Siedlungsphasen gezeigt werden. Der Anbau von Dinkel und Nacktweizen als typische Wintergetreide ist nur für die eisenzeitlich-keltische Siedlungsphase eindeutig belegt. In den germanischen Siedlungsphasen werden in erster Linie Sommergetreide angebaut. Dies sind Spelzgerste, Echte Hirse und vermutlich auch Emmer. Der Anbau von Sommer- und Wintergetreiden und Importe wie Feige und Sellerie in der eisenzeitlich-keltischen Siedlungsphase müssen in Mardorf vor dem Hintergrund des Siedlungsgefüges im Amöneburger Becken betrachtet werden. In der keltischen Siedlungsphase von Mardorf erreichen die Erbse und die unbestimmbaren kultivierten Hülsenfrüchte mit jeweils 44 % die höchste Stetigkeit vor der Linse mit 36 %, in der Übergangsphase und der kaiserzeitlich-germanischen Siedlungsphase kehrt sich das Verhältnis um. In eisenzeitlich-keltischer Zeit konnten die besten Brennholzarten Eiche und Buche nachhaltig beschafft werden, wohingegen während der germanischen Besiedlung seit der Übergangsphase das verstärkte Vorkommen der Erle an eine Bewirtschaftung des wahrscheinlich nahe der Siedlung in der Ohmaue gelegenen Erlenbruchwaldes denken lässt. Ein weiterer neuer Aspekt der germanischen Brenn holzbeschaffung ist die Nutzung von Birkenholz. In der Übergangsphase und in den Befunden der Römischen Kaiserzeit sind in Mardorf die Konzentrationen von Pflanzenresten erheblich niedriger. Sie betragen nur ein Achtel der eisenzeitlich-keltischen Werte. Diese Tatsache geht nicht auf eine schlechtere Erhaltung der Befunde zurück. Daher wurden wohl tatsächlich weniger Kulturpflanzen, insbesondere Getreide, in der Siedlung verarbeitet. Der Anbau von Wintergetreiden und die Vielfalt angebauter Kulturpflanzenarten ermöglichten der ländlichen Siedlung Mardorf 23 eine Überschussproduktion, die die Versorgung der Amöneburg als zentralem Ort erlaubte und die in Übergangs- und Kaiserzeit nicht mehr notwendig war. In Hessen stellt sich das germanische Anbausystem nach den botanischen Ergebnissen als eine einfache Subsistenzwirtschaft mit einem Schwerpunkt bei Sommerfrüchten und nur oberflächlicher Bodenbearbeitung dar. Dieses germanische System kommt in allen Untersuchungsgebieten innerhalb und außerhalb des späteren römischen Reiches vor und löst dort das keltische System ab. Aufgrund fehlender archäobotanischer Untersuchungen in den östlichen Gebieten lässt sich nach derzeitigem Forschungsstand nicht feststellen, ob die Neuerungen der Übergangs- und kaiserzeitlich-germanischen Phase eingebracht oder vor Ort „erfunden“ wurden. Von archäobotanischer Seite erscheinen jedoch externe kulturelle Einflüsse, z. B. in Form einer Neuzuwanderung germanischer Siedler als Entscheidungsträger möglich. Archaeobotanical examinations were undertaken on 559 samples from 92 find contexts found in the settlement of Mardorf. The contexts could be assigned to an Iron Age-Celtic phase, a Roman Imperial-Germanic phase and a transitional phase. Results of the archaeobotanical analyses are recorded in the lists of the finds of plant remains (Tab. 3 and 6) as well as in graphs. In view of the evidence of grains, there is a distinct change in crop cultivation from the Celtic to the Germanic phases of settlement. The cultivation of dinkel and naked wheat as typical winter cereals is clearly attested only in the Iron Age-Celtic settlement, whereas primarily summer cereals were cultivated during the Germanic settlement phase. These include barley, true millet and presumably emmer too. Grain cultivation in the summer and winter as well as imports like figs and celery during the Iron Age-Celtic phase should be seen against the background of the settlement configuration existing at that time in the Amoeneburg basin During the Celtic phase in Mardorf the amount of peas and unidentifiable legumes grown display the greatest constancy with 44 % each, surpassing lentils with 36 %, whereas during the transitional phase and the Roman Imperial-Germanic phase this ratio is reversed. During the Iron Age-Celtic phase the best kinds of fi rewood – oak and beech – were regularly used, while after the transitional period the greatly increased presence of alder in the Germanic settlement suggests that stronger economic use was made of alder woods in the Ohm 354 lowlands near the settlement. A further and new aspect of kinds of fi rewood during the Germanic phase is the use of the birch tree. Concentrations of plant remains are considerably lower in Mardorf during the transitional phase and in find contexts of the Roman Imperial period. They amount to only one-eighth of the earlier Iron Age-Celtic values. This circumstance is not due to poor conditions for preservation. Instead, it seems that fewer cultivated plants, in particular cereals, were processed within the settlement itself. Cultivation of winter cereals and the great variety of cultivated domestic plants resulted in a surplus production in the rural settlement of Mardorf 23, which in turn enabled the supply of the central site of the Amoeneburg; however, this was no longer necessary during the transitional phase and the Roman Imperial period. According to botanical results, the Germanic system of agriculture in Hesse was a simple subsistence economy with an emphasis on summer crops and only superficial farming. This Germanic system has been attested in all areas investigated within and outside of the later Roman Empire, where it replaces the Celtic system of agriculture. Due to the lack of archaeobotanical examinations in the eastern areas, in the present state of research it cannot be determined whether new features that appeared during the transitional and Roman Imperial-Germanic period were introduced from outside or locally ‘invented’. From an archaeobotanical view it seems that external cultural influences, for example the new immigration of Germanic settlers, were a possible decisive factor. 1. Einleitung Siedlungen der Latènezeit und der Römischen Kaiserzeit sind in Hessen sowie in Süd- und Südwestdeutschland nur selten repräsentativ archäobotanisch untersucht worden. Archäobotanische Analysen eisenzeitlichen Fundmaterials erfaßten meist nur wenige Einzelbefunde, beispielsweise Getreidevorratsfunde, die keinen Gesamtüberblick zur Bedeutung der Kulturpflanzen innerhalb eines Siedlungsplatzes ermöglichen. Von den bisher repräsentativ archäobotanisch untersuchten Siedlungen sind in Süd- und Südwestdeutschland für die Späthallstattzeit und die Frühlatènezeit der Viereckhof von Niedererlbach (Küster 1988, 1995), die Siedlungen von Wierschem, Kr. Mayen-Koblenz, in Rheinland-Pfalz (Kroll 1998, 2001), von Borg „Seelengewann“, Kr. Merzig-Wadern, im Saarland (Wiethold 2000b) und von Hochdorf in Baden-Württemberg (Stika 1995, 1996b, 1999) zu nennen, bei denen systematisch Proben entnommen und analysiert wurden. Für die Spätlatènezeit sind besonders die archäobotanischen Untersuchungen im oppidum von Manching anzuführen (Küster 1992). In Hessen wurden bisher umfangreichere Untersuchungen in den offenen ländlichen Siedlungen der Frühlatènezeit von Bad Nauheim ‚Im Deut‘ und Schwalheim ‚Wilhelm-Leuschner Str.‘, Wetteraukreis, durchgeführt (Kreuz/Boenke 2000/2001). Über die germanische Landwirtschaft der Römischen Kaiserzeit in den Gebieten nördlich des Limes war zunächst kaum etwas bekannt. Erst im Rahmen des „Romanisierungsschwer punktes“1 der Deutschen ForDFG-Schwerpunktprogramm „Archäologische und naturwissenschaftliche Forschungen zum Kulturwandel unter der Einwirkung Roms in den Jahrhunderten um Christi-Geburt“ unter der Leitung von A. Haffner und S. von Schnurbein; vgl. dazu Haffner/von Schnurbein (1996, 2000), Krausse (1996), Benecke/Kreuz (2000), Kreuz (2005) sowie zur „Germanisierung“ Frey (1998/99). 1 schungsgemeinschaft und des Forschungsschwerpunktes zur „Germanisierung“ der Kommission für Archäologische Landesforschung in Hessen gelang es, erste Ergebnisse zu erschließen (Kreuz 2000, 2005). Der Mittelgebirgsraum im mittleren und nördlichen Hessen stellt die Kontaktzone zwischen Kelten, Römern und germanischen Kulturgruppen dar. Er ist deshalb besonders geeignet, Veränderungen und unterschiedliche kulturelle Beeinflussung von Landwirtschaft und Ernährung zu erfassen. Als Untersuchungsobjekt bot sich die in den Jahren von 1993 bis 1998 durch M. Meyer im Rahmen eines Projektes der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgegrabene Siedlung von Mardorf 23 an. An diesem Fundplatz konnten Befunde archäobotanisch beprobt werden, die Siedlungsaktivitäten über einen Zeitraum von rund 400 Jahren umfassen. Da in Mardorf mittellatènezeitlich-keltische Siedlungsstrukturen von germanischen Siedlungsbefunden der Spätlatènezeit und der Römischen Kaiserzeit abgelöst werden (Meyer 1994/1995; 1998, 2000b), ist es möglich, an diesem Fundplatz die keltische und die germanische Landwirtschaft unmittelbar miteinander zu vergleichen. Diese besondere Situation und die bei der Grabung vorgenommene systematische Beprobung von Siedlungsstrukturen, boten den Anlaß, das botanische Fundgut von Mardorf 23 im Rahmen eines unter der Leitung von A. Kreuz durchgeführten DFG-Projektes zu bearbeiten2. Für die Untersuchungen stand ein umfangreicher Probenbestand von 559 Proben aus 92 Befunden zur Verfügung. 2 DFG-Projekt KR 1569/3-3 „Archäobotanische Großrestuntersuchungen zu Landwirtschaft und Umwelt der mittellatène- bis kaiserzeitlichen Siedlung Mardorf 23, Lkr. Marburg-Biedenkopf“. Wir danken der Deutschen Forschungsgemeinschaft für die Bereitstellung der Mittel. 355 2. Zur Lage und den naturräumlichen Verhältnissen im Umfeld der Siedlung Mardorf 23 Der Fundplatz Mardorf 23 liegt rund 15 km südöstlich der Stadt Marburg im mittleren Hessen. Er befindet sich auf etwa 200 m NN am Rande der Ohmaue im östlichen Teil des Amöneburger Beckens, einer weitgehend lößbedeckten tertiären Beckenlandschaft. Sie wird im Westen und Norden von den Buntsandsteinformationen der Lahnberge und des Burgwaldes eingerahmt (zur Geologie vgl. Blanckenhorn 1930), und im Süden und Osten von den vulkanisch geprägten Ausläufern des Vorderen Vogelsberges und den Höhen der Oberhessischen Schwelle begrenzt. Nördlich der Fundstelle, im Zentrum des Amöneburger Beckens, liegt der landschaftsbeherrschende, durch jungtertiären Vulkanismus entstandene Basaltkegel der Amöneburg, auf dem sich eine bedeutende eisenzeitliche Siedlung befand (Weißhaar 1984, zur kaiserzeitlichen Besiedlung im Amöneburger Becken vgl. Meyer 1992/ 1993). Mit 367 m ü NN überragt er die umgebenden Lößflächen um rund 150 m und liegt in Sichtweite der Ausgrabung. Das Amöneburger Becken und insbesondere auch die Fundstelle Mardorf 23 zeichnen sich durch im Spätglazial und Frühholozän entstandene, fruchtbare Lößlehmdecken aus, die ausgezeichnet landwirtschaftlich nutzbar sind. Die fruchtbaren Böden und die naturräumlich geschützte Lage der Beckenlandschaft inmitten klimatisch rauherer Mittelgebirgsregionen waren ursächlich für eine dichte prähistorische Besiedlung und die damit verbundene landwirtschaftliche Nutzung seit dem Frühneolithikum. Die Fundstelle Mardorf 23 erstreckt sich auf einem flachwelligen, lößbedeckten Riedel, unmittelbar an der Terrassenkante zum Ohmtal im Osten. Im Norden wird sie durch die Niederung des Erfurtshäuser Baches begrenzt, so dass sich eine leichte Spornlage ergibt (vgl. Meyer 1999). Als vorherrschender Bodentyp haben sich im Bereich der Fundstelle Parabraunerden aus Löß entwickelt, die an der Terrassenkante zur Ohm durch die landwirtschaftliche Nutzung erodiert sind3 und im Hangbereich zum Teil mächtige Kolluvien bilden. Nordwestlich des Erfurtshäuser Baches wurden dagegen noch degradierte Schwarzerden aus Löß festgestellt. Eine kleinräumige bodenkundliche Detailkartierung im Umfeld der Fundstelle legte B. Starossek vor (Starossek 1996/97, 164 Abb. 1 u. Starossek in diesem Bd.). Geomorphologische Untersuchungen zum Erosionsgeschehen im Bereich des Fundplatzes und zur Genese und Zeitstellung der Kolluvien im Hangbereich führte J. Wunderlich durch (Wunderlich 1998/99). Dabei wurde deutlich, dass bereits vor der eisenzeitlichen 3 Sie werden hier von Starossek (1996/97) als Braunerden angesprochen. Besiedlung Bodenerosionsvorgänge das Relief im Bereich der Fundstelle nachhaltig veränderten. Das angrenzende Ohmtal, das das Amöneburger Becken nach Norden Richtung Lahn entwässert, wird durch holozäne Talfüllungen geprägt. Es handelt sich um Mudden, auf denen sich teils Torfe und teils vergleyte Auenböden entwickelt haben, die nahe der Talflanken kolluvial überdeckt sind. Nur etwa 50 m von der Terrassenkante und den Grabungsflächen entfernt konnte A. Stobbe im Bereich von kolluvial überdeckten Mudden und Torfen eines ehemaligen Kleingewässers ein Profil erbohren und pollenanalytisch untersuchen (Stobbe, in diesem Bd.). Begleitend dazu wurden Makrorestanalysen an dem Bohrkern durchgeführt (Wiethold/Kreuz, in diesem Bd.). An einer weiteren Profilfolge aus der Ohmaue führte H. Rittweger Molluskenanalysen durch (Rittweger 1999). Die vegetationsgeschichtlichen und malakologischen Untersuchungen ergänzen unsere archäobotanischen Analysen und ermöglichen eine Rekonstruktion der lokalen Vegetation im Bereich der Ohmaue. 3. Methoden der archäobotanischen Analysen 3.1 Auswahl zu untersuchender Befunde und Probenentnahme Während der Jahre 1993 bis 1999 wurden die Ausgrabungen von Mardorf 23 durch ein umfangreiches archäobotanisches Beprobungsprogramm begleitet. Bei regelmäßigen Grabungsbesuchen wurde nach Begutachtung der aktuell gegrabenen Befunde jeweils gemeinsam von A. Kreuz und M. Meyer die Vorgehensweise festgelegt. Zum einen war es das Ziel, möglichst zahlreiche Befunde und Befundtypen zu beproben, um einen repräsentativen Querschnitt des in der Siedlung erhaltenen Pflanzenmaterials zu gewinnen. Zum anderen wurde nach bereits im Gelände wahrnehmbaren, an verkohltem Pflanzenmaterial reichen Sedimenten gesucht, um hier gezielt aussagekräftiges Material zu bergen. Wenn es von der Schichtung bzw. dem Aufbau der Verfüllung her sinnvoll schien, wurden mehrere Proben aus einem Befund entnommen. Da es sich um eine Trockenbodensiedlung außerhalb des Grundwassereinflußbereiches handelt, in der erfahrungsgemäß nur verkohlte und mineralisierte Pflanzenreste in eher geringeren Konzentrationen anzutreffen sind, wurde ein Standard-Probenvolumen von zehn Litern Sediment festgelegt. Sicherheitshalber wurden auch aus denjenigen Befunden Proben entnommen, deren archäologische Datierung während der Grabung noch nicht feststehen 356 konnte, da das Fundmaterial noch nicht bearbeitet war. Ein Problem stellten dabei die Grubenkomplexe sowie diejenigen Befunde dar, die archäologische Funde aus unterschiedlichen Siedlungsphasen durchmischt enthielten. Auf diese Weise wurden ca. 860 Sedimentproben geborgen, von denen letztendlich 557 Proben exakt datiert werden und in die hier vorgelegte Untersuchung eingehen konnten. Der Aufwand ist auch im Nachhinein zu rechtfertigen. Das Einfüllen von zehn Litern Sediment in einen Probeneimer ist schnell geschehen und stellt für die Ausgräber eine geringe Belastung dar. Für die Aussagekraft der botanischen Ergebnisse ist es jedoch wichtig, möglichst zahlreiche Befunde einer Grabungsfläche zu untersuchen, um die in diesem Siedlungsbereich erhaltenen pflanzlichen Abfälle repräsentativ zu erfassen. Dieses umfangreiche Beprobungsprogramm konnte allerdings nur deshalb durchgeführt werden, weil es sich um eine langjährige Forschungsgrabung mit entsprechenden Mitteln für die technische Aufbereitung handelte. 3.3 Auslesen pflanzlicher Reste und Teilen von Proben Das Auslesen und die Bestimmung pflanzlicher Makroreste erfolgte mit einem Leica MS5 Stereobinokular bei 6,3- bis 40-facher Vergrößerung. Die Auslesearbeiten nahmen technische Assistentinnen vor. Dabei wurden die botanischen Makroreste aus der Siebfraktion ORG 1 – in den ersten Jahren auch aus den übrigen Fraktionen – stets vollständig ausgelesen. Die beiden Fraktionen ORG 0,5 und MIN 1 wurden ebenfalls meist vollständig bearbeitet. Zur Zeitersparnis wurden in den letzten Jahren die Fraktionen ORG 0,5, MIN 1 und MIN 0,5 mit einem Probenteiler der Fa. Eijkelkamp in zwei oder mehr gleiche Teile geteilt, wenn ihr Volumen sehr groß war. Das minimale ausgelesene Volumen betrug 25 ml bei der Fraktion ORG 0,5 und 250 ml bei der Fraktion Min 1. Die Wahl der zu bearbeitenden Teilproben erfolgte mit Hilfe einer Tabelle von Zufallszahlen. Beim Auslesen der Fraktionen wurden neben Kleinstfunden auch zoologische Reste wie Knochen, Fisch- und Insektenreste ausgesondert und an die betreffenden Bearbeiter übergeben. Zur Holzkohlenanalyse wurden aus der Fraktion ORG 1,0 mm alle noch brechbaren Holzkohlestücke ausgelesen. Bei fast ausschließlich aus Holzkohle bestehenden Proben wurde umgekehrt verfahren und lediglich rezente Wurzeln und die wenigen Steinchen entfernt, so daß der gesamte Holzkohlerest für die Untersuchung zur Verfügung stand. Die Holzkohlen in der Fraktion ORG 0,5 sind so klein, daß die zur sicheren Bestimmung notwendige Analyse von Quer-, Tangential- und Radialbruch an einem Stück nicht mehr vorgenommen werden kann. Diese feine Fraktion wurde deshalb nicht für die Holzkohleanalyse verwendet. 3.2 Probenaufbereitung im Labor Die technische Aufbereitung der Bodenproben erfolgte durch Hilfskräfte im später an das Landesamt für Denkmalpflege in Hessen angegliederten archäobotanischen Labor des Institutes der Kommission für Archäologische Landesforschung in Hessen e.V., erst in Büdingen, anschließend in den neuen Räumen in Wiesbaden. Bei der Aufbereitung der Proben kam eine Kombination aus Flotation und Nasssieben zum Einsatz (Jacomet/Kreuz 1999, 120). Dabei wurden die mit reichlich Wasser aufgeschwemmten organischen, holzkohlereichen Fraktionen vorsichtig über einen Siebsatz mit Durchmessern von 30 cm und Maschenweiten von 1,0 mm und 0,5 mm abdekantiert, dort entnommen und anschließend auf Zeitungspapier getrocknet. Diese beiden Siebfraktionen werden im Folgenden als ORG 1 und ORG 0,5 mm bezeichnet. Sie enthalten fast alle verkohlten Funde der jeweiligen Probe. Um auch besonders schwere Reste, beispielsweise die verkohlten Samen von kultivierten Hülsenfrüchten, mineralisierte Samen und Früchte, aber auch zoologische und andere archäologisch relevante Reste zu erfassen, wird in einem zweiten Arbeitsschritt der schwere, weitgehend mineralische Rest der Probe komplett über dieselbe Siebkolonne nass gesiebt. Die dabei entstehenden Siebfraktionen MIN 1 und MIN 0,5 werden ebenfalls getrocknet. Auf eine feinere Siebfraktion als 0,5 mm wurde bei beiden Siebvorgängen wegen des großen Arbeitsaufwandes bei nur sehr geringen Fundzahlen verzichtet. Es kann deshalb nicht völlig ausgeschlossen werden, daß vereinzelt einige sehr kleine Samen, beispielsweise von Binsen, verloren gingen. Nach im Vorfeld durchgeführten Tests ist dies aber zu vernachlässigen. 3.4 Bestimmung und Archivierung pflanzlicher Makroreste Die Bestimmungsarbeiten führte J. Wiethold im Rahmen des DFG-Projektes mit Hilfe der umfangreichen Vergleichssammlung rezenter Samen und Früchte des Sachgebietes Naturwissenschaften/Archäobotanik am Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Wiesbaden, und der üblichen Bestimmungsliteratur durch (Anderberg 1994; Beijerinck 1947; Berggren 1969; 1981; Brouwer/Staehlin 1975; Körber-Grohne 1964; 1991; Schweingruber u. a. 1988). Für die Getreide wurden ferner die Arbeiten von Jacomet (1987) und Jacomet u. a. (1989) und speziell für die kultivierten und wilden Panicoideae der Bestimmungsschlüssel von Knörzer (1971) herangezogen. Von den Getreiden sind – sofern möglich – jeweils 100 gut erhaltene Körner vermessen worden (vgl. Tab. 10 im Anhang). Die Ansprache der kultivierten Hülsenfrüchte orientierte sich an den detaillierten Angaben von Kroll (1983). Die Bestimmung 357 der Rubiaceae erfolgte in Anlehnung an den Schlüssel von Lange (1979); die der Gattungen Silene und Melandrium stützt sich auf Jacomet u. a. (1989, 296 f.). Die Bestimmungsergebnisse wurden mit dem unter Microsoft Access programmierten Archäobotanischen Datenbankprogramm ArboDat des Sachgebietes Naturwissenschaften /Archäobotanik erfaßt (vgl. Kreuz/ Schäfer 2002, 2004, Kreuz et. al 2006). Die Samen und Früchte der Kulturpflanzen sowie ausgewählter Wildpflanzen sind außerdem mit einem Wild/Leitz-Photobinokular fotografisch dokumentiert worden (vgl. Katalog im Anhang). Die bestimmten Reste werden für jede Probe nach Taxa getrennt in Plastikröhrchen aufbewahrt. Sie sind im archäobotanischen Magazin unter der Projektnummer AK85 archiviert und für spätere Vergleiche und Überprüfungen zugänglich. stimmten oder unbestimmbaren Restes. Da Holzkohlen je nach Baumart und Verkohlung unterschiedlich leicht auseinanderfallen, gibt das Holzkohlengewicht den besseren Aufschluß über die Bedeutung der einzelnen Arten innerhalb einer Probe (Kreuz 1988, 141). Das Gewicht der bestimmten Holzkohlen und das Gewicht aller unbestimmten Holzkohlen wird von einer Auswertungsroutine des Archäobotanischen Datenbankprogrammes ArboDat dazu benutzt, einen Korrekturfaktor zu errechnen (vgl. Kreuz/Schäfer 2002). Dieser gestattet es, die Gewichte der einzelnen Taxa für die Gesamtprobe hochzurechnen und in einer Tabelle auszugeben. Die nach Taxa sortierten Holzkohlen wurden nach der Bestimmung in Plastikgefäßen nach Arten getrennt verpackt und unter der Projektnummer AK 85 archiviert. 3.5 Bestimmung und Archivierung der Holzkohlen Die Bestimmung der Holzkohlen wurde mit Hilfe eines Auflicht-Mikroskops Leitz Laborlux 12 ME ST bei Vergrößerungen von 125- bis 625fach durchgeführt. Die Holzartenbestimmung erfolgte anhand frisch vorgenommener Quer-, Tangential und Radialbrüche, die in Kombination meistens eine sichere Identifizierung der holzanatomisch relevanten Bestimmungsmerkmale wie Dicke und Anordnung der Holzstrahlen, Art der Gefäßdurchbrechungen und der Gefäßtüpfelung zuließen. Als Bestimmungshilfen dienten die am Institut vorhandene Vergleichssammlung von Dünnschnitten rezenter Hölzer sowie die Bestimmungsatlanten von Greguss (1959), Grosser (1977) und Schweingruber (1990a, 1990b). Wenn sich die Holzkohlen nicht mehr sicher bestimmen ließen, weil die zelluläre Struktur weitgehend abgebaut war oder nicht mehr alle notwendigen Bestimmungsmerkmale beobachtet werden konnten, erfolgte eine Ansprache als ‚unbestimmbares Laubholz‘. Holzkohlen von Nadelhölzern waren nicht im Fundgut vertreten. Darauf wurde speziell geachtet Da die Holzkohlen aus den Siedlungsstrukturen von Mardorf in vielen Fällen sehr klein und daher ihre Präparation aufwändig war, konnte die ursprünglich geplante vollständige Bearbeitung aller Proben aus Zeitgründen nicht erfolgen. Es wurde deshalb festgelegt, aus jedem Befund mindestens eine Probe bis zur statistisch relevanten Anzahl von 93 Stück (v. d. Veen und Fjeller 1982) zu bearbeiten . Enthielt die aus einem Befund zur Analyse ausgewählte Probe nicht die erforderliche Stückzahl, so untersuchten wir – sofern vorhanden – weitere Proben des Befundes, bis diese erreicht war. Die Stückzahlen der Holzkohlen wurden bei der Bearbeitung ebenso erfaßt wie das Gewicht der lufttrockenen, nach Arten sortierten Fragmente sowie des unbe- 3.6 Darstellung der Ergebnisse und Nomenklatur Die Ergebnisse der botanischen Makrorestanalysen werden in den Tabellen 3 und 6 dargestellt. Angegeben sind jeweils die Fundzahlen pflanzlicher Reste je Bodenprobe. Die wissenschaftliche und deutsche Nomenklatur in den Tabellen folgt bei den wissenschaftlichen Pflanzennamen der Flora Europaea, Vol. 1-5 (Tutin u. a. 1964-1980) bei den deutschen Pflanzennamen der 6. Auflage der Pflanzensoziologischen Exkursionsflora von E. Oberdorfer (1990). Bei den Kulturpflanzen werden die wissenschaftlichen und deutschen Namen zum Teil nach dem Verzeichnis von Mansfeld (1986) angegeben. Diese Nomenklatur entspricht den Angaben in der Archäobotanischen Datenbank der Arbeitsgruppe. In den Katalog botanischer Funde (Kap. 12) wurden alle nachgewiesenen Kulturpflanzen sowie ausgewählte Wildpflanzen mit den wichtigen morphologischen Kriterien zur Bestimmung ihrer Samen und Früchte sowie die zugehörigen Maßangaben aufgenommen. Angaben zur Bedeutung und Nutzung der einzelnen Taxa sowie Angaben zu ihren Standortansprüchen finden sich dagegen im auswertenden Teil dieser Arbeit (vgl. 5.). 4. Zur Datierung der pflanzlichen Funde und der Siedlungsphasen 4.1. Archäologische Datierung der untersuchten Befunde Die archäologische Datierung stützt sich auf die Analyse der untersuchten Befunde sowie auf die typologische Ansprache und relativchronologische Einordnung des aus der Verfüllung geborgenen Fundmaterials (Meyer, 358 in diesem Bd.). Für die Auswertungen mit Hilfe des archäobotanischen Datenbankprogrammes wurden die untersuchten Befunde einer eisenzeitlich-keltischen und einer kaiserzeitlich-germanischen Siedlungsphase, sowie einer Übergangsphase zugeordnet. Eine Übersicht über die archäobotanisch untersuchten Befunde der drei Siedlungsphasen, ihre Datierung und die Phasengliederung von M. Meyer geben die Tabellen 1 und 3. Aus der ersten Siedlungsphase, die Befunde der Mittel- und Spätlatènezeit mit keltischen Fundinventaren umfasst (La2 u. La2/3), wurden 176 Proben aus 38 Befunden analysiert. Bei den untersuchten Befunden handelt sich um 25 Abfallgruben sowie um 13 Pfostengruben, die teilweise eisenzeitlichen Gebäudegrundrissen zugeordnet werden können. Die germanischen Befunde der Spätlatènezeit (EZ-G) und der augusteischen Zeit (RKZ1v/1) wurden zu einer „Übergangsphase“ zwischen der keltischen Besiedlung der ausgehenden Spätlatènezeit und der germanischen Besiedlung der Römischen Kaiserzeit zusammengefasst. Aus dieser Übergangsphase konnten 79 Proben von 15 Befunden archäobotanisch untersucht werden. Bei vier Gruben, einem Grubenhaus und drei Pfostengruben handelt es sich mit Funden eines spätlatènezeitlichen Formenspektrums um Befunde, die zusätzlich bereits germanisch geprägte Fundinventare enthielten, deren Keramikformen auf Kontakte zu der östlich verbreiteten Przeworsk-Kultur verweisen (Meyer 1994). Zum anderen liegen germanische Befunde augusteischer Zeitstellung vor, deren Keramikspektrum Bezüge zum elbgermanischen Formenspektrum aufweist. Bei diesen handelt es sich um sechs Gruben und ein Grubenhaus (Tab. 1). Die innerhalb des Grubenhauses angetroffene Grube 1154g gehört vermutlich zum Grubenhausbefund. 31 Gruben und Grubenkomplexe, 3 Grubenhäuser, sowie 5 Pfostengruben der Römischen Kaiserzeit, insbesondere des 2. nachchristlichen Jahrhunderts, wurden aus der dritten Siedlungsphase untersucht (RKZ1, RKZ2). Das Keramikspektrum der Befunde ist rheinweser-germanisch, jedoch liegen auch römische Importkeramik und einheimische Imitate römischer Kragenrandschüsseln oder Reibschalen vor (Meyer 2000a; Meyer in diesem Bd.). Einige Befunde konnten anhand des Fundmaterials chronologisch nur allgemein der Römischen Kaiserzeit (RKZ) zugewiesen werden. Die germanisch-kaiserzeitlichen Siedlungsaktivitäten reichen bis zur Stufe C1a. Mit 302 Proben stammt die größte Probenzahl aus dieser Siedlungsphase. Universität Kiel vorgenommen (Tab. 2). Von diesen waren fünf AMS-14C-Datierungen, da aus den zu datierenden Befunden nur kleine Mengen organischen Materials vorlagen. Drei konventionelle 14C-Datierungen wurden an Getreide aus Vorratsproben durchgeführt, bei dem auch für die konventionelle Datierung ausreichende Fundmengen vorlagen. Auf die Datierung von Holzkohlen wurde verzichtet, da das Alter der Bäume bei der Fällung die Messergebnisse beeinflusst. Datierungen an Makroresten einjähriger Arten sind daher stets besser geeignet. Für die Auswahl der zu datierenden Proben waren folgende Gesichtspunkte entscheidend: Einerseits galt es, bedeutende Vorratsfunde mit zahlreichen Pflanzenresten chronologisch sicher einzuordnen, andererseits sollten Befunde aller Siedlungsphasen datiert sein. Bei der Kalibration der 14C-Daten wird ein Fehlerbereich von 1,65 σ angegeben (Tab. 2, oben). Dies entspricht einem Vertrauensniveau von 90 %. Innerhalb dieses Fehlerbereiches kommen – bedingt durch das eisenzeitliche Plateau der Kalibrationskurve – verschiedene Abschnitte mit unterschiedlichen Wahrscheinlichkeiten als Kalenderalter der Probe in Betracht. Angegeben wird in Tabelle 2 jeweils die Spanne zwischen dem ältesten und dem jüngsten möglichen Datum. Dies gilt ebenso für die Altersangaben bei dem angegebenen Fehlerbereich von 2 σ bei den AMS-14CDatierungen (Tab. 2, unten). Alle fünf AMS-Proben haben mehr als die für eine präzise Datierung empfohlene Mindestmenge von ca. 1 mg Kohlenstoff ergeben. Die δ 13C-Werte liegen im Normalbereich für terrestrisch-organisches Material, so dass die Ergebnisse insofern zuverlässig sind (Grootes4, schriftl. Mitt.). Die Kalibration der ermittelten 14C-Alter erfolgte wie bei den konventionell gemessenen Proben mit dem Programm Calib rev 4.3 (Stuiver u. a. 1998a; 1998b). Bei der Probe KIA-18409 gab es nach Grootes (schriftl. Mitt.) Anzeichen für eine leichte Verunreinigung. Angegeben ist hier das Laugenrückstandsalter, das zuverlässig sein sollte. Betrachtet man die Ergebnisse der Radiokarbondatierungen, so lassen sich die Proben aus drei eisenzeitlichkeltischen Vorratsfunden (971:A:4; 976:B:3; 1074:B:1) dem archäologischen Fundmaterial der Mittellatènezeit bis frühen Spätlatènezeit zuweisen. Bedingt durch das große eisenzeitliche Plateau der Kalibrationskurve sind die 1,65 σ Fehlerbereiche ähnlich und umfassen eine recht breite Zeitspanne von rund 200 Jahren. Bei den Beschleunigerdatierungen ergab eine Probe aus dem obersten Stratum des eisenzeitlich-germa4 Wir danken Prof. Dr. P. M. Grootes, Leibnitz Labor für Altersbestimmung und Isotopenforschung, Christian-Albrechts-Universität Kiel, für die AMS-Datierungen. 4.2 Naturwissenschaftliche Datierungen Insgesamt wurden neun Radiokarbondatierungen an verkohlten botanischen Makroresten am Leibniz-Labor für Altersbestimmung und Isotopenforschung der 359 nischen Grubenhauses (201:B:1), das typisch germanisches Fundmaterial mit Keramikformen der Przeworsk-Kultur lieferte (Meyer 1994), mit 2325 ± 26 BP eine deutlich abweichende, „zu alte“ Datierung (Tab. 2). Auf eine ältere Zeitstellung deuten auch die Funde von Dinkelspelzbasen aus der Verfüllung dieses Grubenhauses. Eine von zwei dort nachgewiesenen Hüllspelzenbasen stammt aus der verunreinigten Probe, eine weitere aus Probe 201:D:2. Es liegt nahe, daß hier möglicherweise älteres Material bei der Verfüllung des Grubenhauses verschleppt wurde. Dies betrifft in besonderem Maße das oberste Stratum, aus dem die Probe zur Datierung entnommen wurde. Auf die Berücksichtigung dieser Probe wurde bei der Auswertung und Darstellung der botanischen Ergebnisse daher verzichtet. Das gilt ebenso für den Pfostengrubenbefund 227: B:1, dessen Makroreste ein endneolithisch-frühbronzezeitliches Alter von 3561 ± 26 BP aufwiesen. Entsprechend der archäologischen Datierung ergaben die C14-Datierungen von Material aus den Befunden 208, 1152 und 1153 ein latènezeitliches Alter. Für die Grube 623 entspricht die Datierung der Probe 623:D:3 der archäologischen Datierung in die Römische Kaiserzeit. Die Ergebnisse bestätigen die Erfahrung, daß auf mehrperiodigen Siedlungsplätzen mit langjähriger Besiedlung und komplexer Besiedlungsstruktur bei Verfüllungen von Gruben, Pfostengruben und Grubenhäusern stets mit Wiederaufarbeitung und Verschleppung älteren Materials zu rechnen ist. In dieses ältere Material können auch Pflanzenreste eingelagert sein. Pflanzenrestfunde und archäologisches Fundgut müssen daher nicht in jedem Fall gleichzeitig sein. Es ist deshalb stets angebracht, zusätzlich zur archäologischen Datierung an charakteristischem Pflanzenmaterial eine Reihe von 14 C-Datierungen zur Überprüfung der archäologischen Datierungen durchführen zu lassen. Insbesondere ungewöhnliche Pflanzenfunde bedürfen stets der kritischen Überprüfung. Dank der Projektförderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die auch neun 14 C-Datierungen umfaßte, konnte dies exemplarisch bei der Siedlung von Mardorf 23 umgesetzt werden. Zu den wichtigsten Beurteilungskriterien bei der archäobotanischen Auswertung gehören die Konzentration pflanzlicher Reste je Befund, die prozentuale Häufigkeit des Vorkommens (Stetigkeit) der Kulturpflanzen, die Konzentration pflanzlicher Reste je Ökologische Gruppe bezogen auf die untersuchten Befunde sowie die Artenzahlen der Ökologischen Gruppen je Befund. Zu Abfallgruben im weitesten Sinne (i.w.S.) wurden bei der Auswertung Gruben, Gruben in Grubenkomplexen und Grubenhäuser zusammengefaßt, da deren Verfüllungen vergleichbare, sekundär verlagerte Pflanzenreste als Abfälle aus dem Siedlungsbereich enthalten. Bei diesen Befundtypen wird davon ausgegangen, dass es sich bei dem Verfüllmaterial nicht um Überreste der primären Nutzung handelt, sondern um sekundär eingebrachtes Abfallmaterial sowie Abraum aus dem Siedlungsbereich. Die Pflanzenreste entstammen daher unterschiedlichen Tätigkeiten und Einträgen. Sie stellen Thanatocoenosen dar (Totengemeinschaften; vgl. Willerding 1979). Bei der Berechnung der Werte wurden ausschließlich verkohlte Samen und Früchte betrachtet. Mineralisierte Reste, die in Mardorf nur vereinzelt und meist in kleineren Stückzahlen auftraten, blieben unberücksichtigt, da stets Pflanzenreste gleicher Erhaltungsform miteinander verglichen werden müssen. Bei der Ermittlung der Konzentrationswerte je Befund wurden die Massenfunde (Vorratsfunde) ausgeklammert. Die durchschnittliche Konzentration der Befunde einer Zeitphase entspricht dem Mittelwert der Konzentrationen der Einzelbefunde. Die Holzkohlen werden separat betrachtet. 5.1 Die Konzentration pflanzlicher Reste in den Befunden Die Konzentration verkohlter pflanzlicher Reste je Liter Sediment ermöglicht Vergleiche verschiedener Befundtypen untereinander, sowie Vergleiche zwischen den einzelnen Siedlungsphasen von Mardorf 23 (Abb. 1-4). In den eisenzeitlich-keltischen Gruben und Grubenkomplexen schwanken die Funddichten sehr stark (Abb.1) und erreichen nur in Ausnahmefällen Werte über 20 Stück je Liter Sediment. Den fünf fast fundleeren Gruben mit Konzentrationen zwischen 0,3 und 1,0 Resten pro Liter Sediment stehen vier fundreiche Grubenverfüllungen mit Konzentrationen über 40 Pflanzenfunden je Liter gegenüber. Die mittlere Funddichte der Grubenverfüllungen beträgt 17,6 Pflanzenreste je Liter (Abb. 4). Bei den 13 untersuchten Pfostengruben der eisenzeitlich-keltischen Siedlungsphase liegen die Funddichten in der Regel unter drei Resten 5. Die archäobotanischen Ergebnisse Die archäobotanischen Ergebnisse sind als Fundlisten pflanzlicher Reste (Tab. 3 u. 6) sowie in Form von Diagrammen dargestellt. Die Einteilung der Pflanzentaxa in elf Ökologische Gruppen stützt sich auf die pflanzensoziologische Einteilung nach Ellenberg et al. (1991) und dient bei der Auswertung zum Vorsortieren, um einen ersten Überblick über die Wildpflanzentaxa zu gewinnen (Kreuz 2004, S. 163). 360 eisenzeitlich-keltische Befunde Abfallgruben i. w. S. 60 50 40 Stück/l 30 20 10 0 26 8b 20 8 23 4/ 23 5 23 4b 49 2d 56 7 56 7a 56 7b 86 2 88 8e 1 23 4e 54 9a 122,81 Befunde (n = 24) Abb. 1: Mardorf 23 (AK85), Kr. Marburg-Biedenkopf. Konzentration von verkohlten Pflanzenresten (Stück/Liter) in den eisenzeitlich-keltischen Abfallgruben i.w.S. (ohne Vorratsfunde). kaiserzeitlich-germanische Befunde Abfallgruben i. w. S. 60 50 40 Stück/l 30 20 10 0 1 2a 3 16 14 0 17 0a 17 0h 17 3 20 0 23 0e 23 1 24 0 24 1 26 8a 28 9 28 9a 31 2 49 2a 49 7a 58 0b 58 0d 61 6 62 3 67 3 70 0 76 9b 77 0 77 1 77 7a 92 8 95 4 10 39 a 10 50 11 38 Befunde (n = 34) Abb. 2: Mardorf 23 (AK85), Kr. Marburg-Biedenkopf. Konzentration von verkohlten Pflanzenresten (Stück/Liter) in den kaiserzeitlich-germanischen Abfallgruben i.w.S. (RKZ, RKZ1, RKZ2). Die Werte liegen deutlich unter denjenigen der keltischen Befunde (vgl. Abb. 1 und 4). 97 6 10 19 10 20 10 95 11 11 11 52 11 53 25 3 34 4 46 2 48 5 97 1 361 germanische Befunde der Übergangsphase 60 eisenzeitlich-germanisch augusteisch-germanisch 50 40 Stück/l 30 20 10 0 24 1a 49 2c b 20 1 21 2 21 3 21 4 24 3 30 0 47 2 h 17 0 80 0 g 10 44 11 54 11 54 11 54 a Grha Pfosten Gruben Grha Abb. 3: Mardorf 23 (AK85), Kr. Marburg-Biedenkopf. Konzentration von verkohlten Pflanzenresten (Stück/Liter) in den Befunden der Übergangsphase (alle germanischen Befunde der Spätlatènezeit und der augusteischen Zeit; Grha Grubenhaus). Siedlungsphasen im Vergleich (ohne Vorratsproben) durchschnittliche Konzentration (Stück/Liter) 20 Abfallgruben i.w.S. Pfostengruben 15 10 5 0 -K (n Ü = be 24 rg ) an gs ph as e (n = 15 ) = Ü 13 be ) rg an gs ph as e (n = 3) 34 ) = (n (n (n R K ZG = 5) EZ Z- Abb. 4: Mardorf 23 (AK85), Kr. Marburg-Biedenkopf. Durchschnittliche Konzentrationen verkohlter Pflanzenreste je Abfallgrube i. w. S. (ohne Vorratsproben) und Vergleich mit den durchschnittlichen Konzentrationen in den Pfostengruben der verschiedenen Siedlungsphasen. R K EZ -K G 362 Getreide 100 80 Stetigkeit (%) 60 40 20 0 Sp el zw ei ze n N ac kt w ei ze W n ei ze n un di ff. EZ-K (n = 25) Übergangsphase (n = 12) RKZ-G (n = 34) Abb. 5: Mardorf 23 (AK85), Kr. Marburg-Biedenkopf. Stetigkeit verkohlter Getreidekörner in den Befunden der drei Siedlungsphasen (Stetigkeit = prozentuale Häufigkeit des Vorkom mens). Bei den germanische Einzelfunden von Dinkel und Nacktweizen handelt es sich sehr wahrscheinlich um verschlepptes älteres Material (vgl. Text). Kolbenhirse und Roggen wurden noch nicht im Reinbau angebaut. Die Stetigkeitswerte sind wegen der unterschiedlichen Befundzahlen nicht direkt vergleichbar. je Liter (ohne Abb.). Lediglich Pfostengrube 199 mit einer Funddichte von 5,3 und Pfostengrube 856 mit 32 überschreiten diesen Wert, so daß die durchschnittliche Funddichte 4,28 Reste je Liter Sediment beträgt. Damit sind die Pfostengrubenverfüllungen erheblich fundärmer als die Grubenverfüllungen. Dies lässt annehmen, dass sie in der Regel nur mit dem umgebenden Material verfüllt wurden, wenn der Pfosten gezogen wurde; sie sind daher keine Abfallgruben im weitesten Sinne und werden aus den betreffenden vergleichenden Darstellungen ausgeschlossen. Befunde vom Beginn der germanischen Besiedlung in der Spätlatènezeit (EZ-G) und der augusteischen Zeit (RKZ1v/1) sind nur in geringer Anzahl vertreten. Die Konzentrationen dieser Übergangsphase liegen alle unter zehn Resten je Liter Sediment (Abb. 3). Die durchschnittliche Fundkonzentration aller untersuchten germanischen Befunde der Übergangsphase beträgt 3,198 Reste je Liter. Dies entspricht den Ergebnissen von A. Kreuz, die bei den untersuchten germanischen Fundstellen im rechtsrheinischen Arbeitsgebiet Werte von mehr als 10 Samen pro Liter nur in vier von elf untersuchten Siedlungen feststellen konnte (Kreuz 2000, 222, vgl. a. Kreuz 2004, 123f. sowie Tab. 8). Die germanischen Befunde der Römischen Kaiserzeit von Mardorf 23 wurden in repräsentativer Anzahl untersucht. In den fünf römisch-kaiserzeitlichen Pfostengrubenverfüllungen liegen die Fundkonzentrationen zwischen 3 und 0,16 Resten je Liter Sediment, in den Abfallgruben mit Ausnahme der Grube 616 stets unter 10 Stück/Liter und sind damit deutlich niedriger als in den vergleichbaren eisenzeitlich-keltischen Siedlungsstrukturen (Abb. 2). Der Durchschnittswert über alle Befunde beträgt sogar nur 2,2 Reste je Liter Sediment, also ein Achtel des eisenzeitlich-keltischen Wertes (Abb. 4). Die erheblichen Konzentrationsunterschiede zwischen eisenzeitlich-keltischen und germanischen Grubenverfüllungen zeigen, daß in der germanischen Siedlungsphase weniger pflanzliches Material verkohlte und abgelagert wurde. Dies weist auf eine Veränderung der Abfälle erzeugenden Aktivitäten im Siedlungsbereich hin (vgl. unten, sowie Kreuz 2004). 5.2. Die Kulturpflanzen Über die Bedeutung der Kulturpflanzen gibt die prozentuale Häufigkeit ihres Vorkommens, auch als Stetigkeit bezeichnet, am besten Auskunft. Während bei Konzentrationsberechnungen Massenfunde ausgeschlossen werden müssen, verbleiben sie bei der Berechnung der Stetigkeit im Datensatz; daher ergeben sich unterschiedliche Befundzahlen bei den jeweiligen Methoden. Stetigkeiten wurden für verkohlte Getreidekörner, Öl-/Faserpflanzen und Hülsenfrüchte berechnet (Abb. 5 u. 6). Dabei sind die Stetigkeiten der Übergangsphase nicht direkt mit den eisen- und kaiserzeitlichen zu vergleichen, da nur Ergebnisse aus zwölf Befunden vorliegen. Im Verhältnis zu den anderen beiden Zeitphasen sind die Stetigkeitswerte der Übergangsphase daher zu hoch. Der Vollständigkeit halber werden sie aber mit aufgeführt. K ol be nh i Ec ht e Anbau fraglich R og ge n Ei nk or n G er st e Em D in ke l H irs e m rs e er 363 Öl-/Faserpflanzen und Hülsenfrüchte 100 80 Stetigkeit (%) 60 40 20 0 Leindotter Lein Mohn Linse Erbse Fabaceae (kult.) EZ-K (n = 25) Übergangsphase (n = 12) RKZ-G (n = 34) Abb. 6: Mardorf 23 (AK85), Kr. Marburg-Biedenkopf. Stetigkeit der Öl-/Faserpflanzen und der Hülsenfrüchte in den Befunden der drei Siedlungsphasen. Mohn fehlt in allen 46 germanischen Abfallgruben. Die Stetigkeitswerte sind wegen der unterschiedlichen Befundzahlen nicht direkt vergleichbar. 5.2.1 Getreide Getreide war ein pflanzliches Grundnahrungsmittel und ein bedeutender Lieferant von Kohlehydraten, Vitaminen und Spurenelementen für die menschliche Ernährung. In den eisenzeitlich-keltischen Gruben erreicht Gerste, wahrscheinlich Vierzeilige Spelzgerste Hordeum vulgare mit rund 90 % die höchste Stetigkeit aller Getreidearten, gefolgt von der mehrere Arten umfassenden Gruppe der nicht näher bestimmbaren Spelzweizen (Abb. 5). Auch in den eisenzeitlich-keltischen Massenfunden aus fünf Gruben, Befunde 567, 971, 976, 1074 und 208, war Spelzgerste das bedeutendste Getreide (Abb. 8 u. Tab. 6). Unter den Spelzweizen besaßen in der eisenzeitlich-keltischen Siedlungsphase Dinkel Triticum spelta und Emmer Triticum dicoccum größere Bedeutung. Bei der Betrachtung der Stetigkeit beider Spelzweizen überwiegt Dinkel mit 64 % geringfügig gegenüber 56 % Emmer (Abb. 5). Vergleicht man die Stetigkeitswerte mit den Fundzahlen der Vorratsfunde, so überwiegt ebenfalls neben Spelzgerste Dinkel in den Vorräten 208, 971 und 976. Nur in Grube 1074 ist Emmer das nach der Spelzgerste häufigste Getreide. Echte Hirse Panicum miliaceum ist in den keltischen Gruben mit 52 % Stetigkeit vertreten und war wohl ebenfalls ein wichtiges Getreide (Abb. 5). Einkorn wurde nur vereinzelt nachgewiesen und war daher im Vergleich zu Dinkel und Emmer von untergeordneter Bedeutung (vgl. unten). In Abbildung 7 sind die Funddichten von Körnern und Hüllspelzenbasen von Dinkel exemplarisch für Abfall- gruben der eisenzeitlich-keltischen Siedlungsphase dargestellt. Vorratsproben sind nicht berücksichtigt. Üblicherweise sind Dinkelährchen zweikörnig. Zwei Körner werden von den beiden Hüllspelzen umschlossen, so dass auf zwei Körner auch jeweils zwei Hüllspelzenbasen entfallen. Tatsächlich wurden jedoch meistens mehr Spelzenreste als Dinkelkörner nachgewiesen. Teilweise konnten auch nur Spelzenreste und keine sicher bestimmten Körner festgestellt werden. Dies kann sowohl mit Bestimmungsschwierigkeiten bei den schlecht erhaltenen Spelzweizenkörnern wie auch mit prozessualen Gegebenheiten bei der Getreideaufbereitung zu erklären sein. Weitere Dinkelnachweise könnten sich in der Gruppe der nicht näher bestimmbaren Spelzweizen verbergen. Bei den unbestimmbaren Spelzweizen dürfte es sich überwiegend um Dinkel und Emmer gehandelt haben, da Einkorn aufgrund der hochrückigen und schmalen Form seiner Körner auch anhand von Kornfragmenten häufiger bestimmt werden kann. Nacktweizen Triticum aestivum s.l./durum/turgidum ist nur in den eisenzeitlich-keltischen Befunden von Bedeutung und erreicht hier in den Gruben eine Stetigkeit von immerhin 40 %. Körner von Nacktweizen lassen sich anhand morphologischer Kriterien nicht sicher einer hexa- oder tetraploiden Art zuzuweisen. Auch die wenigen Spindelglieder waren so schlecht erhalten, dass eine morphologische Differenzierung nicht gelang. Das Fundbild ändert sich mit dem Einsetzen des germanischen Einflusses in der Siedlung von Mardorf 23. In 364 eisenzeitlich-keltische Befunde Abfallgruben i.w.S. 2,0 1,5 Stück/l 1,0 0,5 0,0 20 23 8 4/ 23 5 97 6 10 19 10 95 86 2 88 8e 1 23 4b 23 4e 25 3 26 8b 48 5 49 2d 54 9a 56 7 56 7a 56 7b 10 20 11 52 11 11 11 53 34 4 46 2 97 1 Dinkelhüllspelzenbasen Dinkelkörner Abb. 7: Mardorf 23 (AK85), Kr. Marburg-Biedenkopf. Konzentration von Dinkelfunden (Stück/l) in den Abfallgruben i.w.S. der eisenzeitlich-keltischen Siedlungsphase, differenziert nach Körnern und Spelzenresten. den Gruben der Römischen Kaiserzeit sind Gerste mit 85,3 % und Emmer mit 47 % etwas weniger stark vertreten als in der eisenzeitlich-keltischen Siedlungsphase (Abb. 5). Dagegen zeigt die Echte Hirse in der Römischen Kaiserzeit trotz der größeren Anzahl untersuchter Befunde eine deutliche Zunahme der Stetigkeit auf fast 70 %. Sie besaß in der germanischen Landwirtschaft wohl noch größere Bedeutung als in der keltischen. Dinkel ist in germanischen Befunden nur noch mit wenigen Einzelfunden vertreten. Er war in der kaiserzeitlichen Landwirtschaft ohne Bedeutung und kam vermutlich nur noch unkrauthaft in anderem Getreide vor. Auch aus der Übergangsphase liegen nur vereinzelte Dinkelfunde vor (vgl. oben Kap. 4, Durchmischung der Befunde), so dass hier eine Gegenüberstellung der Funddichten von Körnern und Hüllspelzenbasen entbehrlich ist (vgl. Tabelle 3). Auch Nacktweizen wurde in der Übergangsphase um Chr. Geb. und in der Römischen Kaiserzeit sicher nicht mehr gezielt angebaut. Unter den Befunden augusteischer Zeitstellung konnten nur im Grubenhaus Befund 1154 vier Nacktweizenkörner bestimmt werden, und aus den zahlreichen Gruben der Römischen Kaiserzeit stammt nur ein einzelnes Nacktweizenkorn aus Grube 623. Bei diesen Funden könnte es sich durchaus um eingetragenes älteres Material handeln (vgl. Kap. 4.2), zumal Nacktweizen in 14 weiteren kaiserzeitlich-germanischen Fundstellen Hessens – wie auch Dinkel – fehlt (Kreuz 2004). hatten: so in Mardorf 23 und im fränkischen Gaukönigshofen. Entweder handelt es sich – wie oben erwähnt- um Ungräser in Getreide oder um archäologisch nicht ansprechbare Einträge von älterem botanischen Material in jüngere Befunde. So fehlen an einer anderen fränkischen, eisenzeitlich-germanischen Fundstelle AK155 Biebelried, Dinkel, Nachtweizen und Schlaf-Mohn. In dem betreffenden Grubenhaus waren neben germanischer Keramik auch Funde der keltisch geprägten Mittelgebirgsgruppe vorhanden, wie es für die Übergangsphase typisch ist. Es fehlt hier aber eine keltische Vorbesiedlung (Kreuz 2004, 127). Für die weniger häufig gefundenen Getreide lässt sich Folgendes festhalten: Die Bedeutung von Kolbenhirse Setaria italica und des Spelzweizens Einkorn Triticum monococcum ist in Mardorf 23 unklar (Abb. 5). Der deutliche Rückgang der Stetigkeit von Einkorn in der Römischen Kaiserzeit ist möglicherweise mit dem Bedeutungsverlust des Wintergetreides Dinkel verknüpft. Vorrats- und Massenfunde wie wir sie mit Spelzgerste, Emmer und Dinkel als vorwiegendem Hauptgetreide aus Süd- und Südwestdeutschland kennen, fehlen von Einkorn, sowohl in der Latènezeit wie auch in der Römischen Kaiserzeit. Die einzige Ausnahme stellt eine kaiserzeitliche Grube von Bad Mergentheim dar, in der Einkorn das dominierende Getreide war (Piening 1982). Am wahrscheinlichsten ist, daß Einkorn als toleriertes Beigetreide in den Getreidefeldern stand. Von der Kolbenhirse Setaria italica wurden nur einzelne Körner nachgewiesen. Vergleichbar geringe Fundhäufigkeiten konnten auch an anderen zeitgleichen Fundplätzen Hessens und Mainfrankens beobachtet werden. Vermutlich kam die Kolbenhirse unkrauthaft in den Feldern der Echten Hirse oder in anderen Som- Generell fällt auf, dass germanische Einzelfunde von Dinkel und Nacktweizen nur an denjenigen Fundstellen auftreten, die bereits eine keltische Vorbesiedlung 365 1 Befund 208: n = 5.822 Sonstiges 6% 2 Befund 971: n = 17.147 Sonstiges 2% "Unkräuter" 11% "Unkräuter" 54% Kulturpflanzen 40% Kulturpflanzen 87% 3 Befund 976: n = 21.721 Sonstiges 2% 4 Befund 1074: n = 5.937 Sonstiges < 0,5% "Unkräuter" 5% "Unkräuter" 13% Kulturpflanzen 85% Kulturpflanzen 94% 5 Befund 567: n = 1.721 "Unkräuter" 3% Sonstiges 2% Kulturpflanzen 95% Abb. 8: Mardorf 23 (AK85), Kr. Marburg-Biedenkopf. Anteile von Kulturpflanzenresten (Samen/Früchte), potentiellen Unkräutern (Ökologische Gruppen 1-4, 6, 7) und sonstigen Pflanzenresten (Ökologische Gruppen 8, 10, 11) in fünf Vorratsfunden aus eisenzeitlich-keltischen Gruben. mergetreiden vor. Da Echte Hirse und Kolbenhirse sich unterschiedlich rasch entwickeln und die Reife nicht gleichzeitig erreicht wird, kann ein gezielter Mischanbau beider Hirsen ausgeschlossen werden. Höhere Funddichten von Setaria italica, die einen eigenständigen Anbau wahrscheinlich machen, stammen aus dem linksrheinischen Raum beispielsweise aus der latènezeitlichen Siedlung von Wallendorf in Rheinland-Pfalz (Kroll 2000, 121 ff. u. Tab. 1) sowie von hallstattzeitlichen Vorratsfunden aus dem heutigen Ostfrankreich (Wiethold/Treffort 2002). Hafer Avena spec. muß aufgrund seiner geringen Fundzahlen und Fundhäufigkeiten sicher zu den Unkräutern gestellt werden. Dies entspricht auch der Situation an anderen hessischen Fundstellen (Kreuz 2000, 2005, 128f.). In Mardorf gelang kein einziger sicherer Nachweis des Saathafers Avena sativa, der bei bespelzten Körnern an der Deckspelzenbasis leicht kenntlich ist. Dagegen liegen Ährchenbasen des Flughafers Avena fatua vor. Man kann daher davon ausgehen, dass es sich bei den nachgewiesenen Körnern von Avena spec. überwiegend um den unkrautartig wachsenden Flughafer Avena fatua handelt. Roggen Secale cereale ist in Hessen und Mainfranken in keltischer Zeit noch keine bewußt angebaute Kulturpflanze, da Roggenkörner sowie pollenanalytische Nachweise von Secale meist auf wenige Einzelfunde beschränkt sind, die mit einem unkrauthaften Vorkommen in Wintergetreide erklärt werden müssen (Kreuz 2004, 127f.). Die Stetigkeit von Secale ist in der keltischen Siedlungsphase von Mardorf 23 höher als in den germanischen Siedlungsphasen. Dies dürfte damit zusammen hängen, dass in der eisenzeitlich-keltischen Siedlungsphase mit Dinkel und Nacktweizen der Wintergetreideanbau größere Bedeutung besaß. 366 Zusammenfassend kann man an Hand der Getreidenachweise von Mardorf 23 feststellen, daß ein deutlicher Wandel im Getreideanbau von der keltischen zu den germanischen Siedlungsphasen stattfand. Der Anbau von Dinkel und Nacktweizen als typische Wintergetreide ist nur für die eisenzeitlich-keltische Siedlungsphase eindeutig belegt. In den germanischen Siedlungsphasen werden in erster Linie Sommergetreide angebaut. Dies sind Spelzgerste, Echte Hirse und vermutlich auch Emmer. Im Folgenden sollen zu den in Mardorf 23 nachgewiesenen wichtigen Getreidearten einige Angaben hinsichtlich ihrer Anbaubedingungen, ihrer Weiterverarbeitung und Verwendung gemacht werden (Angaben nach Körber-Grohne 1988). Spelzgerste stellt geringere Ansprüche an das Klima als Nacktweizen und wird auf sehr unterschiedlichen Böden kultiviert. Grundsätzlich kann Gerste sowohl als Sommer- wie auch als Wintergetreide angebaut werden. Höhere Anteile von Sommergetreide- und von Hackfruchtunkräutern in den Unkrautspektren eisenzeitlicher Gerstenvorräte zeigen aber, dass Gerste wahrscheinlich als Sommerfrucht angebaut wurde (Wiethold 2000a; Kreuz 2004, 158). Die höchsten Ansprüche an Bodenfruchtbarkeit und klimatische Bedingungen stellt der Nacktweizen. Die Spelzweizen Dinkel und Emmer sind weniger anspruchsvoll. Im Vergleich zu Emmer und Dinkel war Einkorn weniger ertragsstark, da je Ährchen meist ein, und nur manchmal zwei Körner zur Entwicklung kommen. Dinkel gilt wie Nacktweizen als typisches Wintergetreide, Emmer aufgrund seiner Frostempfindlichkeit hingegen als Sommergetreide. Die Echte Hirse ist nicht frosthart, daher wird sie als typische Sommerfrucht angesehen. Aufgrund ihrer verhältnismäßig kurzen Entwicklungszeit konnte sie auch noch nachträglich gesät werden, wenn das Wintergetreide nicht aufgegangen war. Obwohl sie heute bei uns nicht mehr angebaut wird, ist sie im nördlichen Mitteleuropa problemlos zu kultivieren, so daß ein lokaler Anbau auch in Mardorf vorausgesetzt werden darf. Sie ist sowohl von anderen keltischen Fundstellen Hessens, Süd- und Südwestdeutschlands wie auch aus den germanischen Siedlungsgebieten der Römischen Kaiser- und Völkerwanderungszeit belegt (Kreuz 2000, 2005; Kroll 1998, 2000, 2001; Küster 1995). Bei der Spelzgerste bleiben wie bei den Spelzweizen nach dem Dreschen die Körner von den fest anhaftenden Deck- und Vorspelzen umschlossen. Bevor die Körner vermahlen oder geschrotet werden können, war ein Entspelzungsvorgang nötig, um die Körner von den Spelzen zu befreien. Dies gelingt mit Mörsern am besten, wenn das Getreide vorher leicht angefeuchtet wird. Üblicherweise wurden die Spelzgetreide in bespelztem Zustand gelagert, bei der Spelzgerste, der Hirse und bei den Spelzweizen Emmer, Dinkel und Einkorn in Form kompletter Ährchen. Die Spelzen schützen das Korn gegen Schadinsekten und Pilze. Außerdem läßt sich aus Vorräten komplett bespelzter Ährchen die feine Unkrautsaat durch Sieben und Worfeln leichter entfernen. Diese Vorteile der Spelzgetreide überwogen offenbar gegenüber dem Nachteil des höheren Arbeitsaufwandes bei der Aufbereitung. Spelzgerste diente ebenso wie die anderen Getreide der menschlichen Ernährung. Sie ist aufgrund ihres geringeren Kleberanteils weniger zur Herstellung von Brot oder Backwaren geeignet. Vielmehr wird man sie vor allem geschrotet in Eintöpfen oder als Breispeisen verzehrt haben. Außerdem konnte man aus Gerstenmehl dünne Fladen ausbacken oder vermischt mit dem kleberreichen Mehl anderer Getreide Brot backen (Kreuz 2007). Eine mögliche Nutzung als Viehfutter läßt sich mit den vorliegenden Funden nicht nachweisen. Echte Hirse konnte zur Breispeisen und Eintöpfen, aber auch zu einfachen, kaum aufgehenden kleinen Broten verarbeitet werden (Behre 1991). Dinkel und Emmer wurden vermutlich vorrangig als Brotgetreide genutzt. 5.2.2 Hülsenfrüchte Funde von bestimmten und unbestimmten Hülsenfrüchten sind in Mardorf weniger stetig und zahlreich als die der Getreide (Abb. 6). Da Samen der Linse Lens culinaris aufgrund ihrer abgeplatteten Form und ihrer relativ scharfen Seitenkanten meist auch als Fragment noch sicher zu bestimmen sind, könnten sich unter den unbestimmbaren Hülsenfruchtfragmenten vor allem Erbsen Pisum sativum verbergen. In der keltischen Siedlungsphase von Mardorf erreichen die Erbse und die unbestimmbaren kultivierten Hülsenfrüchte mit jeweils 44 % die höchste Stetigkeit vor der Linse mit 36 %. Berücksichtigt man, daß sich unter den unbestimmbaren kultivierten Hülsenfrüchten mehr Erbsen als Linsen verbergen könnten, würde das Vorherrschen der Erbse ggf. noch deutlicher ausfallen. In der Übergangsphase und der kaiserzeitlich-germanischen Siedlungsphase kehrt sich das Verhältnis um. So dominiert bei der Betrachtung der Stetigkeit in den Gruben der kaiserzeitlich-germanischen Siedlungsphase die Linse mit 24 % über die Erbse, die nur noch 15 % erreicht. Der Anteil unbestimmbarer kultivierter Hülsenfrüchte ist hier allerdings sehr hoch (47 %). Linsenwicke Vicia ervilia und Ackerbohne Vicia faba, die an anderen keltischen Fundstellen Hessens, aber auch Süd- und Südwestdeutschlands vereinzelt nachgewiesen wurden, fehlen in Mardorf (Kreuz 1993, 2005; Kroll 2000, 126 f.; Küster 1995; Stika 1999). Eine Möglichkeit, beim Hülsenfruchtanbau Unkräuter zu unterdrücken und den Ernteerfolg zu sichern, bestand darin, Linse oder Erbse mit einem Getreide als 367 Deckfrucht, beispielsweise mit Gerste, gemeinsam anzubauen. Eindeutige Belege für eine Mischkultur von Getreide und Hülsenfrüchten liegen jedoch bisher nur aus historischer Zeit aus Südwestdeutschland vor. Auf der Schwäbischen Alb und in der Baar wurden Linsen als Unterfrucht unter Spelzgerste, Dinkel oder sogar Winterroggen angebaut (Jänichen 1970, 101; KörberGrohne 1988, 357). Erbse und Linse sind wichtige Lieferanten von Eiweiß und Kohlenhydraten. Sie lassen sich gut zu Eintöpfen und Breispeisen verarbeiten. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, daß das Mehl von Hülsenfrüchten mit Getreidemehl vermischt wurde und so zur Herstellung von Brot und Backwaren diente (Kreuz 2007). 5.2.3 Öl- und Faserpflanzen In Mardorf 23 wurden verkohlte und nur einige wenige mineralisierte Samen von Ölpflanzen gefunden. Massenfunde sowie die charakteristischen Schötchenklappen des Leindotters oder Kapselteile von Lein und Mohn fehlen im Fundgut. Ölpflanzen bleiben weniger gut erhalten als Getreide und Hülsenfrüchte, da die ölhaltigen Samen in Kontakt zu Feuer oder Hitze leicht verbrennen oder verschmoren und dadurch unkenntlich werden. Sie gelten deshalb in verkohltem archäobotanischen Fundmaterial als unterrepräsentiert. Die drei Ölpflanzen Saat-Leindotter Camelina sativa, Lein Linum usitatissimum und Schlafmohn Papaver somniferum wurden für die keltische Siedlungsphase von Mardorf 23 nachgewiesen. Für die Römische Kaiserzeit sind nur noch Leindotter und Lein belegt, der Schlafmohn fehlt. Dies entspricht auch den Ergebnissen von weiteren 18 germanischen Fundstellen aus Hessen (Kreuz 2004, 131). Die größte Bedeutung besaß Saat-Leindotter, der mit 68 % Stetigkeit in der keltischen Siedlungsphase und 38 % in der römisch-kaiserzeitlichen Siedlungsphase dominiert (Abb. 6). Leindotter kann auch Unkraut in den Leinfeldern gewesen sein, jedoch deutet die höhere Stetigkeit des Leindotters in Mardorf auf eigenständigen Anbau hin. In der eisenzeitlich-keltischen Siedlungsphase erreicht Lein eine Stetigkeit von 40 %. Mit 141 verkohlten Samen enthielt lediglich die Grube 1020 zahlreiche Funde. In den germanischen Befunden der Übergangsphase gibt es keine Leinnachweise. Dies könnte auf die geringe Anzahl untersuchter Befunde zurückzuführen sein. In der Römischen Kaiserzeit ist Lein dann mit einer geringen Stetigkeit von 15 % vertreten. Schlafmohn Papaver somniferum wurde in Mardorf 23 ausschließlich in den eisenzeitlich-keltischen Gruben nachgewiesen. Die Mohnsamen stammen aus nur drei Gruben, den Befunden 208, 976 u. 1020, so dass seine Stetigkeit mit rund 12 % verhältnismäßig niedrig ist. Von den 15 Funden befanden sich allein 13 in der Grube 1020. Der Mohn hatte daher als Kulturpflanze wahrscheinlich keinen großen Stellenwert. Beim Saat-Leindotter handelt es sich um einen gelbblühenden Kreuzblütler, dessen Kultur trotz der nur wenige Millimeter großen Samen gute Erträge liefern konnte. Leindotter gedeiht ausgezeichnet auf nährstoffreichen, lehmigen Böden, also auch auf den Böden, die im Bereich von Mardorf 23 anzutreffen sind. Seine ölhaltigen Samen dienten entweder als nahrhafter und geschmacksverbessernder Speisezusatz zu Eintöpfen oder Breispeisen oder zur direkten Ölgewinnung durch Pressen. Die ausgedroschenen Schötchen konnten als Viehfutter oder Magerungsmaterial (Schultze-Motel 1979), das Stroh als Einstreu verwandt werden. Gebauter Lein besaß sowohl als Öl- wie auch als Faserpflanze Bedeutung. Heute wird zwischen Faser- und Öllein unterschieden. In prähistorischer Zeit muss man jedoch davon ausgehen, dass kultivierter Lein beiden Nutzungen diente. Neben der Verwendung der Leinstengel zur Fasergewinnung wurden die Samen des Leins wie die des Leindotters als Speisezusatz genutzt. Ferner konnten sie als verdauungsförderndes Heilmittel und zur Gewinnung von Leinöl eingesetzt werden (Körber-Grohne 1988, 366 ff.). Die Kultur des Leins muss auf gut nährstoffversorgten Böden erfolgen. Mohnsamen enthalten wie Leindotter- und Leinsamen ein wertvolles Speiseöl. Opium als Heil- und Rauschmittel läßt sich aus dem Milchsaft der unreifen Mohnkapsel gewinnen. Eine entsprechende Verwendung der Pflanze ist durch die Samenfunde von Mardorf nicht belegbar, jedoch darf man vermuten, daß die Kenntnis des Einsatzes als Heilpflanze und Rauschmittel bereits vorhanden war. Hanf Cannabis sativa, der nach neuesten Brunnenfunden von Bevaix aus der Schweiz (Akeret, mündl. Mitt.) und aus dem oppidum Fossé des Pandours in Ostfrankreich (Wiethold 2002) als weitere Ölpflanze dieser Zeit in Betracht kommt, fehlt in Mardorf 23 und auch in anderen eisenzeitlichen Fundstellen Hessens. 5.2.4 Importpflanzen und Gewürze Als importierte Art muß die Feige Ficus carica gelten, von der sich ein mineralisiertes Nüsschen in der keltischen Grube 208 fand (Taf. 4). Die Feige ist eine mediterrane Kulturpflanze, die nördlich der Alpen erst in römischer Zeit häufiger gefunden wird. Obwohl Feigen auch in unseren Breiten gepflanzt werden können und zum Fruchten kommen, ist es wahrscheinlicher, daß der Fund von einer importierten Frucht stammt, die man getrocknet oder eingelegt verhandelt hat. Getrocknete Feigen ließen sich aufgrund ihres hohen Zuckergehaltes gut über lange Strecken transportieren. 368 Zwei vergleichbare Funde von einzelnen Feigennüsschen liegen auch aus den frühlatènezeitlichen Siedlungen von Hochdorf in Baden-Württemberg (Stika 1995) sowie von Bad Nauheim „Im Deut“ in Hessen vor (Kreuz/Boenke 2002). Als weitere bemerkenswerte Art, die in Mardorf sicherlich nicht der lokalen Vegetation entstammt, muß die Echte Sellerie Apium graveolens gelten. Ein Fund stammt aus einer eisenzeitlich-keltischen Grube der Mittel- bis Spätlatènezeit (Taf. 5). Das in Früchten und Blättern von Sellerie enthaltene ätherische Öl ergibt die Würze und wirkt gleichzeitig als diuretisches Mittel bei Harnbeschwerden und Störungen des MagenDarmtraktes. Die häufigen Funde von Sellerie-Teilfrüchten in mittelalterlichen und neuzeitlichen Latrinen zeigen, daß im Gegensatz zu heute die Früchte früher regelmäßig genutzt wurden (z. B. Wiethold/ Schulz 1991). Echte Sellerie blüht und fruchtet erst im zweiten Jahr im August/September. Die Pflanze ist in Kultur anspruchsvoll. Sie bedarf gut gedüngter, kalkreicher Böden und wird im Haus vorgezogen. Knollen-, Schnittund Bleich-Sellerie wurden erst im 17. Jahrhundert nach Deutschland eingeführt, die Bezeichnung Sellerie leitet sich wohl aus dem französischen céleri ab. Die Wilde Sellerie ist natürlich in Flutrasen und Feuchtweiden an leicht salzhaltigen Stellen des Binnenlandes sowie an den Meeresküsten verbreitet. Sie wächst dort auf feuchten bis nassen, kalk- oder salzhaltigen Schlammböden. Echte Sellerie benötigt kein Salz, gilt aber als halophil. Selten kommt sie auch an kalkreichen Quellen vor. Heute wächst Wilde Sellerie in Hessen nur noch in Salzwiesen an einer Fundstelle der nördlichen Wetterau zwischen Ortenberg und Ranstadt (Klein/ Klein 1985; Haeupler/Schönfelder 1988, 362 Nr. 1090). Ihr eisenzeitliches Vorkommen, zum Beispiel bei den etwas weiter westlich liegenden Salzquellen von Bad Nauheim, im Bereich der Münzenberger Salzwiesen oder im Randbereich des Vogelsberges, ist anzunehmen. Angesichts der nicht unkomplizierten Kultivierung von Sellerie ist ein lokaler Anbau bei Mardorf nach derzeitigem Forschungsstand eher unwahrscheinlich. Die nahegelegene Siedlung auf der Amöneburg (vgl. Weißhaar 1984) läßt als möglicher zentraler Ort überregionale Handelskontakte der dort und in ihrem Umfeld ansässigen Bevölkerung erwarten. Es ist denkbar, daß zusammen mit Salz auch bei den Salzquellen gesammelte Früchte der Sellerie in die Siedlung gelangten, zum Beispiel von Bad Nauheim aus. Tabelle 4 zeigt eine Zusammenstellung mediterraner Gewürz- und Importpflanzen aus vorrömisch-eisenzeitlichen Fundstellen in Süd- und Südwestdeutschland, der Schweiz und dem östlichen Frankreich (Kreuz/Wiethold im Druck). Es wird deutlich, dass die bisherigen archäobotanischen Funde sehr spärlich sind, obwohl von Hunderten eisenzeitlichen Fundstellen im Mitteleuropa archäobotanische Untersuchungen vorliegen. Es handelt sich daher nördlich der Alpen in vorrömischer Zeit wohl eher um Importe als um in Gärten angebaute Arten (Kreuz 2004, 218f.) 5.3 Die Wildpflanzen Die Wildpflanzennachweise sind bei der Auswertung mit dem archäobotanischen Datenbankprogramm in zehn Ökologische Gruppen unterteilt worden, die in Anlehnung an die Zeigerwerte Ellenbergs (Ellenberg et al. 1991) und die Angaben der pflanzensoziologischen Exkursionsflora von Oberdorfer (1990) von A. Kreuz (2005, 34f.) gebildet wurden (Tab. 3). Die Einteilung der Taxa in Ökologische Gruppen soll lediglich zu einer besseren Übersicht über das WildpflanzenArtenspektrum verhelfen (Kreuz 2004); sie besagt nicht, dass die betreffende Art tatsächlich in einem der den Ökologischen Gruppen zu Grunde liegenden Standorttypen gewachsen sein muss. In den Abbildungen 9 – 11 wurde die Anzahl Taxa je Ökologische Gruppe bezogen auf die Befunde der einzelnen Siedlungsphasen dargestellt. Die Artenzahlen der Ökologischen Gruppen 2 – 4 sind hier addiert und unter „Grünland- und Ruderalvegetation“ zusammengefaßt (vgl. Tab. 3). Dadurch bilden die Arten der Ruderalfluren und der undifferenzierten Ruderal- und Segetalvegetation mit denjenigen grünlandartiger Vegetation eine Gruppe (siehe hierzu auch Kap. 5.3.3). Bei der Darstellung der Stetigkeiten der ökologischen Gruppen je Siedlungsphase wurden die Ökologischen Gruppen 2 – 4 hingegen getrennt behandelt (Abb. 12). Hierbei wurden, wie auch bei den folgenden Berechnungen zur Stetigkeit nur die Abfallgruben im weitesten Sinne als untereinander vergleichbare Befundtypen betrachtet (ohne Pfostengruben, ohne direkt entnommene Pflanzenreste, nur verkohlte Pflanzenreste). Betrachtet man die Anzahl Taxa je Ökologische Gruppe in den einzelnen Befunden (Abb. 9 – 11), so fällt auf, dass sich trotz schwankender Artenzahlen die prozentualen Verhältnisse der einzelnen Ökologischen Gruppen je Befund und von Siedlungsphase zu Siedlungsphase nicht entscheidend verändern. Es treten stets Mischungen verschiedener Ökologischer Gruppen auf. Dabei erreichen die Kulturpflanzen, Ökologische Gruppe 5, und die Gruppe der Grünlandartigen Vegetation, Ökologische Gruppen 2 – 4, in der Regel die höchsten Taxa-zahlen. Bei den Stetigkeiten der ökologischen Gruppen sind die Ergebnisse für die einzelnen Siedlungsphasen sehr ähnlich (Abb. 12). Allerdings erreichen die Arten der Grünlandartigen Vegetation inkl. ausdauernde Rude- 369 eisenzeitlich-keltische Befunde Abfallgruben i. w. S. (V = Befunde mit Vorratsproben) 80 60 Stück 40 20 0 7a 9a 7b 3 4 2 5 2 20 95 11 52 11 4e 8b 4b 2d 19 4/ 23 8e 1 25 34 46 48 86 7 1 6 56 54 56 10 74 8 10 11 23 26 56 20 88 97 97 10 23 23 10 11 49 53 5 V V V V V b Abb. 9: Mardorf 23 (AK85), Kr. Marburg-Biedenkopf. Anzahl Taxa je Ökologische Gruppe (grünlandartige und ruderale Vegetation zusammengefasst) in Abfallgruben i.w.S. der eisenzeitlich-keltischen Siedlungsphase. germanische Befunde der Übergangsphase Abfallgruben i. w. S. 80 60 Stück 40 20 0 1 0 3 0 2 1a 2c 0 h a 20 17 24 30 47 80 44 54 54 24 49 10 11 11 11 54 g Abb. 10: Mardorf 23 (AK85), Kr. Marburg-Biedenkopf. Anzahl Taxa je Ökologische Gruppe (grünlandartige und ruderale Vegetation zusammengefasst) in Abfallgruben i.w.S. der kaiserzeitlich-germanischen Siedlungsphase. kaiserzeitlich-germanische Befunde Abfallgruben i.w.S. 80 60 Stück 40 20 0 1 3 2a 16 3 1 0 0 9 0 1 2 0 0 1 8 0e 6 3 3 9b 8a 9a 2a 7a 0b 7a 4 50 10 0d 23 76 77 39 a 14 17 23 24 77 77 92 20 24 28 31 61 62 67 70 95 17 17 26 28 49 49 58 58 10 11 38 0a 0h Ufer- und Auenvegetation Grünland und Ruderalvegetation Unkräuter in Hackfrucht und Gärten Unkräuter in Halmfrucht Kulturpflanzen Abb. 11: Mardorf 23 (AK85), Kr. Marburg-Biedenkopf. Anzahl Taxa je Ökologische Gruppe (grünlandartige und ruderale Vegetation zusammengefasst) in den Befunden der Übergangsphase (EZ-G und RKZ1v/1). 370 Abfallgruben i. w. S. 100 80 Stetigkeit (%) 60 40 20 0 1 2 3 4 5 6 7 10 Ökologische Gruppen EZ-K (n = 25) Ökologische Gruppen 1 2 3 4 Ufer- /Auenvegetation Grünlandartige Vegetation Ruderalfluren Ruderal-/Segetalvegetation undifferenziert 5 6 7 10 Kulturpflanzen Unkräuter in Hackfrucht und Gärten Unkräuter in Halmfrucht Laubwälder / Gebüsche RKZ-G (n = 34) Übergangsphase (n = 12) Abb. 12: Mardorf 23 (AK 85), Kr. Marburg-Biedenkopf. Stetigkeit (prozentuale Häufigkeit des Vorkommens) der ökologischen Gruppen in Abfallgruben i.w.S. der drei Siedlungsphasen. Die Stetigkeitswerte sind wegen der unterschiedlichen Befundzahlen nicht direkt vergleichbar. ralfluren (Ökologische Gruppen 2 und 3), in der eisenzeitlich-keltischen Siedlungsphase höhere Stetigkeitswerte als in der Römischen Kaiserzeit (vgl. auch die Taxazahlen in Abb. 9 – 11). Über eine Erklärung für dieses Phänomens muss noch weiter nachgedacht werden. Es ist vorstellbar, dass dies mit den geringen Funddichten und vielleicht sogar einem Rückgang der Bewirtschaftung in der Römischen Kaiserzeit zu tun hat (vgl. Kap. 8). Ein Zusammenhang mit der Kulturpflanzenaufbereitung scheint zunächst nicht wahrscheinlich, denn dies müßte die Artenzahlen und Stetigkeiten der sicheren Unkräuter (Ökologische Gruppen 6 u. 7) ebenfalls verändern, was nicht der Fall ist. Im Folgenden werden die verschiedenen Gruppen der nachgewiesenen Wildpflanzen und bemerkenswerte Arten mit ihren Standortbedingungen im Einzelnen erläutert. 5.3.1 Ökologische Gruppe 1 – Ufer- und Auenvegetation Zu den Arten nasser Standorte gehören Aufrechter Igelkolben Sparganium cf. erectum, von dem sich ein verkohlter Steinkern in der Grube 888e1 fand, sowie Großes oder Gefaltetes Süßgras Glyceria maxima/pli- cata, das vereinzelt in den keltischen Gruben belegt ist. Aufrechter Igelkolben und Süßgras stehen in der Röhricht- und Uferzone stehender oder langsam fließender, meist nährstoffreicher Gewässer. Süßgras kann jung zur Zubereitung von Grütze, als Futtergras oder später als Einstreu Verwendung gefunden haben (Hegi 1906 ff.). Bemerkenswert sind die recht stetigen Nachweise der Gewöhnlichen Sumpfbinse Eleocharis palustris agg. in den Proben. Die Art kann an Ufern ebenso wie auf Naßwiesen und schlammigen Äckern vorkommen. Ihr stetiges Auftreten zusammen mit Getreidefunden gibt zu der Vermutung Anlaß, dass sie mit Dung, Mist oder Einstreu auf die Felder gelangte und sich dort an verschlammten Stellen ansiedeln konnte. Die häufigen Nachweise dürfen daher in Verbindung mit Viehzucht zu interpretieren sein. Kammsegge Carex disticha, Behaarte Segge Carex cf. hirta und Sumpf-Labkraut Galium palustre sind in Großseggengesellschaften häufig, jedoch auch in extensiv genutztem Feuchtgrünland anzutreffen. Die Behaarte Segge und die meisten anderen in die Ökologische Gruppe 1 gestellten Arten, darunter Sardi- 371 nischer Hahnenfuß Ranunculus sardous und Krauser oder Breitblättriger Ampfer Rumex crispus/obtusifolius kommen auch häufig in ausdauernden Ruderalgesellschaften frischer bis nasser, meist gestörter Standorte vor. Da sowohl die Taxazahl von Arten als auch der Anteil der Pflanzenreste der Ökologischen Gruppe 1 an der Gesamtkonzentration pflanzlicher Funde niedrig ist, können wir eine gezielte Einbringung von pflanzlichem Material aus dem Ufer- und Auenbereich – etwa aus Streuwiesen – nicht nachweisen. 5.3.2 Ökologische Gruppe 2 – grünlandartige Vegetation Die Ökologische Gruppe 2 fasst Pflanzenarten zusammen, die ihren heutigen Standort in Grünlandartiger Vegetation haben. Manche dieser Arten finden sich auch in Trittfluren, ein- oder mehrjährigen Ruderalgesellschaften oder Ackerunkrautgesellschaften, so beispielsweise der Vogel-Knöterich Polygonum aviculare agg., Breitblättriger Wegerich Plantago major s. str., das Einjährige Rispengras Poa annua oder der Kleine Sauerampfer Rumex acetosella agg. Stammen Funde dieser Taxa aus getreidereichen Befunden, so wird man eher Ackerbrachen und Feldraine als potentielle Standorte vermuten. Gleichzeitig ist nicht auszuschliessen, dass man die Vegetation von Ackerbrachen nutzte, um Grünfutter für das Vieh zu gewinnen (vgl. Kreuz 2000, 130 ff.; 2005, 194 ff.). Als heutige Charakterart des trockenen, mesophilen Grünlandes muß der Glatthafer Arrhenatherum elatius hervorgehoben werden. Es fanden sich in der keltischen Grube 208 mehrere verkohlte Speicherbulbillen, die die durch basale Halmverdickungen gekennzeichnete ssp. bulbosum belegen. Diese Unterart kommt vor allem unkrauthaft in Getreidefeldern vor. Eine Art des heutigen frischen bis mäßig-frischen, gut nährstoffversorgten Grünlandes ist das Wiesen-Lieschgras Phleum pratense, das als tritt- und weidefest gilt. Es steht jedoch auch an Wegen und anderen vom Menschen genutzten Bereichen und kann deshalb unmittelbar im besiedelten Bereich von Mardorf 23 vorgekommen sein. Hohe Fundzahlen wurden in sechs von 26 Grubenbefunden der eisenzeitlich-keltischen Siedlungsphase festgestellt (vgl. Tabelle 3). In den germanischen Befunden tritt die Art recht stetig auf, erreicht jedoch nur geringere Fundzahlen als in der keltischen Siedlungsphase. Von den Arten der Ökologischen Gruppe 2 sind ferner noch Margerite Leucanthemum vulgare und Wiesen- oder Echtes Labkraut Galium mollugo/verum heutigem ungedüngtem Grünland oder Halbtrockenrasengesellschaften zuzuweisen. Sieht man von den häufigen Funden des Wiesen-Lieschgrases in der eisenzeitlichen-keltischen Siedlungsphase ab, ist der Anteil von Charakterarten heutiger Wiesen und Weiden in den untersuchten Befunden gering. Die meisten der in den Abbildungen 9 – 11 zu Grünland- und Ruderalvegetation zusammengefaßten Taxa, sind keine Charakterarten mesophiler Grünlandgesellschaften im heutigen engeren Sinne, sondern auch auf Ackerbrachen und an ruderalen Standorten verbreitet. Eindeutige Belege für Heu oder Schnittgut, darunter würde man Massenfunde von mehreren hundert Samen und Früchten von Grünlandarten verstehen, liegen aus Mardorf 23 nicht vor. In der keltischen Siedlungsphase bildet lediglich die Grube 208 eine Ausnahme, die neben vielen verkohlten Früchten des Wiesen-Lieschgrases und weiteren Taxa dieser Gruppe, insbesondere hohe Fundzahlen von kleinsamigen Kleearten Trifolium campestre/dubium/arvense aufwies. Die drei in Betracht kommenden Kleearten, Feld-Klee, Kleiner Klee und Hasen-Klee können sowohl in trockenem, mageren Grünland, als auch in Tritt- und Ruderalvegetation wie auch auf Ackerbrachen wachsen. Da Grube 208 auch zahlreiche Kulturpflanzen enthielt, ist es wahrscheinlich, daß die Samen und Früchte der genannten Arten von trockenen, lehmigen Äckern stammen. 5.3.3. Die Ökologischen Gruppen 3 und 4 – Arten der Ruderalfluren und der undifferenzierten Ruderal- und Segetalvegetation In der Ökologischen Gruppe 3 sind Arten zusammengefaßt, die ihren Verbreitungsschwerpunkt in trockenen und feuchten Ruderalgesellschaften besitzen. Der Ökologischen Gruppe 4 wurden Arten zugewiesen, die sowohl in Ruderal- wie in Segetalgesellschaften verbreitet sind und die nicht eindeutig zu Hackfruchtoder Halmfruchtunkräutern gestellt werden können. Dabei handelt es sich über wiegend um annuelle Pionierpflanzen und Rohbodenbesiedler, für die sowohl in jungen Ruderalgesellschaften wie auch auf den Feldern geeignete Wuchsbedingungen bestanden. Vereinzelt sind in dieser Gruppe jedoch auch mehrjährige Arten vertreten, beispielsweise die Grosse Brennessel Urtica dioica. Es ist anzunehmen, dass in der vor- und frühgeschichtlichen Landwirtschaft Arten und Pflanzengesellschaften der Ruderalfluren und des Grünlandes gemeinsam in Ackerbrachen und extensiv beweidetem Grünland vorkommen. Die Wilde Möhre Daucus carota wächst heute vor allem in trockenen, nährstoff reichen und voll besonnten Staudenfluren und Ruderalgesellschaften. Sie ist eine Verbandscharakterart des Dauco-Melilotions, kann aber auch in extensiv genutztes Grünland einwandern. Vergleichbare Standorte besiedelt auch der Steinklee Melilotus spec. Rainkohl Lapsana communis und Große Brennessel Urtica dioica kommen eher in frischen, gut stickstoffversorgten Ruderalgesellschaften vor. Die Brennessel steht außer an Ruderalstandorten natürlicherweise noch in der Krautschicht von Weidengebüschen sowie von Bruch- und Auwäldern. Ausschließlich in den germanischen Siedlungsphasen wurde das Schwarze Bil- 372 senkraut Hyoscyamus niger nachgewiesen, eine Giftpflanze, deren Samen und Blätter als Heil- und Rauschmittel eingesetzt werden konnten (Rätsch 1998, 277 ff.). Es kommt auf stickstoffreichen, wärmebegünstigten Ruderalstandorten meist sandig-lehmiger Böden vor und gilt heute als Charakterart des Onopordions, der Eselsdistelfluren (Pott 1992). Die nachgewiesenen Taxa der Ökologischen Gruppen 3 und 4 unterscheiden sich von Siedlungsphase zu Siedlungsphase nur wenig. In den germanischen Befunden der römischen Kaiserzeit kommen als „neue“, nur mit Einzelfunden vertretene Arten, Gefleckter Schierling Conium maculatum und Katzenminze Nepeta cf. cataria vor. Zur Ökologischen Gruppe 4, den undifferenzierten Ruderal- und Segetalgesellschaften, gehören einjährige Arten, insbesondere der Gattungen Melde Atriplex und Gänsefuß Chenopodium. Am häufigsten ist der Weiße Gänsefuß Chenopodium album vorhanden, von dem nur verkohlte Samen in die Fundlisten aufgenommen wurden. Gänsefuß- und Meldenarten zeichnen sich nicht nur durch eine hohe Samenproduktion aus, sondern waren in der Siedlung und auf den Äckern – wie heute – sicher weit verbreitet, so daß ihr häufiges Auftreten nicht überrascht. Für ihr Vorkommen auf Äckern sprechen unter anderem die hohen Fundzahlen in den beiden getreidereichen Gruben 971 und 976 der eisenzeitlich-keltischen Siedlungsphase. Auch weitere Ruderalarten wie Hühnerhirse Echinochloa crus-galli, Schwarzer Senf Brassica nigra, Geruchlose Kamille Matricaria perforata, Schwarzer Nachtschatten Solanum nigrum und Kleinblütiger oder Gewöhnlicher Hohlzahn Galeopsis bifida/tetrahit waren vermutlich ebenfalls Getreideunkräuter oder auch auf Ackerbrachen verbreitet. Höhere Stetigkeiten erreicht in Mardorf nur die Hühnerhirse Echinochloa crus-galli, die als Ackerunkraut insbesondere in Sommergetreide – zum Beispiel in Hirse – anzunehmen ist. Die übrigen Arten kommen in den Fundspektren dagegen nur vereinzelt und mit niedrigen Stückzahlen vor. Unter den Arten der Ökologischen Gruppen 3 und 4 finden sich mehrere Arten, die potentiell als Wildgemüse oder Wildsalat genutzt werden konnten. Dazu gehören die nachgewiesenen Gänsefuß- und Meldenarten sowie die Möhre. Die Wildform der Möhre weist sehr schlanke, hellere Pfahlwurzeln auf und wurde möglicherweise bereits in prähistorischer Zeit als Wildgemüse genutzt. Das Artenspektrum der Ökologischen Gruppen 3 und 4 aus den Befunden der kaiserzeitlichen Siedlungsphase und der Übergangsphase entspricht fast vollständig dem der eisenzeitlich-keltischen Siedlungsphase. Dies entspricht auch den Ergebnissen aus dem übrigen Hessen (Kreuz 2004). Die Standortbedingungen innerhalb der Siedlung und in ihrem Umfeld haben sich demnach nicht merklich geändert. 5.3.4 Die Ökologischen Gruppen 6 und 7 – Unkräuter der Hackfrüchte und Halmfrüchte Unkräuter der Hackfrüchte und Gärten werden in der Ökologischen Gruppe 6, typische Halmfruchtunkräuter in Gruppe 7 zusammengefaßt (Tab. 3). Eine strikte Trennung der Unkrautvegetation nach Ellenberg (1991) ist bei anzunehmendem Fruchtwechsel nicht zu erwarten und daher auf die vorgeschichtliche Situation so nicht übertragbar (vgl. u. a. Pott 1992,122). Diese Gruppen sind hier nur der Vollständigkeit halber aufgeführt. Tatsächlich unterscheiden sich die in Mardorf 23 nachgewiesenen Unkrautarten beim Vergleich der einzelnen Siedlungsphasen ebenso wie die Ruderalarten nur wenig. Dies ist mit Kontinuität der Anbaumethoden und der genutzten Ackerflächen von der Eisen- bis in die Kaiserzeit zu erklären. Quirlige oder Grüne Borstenhirse Setaria verticillata/viridis, Acker-Hellerkraut Thlaspi arvense, Sonnenwend-Wolfsmilch, Erdrauch Fumaria spec. und Floh-Knöterich Polygonum persicaria standen wohl bevorzugt im Sommergetreide, vermutlich in erster Linie in Spelzgerste und Echter Hirse. Zu den typischen Getreideunkräutern, vermutlich ebenfalls in Spelzgerste oder in Emmer, ist auch der Flughafer Avena fatua zu zählen. Unbespelzte Haferkörner wurden ebenfalls hier aufgeführt, obwohl nicht sicher ist, ob sie zu einem Kulturhafer oder zu Wildhafer gehören. Da SaatHafer nicht nur in Mardorf, sondern auch an weiteren Fundstellen in Hessen und Mainfranken fehlt (Kreuz 2004), dürfte es sich auch bei den als Avena spec. bestimmten Funden um Flughafer handeln (vgl. oben). Die kleinen Grasfrüchte des Faden-Fingergrases Digitaria ischaemum treten nur in dem Getreidemassenfund von Grube 208 häufiger auf. Dies korrespondiert dort mit hohen Fundzahlen von Arten des Grünlandes, der Ackerbrachen sowie von Ruderalgesellschaften. Da es sich um einen „Vorratsfund“ handelt dürften diese Arten tatsächlich zusammen mit den Getreiden auf den Äckern gewachsen sein. Tabelle 5 zeigt die Reaktions- und Stickstoffzahlen nach Ellenberg et. al. (1991) für die potentiellen Unkräuter (Ökologische Gruppen 1 – 4 und 6 und 7). Am häufigsten sind Arten mit indifferenter Reaktions- und Stickstoffzahl, die an unterschiedlichen Standorten wachsen können. Die Werte der Ackerunkräuter und Wildpflanzen entsprechen ihrer standörtlichen Verbreitung (z.B. höhere Stickstoffzahlen bei Ruderalarten usw.). Nur wenige Arten wachsen heute an kalkreichen oder sauren Standorten. Die Mehrzahl der nachgewiesenen Arten verweist auf nährstoff- und basenreiche, mäßig kalkhaltige und mild-saure Böden. Dies entspricht den lokalen Standortverhältnissen. Es spricht daher nichts dagegen, die früheren Ackerflächen in unmittelbarer Nachbarschaft zur Siedlung anzunehmen. Das Artenspektrum der Ökologischen Gruppe 7 umfasst typische Halmfruchtunkräuter, die aufgrund ih- 373 eisenzeitlich-keltische Siedlungsphase (La2 und La2/3) Halmfruchtunkräuter Stetigkeit 120 Hackfruchtunkräuter Stetigkeit < 25 % > 25 % < 25 % > 25 % Wuchshöhe (cm) 80 40 0 Pa Ap cf pa ha . R ve ne ap r d s a ha ub rv iu en n s m cf us . S ra /rh is he ph oe ra an as r i A dia str pe a um Pa ra s rve pa pi ns ve ca is Vi r a -ve B ci rg nt ug a em i lo t ss etr o A oi as ne na p d ga es erm ar lli s v a cf en . a si s r B ro Vic ve m ia nsi us s h cf irs . a ut rv a Sc Va e A le ler ve ns i ra i n nt ane a f s hu lla at ua B s d Vi rom an en ci us nuu tata a h s s. Po irs cf. ly uta sec str go /te al . nu tr in m as us pe c G onv rm al ol a iu m vul sp us ur iu m Eu ph Fu o m Po rb ari ly ia h a s go el pe n i St um osc c. el o Ve lar per pia s ro ia m ica ni ed ri a D ca ig o ia ita pa ag ria ca g. Sp is /po er ch lita gu ae Se m Th la a um ta ria la rv ve sp ens rt i a r is ic ill ven at a/ se vi rid is Abb. 13: Mardorf 23 (AK 85) Kr. Marburg-Biedenkopf. Die maximalen Wuchshöhen von Halmfrucht(Ökologische Gruppe 7) und Hackfruchtunkräutern (Ökologische Gruppe 6) der eisenzeitlich-keltischen Siedlungsphase. Die Arten sind nach aufsteigender Stetigkeit sortiert mit Trennlinie bei 25 %. rer Konkurrenz mit Getreidepflanzen (Halmfrüchte) höherwüchsiger sind als Hackfruchtunkräuter. Dies verschafft ihnen gleichzeitig eine größere Chance auch bei unterschiedlicher Erntehöhe mit dem Getreide geerntet zu werden. Zu den häufigsten Arten in allen Siedlungsphasen gehören Saat-Labkraut Galium spurium, Roggentrespe Bromus cf. secalinus und Rauhhaarige oder Viersamige Wicke Vicia hirsuta/tetrasperma sowie der Windenknöterich Polygonum convolvulus. Seltener sind Mohnarten wie Sandmohn, Saat- oder Klatschmohn Papaver dubium/rhoeas sowie Acker-Steinsame Buglossoides arvensis vertreten. Ausschließlich in der latènezeitlichen Grube 344 wurden zahlreiche Früchte von Acker-Windhalm Apera spica-venti festgestellt. Es handelt sich um ein Ungras, das heute besonders häufig im Wintergetreide verbreitet ist. Es ist daher anzunehmen, dass Windhalm in Dinkelfeldern oder in Nacktweizen stand. Er tritt auch tatsächlich nur in keltischen Befunden auf (Tabelle 5). Die Betrachtung der maximalen Wuchshöhen der nachgewiesenen Halm- und Hackfruchtunkräuter und ihrer Stetigkeiten in den beiden Hauptsiedlungsphasen von Mardorf (Abb. 13 – 15) zeigt folgendes Bild: Bei den Halmfruchtunkräutern dominieren naturgemäß mittel- bis höherwüchsige, teils rankende oder klimmende Arten. Die höchsten Stetigkeiten erreichen Saat-Labkraut Galium spurium, Rauhhaarige oder Viersamige Wicke Vicia hirsuta/tetrasperma, Win- den-Knöterich Polygonum convolvulus und RoggenTrespe Bromus cf. secalinus. Daneben sind aber auch einige niedrigwüchsigere Arten vertreten, beispielsweise Einjähriges Knäuelkraut Scleranthus annuus und Acker-Gauchheil Anagallis cf. arvensis, die den Ährenhorizont nicht erreichen konnten. Die Präsenz niedrigwüchsiger Halmfruchtunkräuter spricht dafür, daß das Getreide nicht mehr in Form der reinen Ährenernte, also durch Abbrechen oder Schneiden der Getreideähren eingebracht wurde, sondern dass man es bereits bodennäher mit der Getreidesichel schnitt, die bis in die Frühe Neuzeit das wichtigste Werkzeug bei der Getreiderente blieb. Dafür sprechen z. B. die mit Stetigkeiten > 25 % vertretenen niedrigwüchsigen Unkräuter Scleranthus annuus und Valerianella dentata. Bei der Ernte wurde zumindest der obere Bereich des Getreidehalmes mit erfaßt, wovon jedoch nur sehr vereinzelte Funde von Halmknoten oder Halmfragmenten zeugen. Sicherlich wurde auch das im bäuerlichen Betrieb wertvolle Stroh mitgeerntet. Es ließ sich im Hausbau und als Viehfutter nutzen. Da es dabei aber in der Regel wohl nicht mit Feuer in Verbindung kam und verkohlte, können wir es nicht nachweisen. 5.3.5 Potentielle Unkräuter in Vorratsfunden Aus der eisenzeitlich-keltischen Siedlungsphase liegen aus fünf Gruben Massenfunde verkohlten Getreides vor, die aufgrund der hohen Funddichte von Kulturpflanzenresten als Überreste von Vorräten zu interpre- 374 kaiserzeitlich-germanische Siedlungsphase (RKZ, RKZ1, RKZ2) Halmfruchtunkräuter Stetigkeit < 25 % > 25 % Hackfruchtunkräuter Stetigkeit < 25 % 120 Wuchshöhe (cm) A A 80 40 0 nt he pe mis ra c sp otu l ic a- a B A v ro m ven ent cf i a . L us fa cf o R t ap lium . ar ua ve ha nu tem ns is s ul r Sh ap ent um er ha ni Va ard st i r B leri a a um ug an rv en lo el ss si la s oi d de en ta s ta ar A v Sc nag Vic en si ia al le s li ra h nt s c irs hu f. u ar ta s B an ve ro nu ns Po m is u ly us go cf s s Vi .s .s ci nu tr m ec a . a hi rs con linu ut vo s a/ te lvu lu G tra sp s al iu m erm sp a ur iu C he m no po di um cf .p ol ys Eu Fu pe ph rm or ma ria um bi D a sp Se igit he ec ta ari lio sc . ria a is op ve ch r ae ia St tici lla mu el la m ta Po r ly ia m /vir id go nu edi is a Sp m p ag g er er gu si . ca l ria Th a a la rve sp n i a sis rv en se Abb. 14: Mardorf 23 (AK 85) Kr. Marburg-Biedenkopf. Die maximalen Wuchshöhen von Halmfrucht(Ökologische Gruppe 7) und Hackfruchtunkräutern (Ökologische Gruppe 6) der kaiserzeitlich-germanischen Siedlungsphase. Die Arten sind nach aufsteigender Stetigkeit sortiert mit Trennlinie bei 25 %. tieren sind (Abb. 8). Tabelle 6 listet die Fundzahlen pflanzlicher Reste aus den betreffenden Proben je Befund auf. Aus den Gruben 567 und 1074 wurde jeweils nur eine Probe als Vorratsfund angesprochen; aus den Gruben 208, 971 und 976 liegen jeweils mehrere Proben eines Vorrates vor. Die höchste Funddichte wies Grube 1074 mit 659,6 Pflanzenresten je Liter auf. In allen Vorräten dominiert Spelzgerste. Zusätzlich erreichen Emmer in Grube 1074 und Nacktweizen in Grube 208 größere Anteile. Die mit den Kulturpflanzenresten vergesellschafteten Wildpflanzen der Ökologischen Gruppen 1 bis 4 Ufer- und Auenvegetation sowie Grünlandartige Vegetation und 6 bis 7 Hackund Halmfruchtunkräuter stellen vermutlich Unkräuter der Anbauflächen dar. Für die Interpretation der Vorratsfunde im Hinblick auf das Aufbereitungsstadium und die sonstigen landwirtschaftlichen Gegebenheiten ist besonders der Unkraut- und Spelzenanteil von Bedeutung (Abb. 8). Bei vier von fünf Vorratsfunden erreicht der Kulturpflanzenanteil über 80 % der Stückzahlen; der Anteil potentieller Unkräuter schwankt zwischen 5 und 13 %. Lediglich der Vorratsfund aus Grube 208 wies mit 54 % einen sehr hohen Unkrautanteil auf. Die hohen Unkrautwerte gehen dort allerdings fast ausschließlich auf das Wiesen-Lieschgras Phleum pratense und eine Kleeart Trifolium campestre/dubium/arvense zurück, die 17,9 % bzw. 14,5 % aller Pflanzenreste und 33,2 % bzw. 27 % der Unkräuter stellen. In diesem Vorrat erreichen auch die Gewöhnliche Sumpfbinse Eleocharis palustris agg. sowie Quirlige oder Grüne Borstenhirse Setaria verticillata/viridis höhere Werte. Drei der häufigsten Unkräuter sind heute keine typischen Ackerunkräuter, sondern gehören zur grünlandartigen Vegetation der Ackerbrachen. Der Nachweis von vier verkohlten Speicherbulbillen des Glatthafers zeigt, daß auch bodennah geerntetes Schnittgut zusammen mit dem Getreidevorrat verkohlte. Von den besonders häufigen Unkräutern in diesem Vorrat ist die Borstenhirse heute ein typisches Unkraut der Hackfrüchte und des Sommergetreides. Sehr ähnlich sind sich die Vorratsfunde aus Befund 971 und 976 in ihrem Anteil an Unkräutern mit 13 % bzw. 15 %. Bezüglich der Unkrautspektren und der Menge an vegetativen Pflanzenresten zeigen die Befunde 208, 971 und 976 eine hohe Übereinstimmung (Tab. 6). Die beiden anderen Vorräte Befund 567 und 1074 heben sich sowohl hinsichtlich des Unkrautanteils (3 % bzw. 5 %) als auch hinsichtlich der Anzahl Unkrauttaxa (Tab. 6) deutlich von den übrigen Vorratsfunden ab. Sie scheinen am sorgfältigsten „gereinigt“ zu sein. Bei den relativ unkrautarmen Vorräten 567, 971 und 976 überwiegt Gerste mit nur geringen Beimengungen anderer Kulturpflanzenarten (83 % bis 95 % Gerste). 375 Anagallis arvensis Anthemis cotula Apera spica-venti Aphanes arvensis Avena fatua Bromus cf. arvensis Halmfruchtunkräuter Bromus cf. secalinus Buglossoides arvensis Galium spurium Lolium temulentum Papaver argemone Papaver dubium/rhoeas Polygonum convolvulus Raphanus raphanistrum Scleranthus annuus s.str. Sherardia arvensis Valerianella dentata Vicia hirsuta Vicia hirsuta/tetrasperma Vicia tetrasperma Chenopodium polyspermum Digitaria ischaemum Hackfruchtunkräuter Euphorbia helioscopia Fumaria spec. Polygonum persicaria Setaria verticillata/viridis Spergula arvensis Stellaria media agg. Thlaspi arvense Veronica opaca/polita 0 20 40 Wuchshöhe (cm) 60 80 100 120 140 Vorkommen der Taxa: La2, La2/3 und RKZ nur La2 und La2/3 nur RKZ Abb. 15: Mardorf 23 (AK 85) Kr. Marburg-Biedenkopf. Maximale Wuchshöhen von Halmfrucht- (Ökologische Gruppe 7) und Hackfruchtunkräutern (Ökologische Gruppe 6) der eisenzeitlich-keltischen und der kaiserzeitlich-germanischen Siedlungsphase. Im ebenfalls unkrautarmen Befund 1074 überwiegt Gerste mit 63 %; das Beigetreide ist hier Spelzweizen (Emmer/Dinkel mit 37 %). Nur bei dem unkrautreichen Vorratsfund 208 tritt neben dem Hauptgetreide Gerste auch ein zweites Getreide, der Nacktweizen, mit einem verhältnismäßig hohen Anteil auf (59 % Gerste und 37 % Nacktweizen, berechnet für Samen/ Früchte und ohne Cerealia indet.). 5.3.6 Sammelpflanzen Zu den anhand von Samen und Früchten nachgewiesenen Arten der Laubwälder und Gebüsche gehören überwiegend solche, die wahrscheinlich als Nahrungsergänzung gesammelt wurden, beispielsweise Hasel- nuß Corylus avellana, Rose (Hagebutte) Rosa spec., Schlehe Prunus spinosa, Himbeere Rubus idaeus, Brombeere Rubus fruticosus agg. und Wildbirne Pyrus pyraster. Bei den festgestellten hohen Fundzahlen der Hasel in einigen Gruben ist zu beachten, daß nur Schalenfragmente erfaßt wurden. Die Fundzahlen könnten daher eine deutlich niedrigere Anzahl ganzer Haselnüsse repräsentieren. Trotzdem ist die Hasel die stetigste und wohl auch wichtigste Sammelpflanze im Mardorfer Fundmaterial. In der eisenzeitlich-keltischen Siedlungsphase erreicht sie eine prozentuale Häufigkeit von 50 % in den Gruben, in der kaiserzeitlich-germanischen Siedlungsphase sogar von 75 %. 376 Einige wenige Funde anderer Gehölzarten sind vermutlich zufällig verkohlt und in die Ablagerungen gelangt, so z.B. Traubenkirsche Prunus padus und Roter Hartriegel Cornus cf. sanguineus, die ausschließlich aus der eisenzeitlich-keltischen Siedlungsphase belegt sind. Nachweise von Himbeere und Zweigriffeligem Weißdorn stammen hingegen nur aus der germanischkaiserzeitlichen Siedlungsphase. Die meisten Gehölze sind nicht als Samen, Früchte oder Nüsse, sondern nur als Holzkohlen nachgewiesen worden (vgl. Kap. 9). Waldränder, Gebüsche und Feldraine boten ein breites Spektrum an nutzbarem Wildobst und Kräutern, das den täglichen Speisezettel ergänzte. Die in allen Phasen nachgewiesenen Sammelpflanzen zeigen wohl nur einen kleinen Ausschnitt des ursprünglich in Siedlungsnähe zur Verfügung stehenden und genutzten Spektrums von Nüssen und Wildobst. Nüsse und Trockenobst dürften besonders im Winter von Bedeutung für die Ernährung gewesen sein. 5.3.7 Varia Unter Varia sind Nachweise botanischer Makroreste aufgeführt, bei denen eine artgenaue Bestimmung anhand morphologischer Merkmale nicht möglich war und die deshalb nur bis zur Familie oder Gattung bestimmt werden konnten. Dies trifft insbesondere auf einige kleinfrüchtige Poaceae, kleine Labkraut-Samen, bei denen das Zellmuster nicht mehr erhalten war, sowie auf Fragmente von Früchten verschiedener Knöterichgewächse zu. Besondere Erwähnung verdienen zwei Funde verkohlter Fruchtkörper des Mutterkorns Claviceps purpurea. Dieser parasitische Schlauchpilz befällt Getreidekörner, insbesondere Roggen. Mutterkorn ist jedoch nicht streng an den Roggenanbau gebunden und tritt – wie die Nachweise aus Mardorf belegen – auch schon vor dem Beginn des Roggenanbaus auf. Wie vergleichbare frühe Funde aus Rullstorf, Lkr. Lüneburg und Schwennenz, Lkr. Uecker-Randow, zeigen (Behre 1990; Neef 2003), sind als Wirtspflanzen auch Emmer und Gerste in Betracht zu ziehen. Aufgrund seines Gehalts an toxischen Alkaloiden löst mit Mutterkorn verseuchtes Getreide eine in historischen Zeiten als St. Antoniusfeuer oder Kribbelkrankheit bezeichnete schwere Erkrankung aus. Die Folgen reichen von Durchblutungsstörungen bis zum Absterben ganzer Gliedmaßen und zum Tod (Busch 1997). Der Nachweis von zwei einzelnen Fruchtkörpern stellt jedoch keine gravierende Verunreinigung dar und entspricht bei weitem nicht den aus der Frühen Neuzeit bekannt gewordenen Kontaminationen. Mutterkorn war nach derzeitigem Forschungsstand kein Problem der prähistorischen Landwirtschaft, sondern breitete sich erst im Mittelalter und der Frühen Neuzeit aus (vgl. auch Kreuz 2004, 127f.). Die aus prähistorischen Fundzusammenhängen bekannt gewordenen Funde von Fruchtkörpern sind entsprechend selten. Dies mag als Ursache haben, daß Mutterkorn insbe- sondere das Nacktgetreide Roggen befällt, der je nach Region erst in römischer Zeit oder im frühen Mittelalter zur dominanten Kulturpflanze wurde. Unter den Varia sind außerdem alle weiteren nicht näher bestimmbaren Funde aus den Bodenproben aufgeführt, darunter botanische Reste wie Zwiebeln, Knospen und andere nicht näher anzusprechende vegetative Pflanzenreste, ferner Reste von verkohltem Brot, Gebäck oder Fruchtfleisch sowie archäologisches Sachgut, Knochen und Fischreste (vgl. Tab. 3). Mineralisierte Pflanzenreste kommen in den Befunden meist nur vereinzelt vor. Es handelt sich mit wenigen Ausnahmen um Samen und Früchte von Wildpflanzen. Sofern sie näher bestimmbar waren, wurden sie den jeweiligen Ökologische Gruppen zugeordnet. Lediglich die kaiserzeitliche Grube 954 enthielt zahlreiche mineralisierte Pflanzenreste, die jedoch überwiegend nicht näher bestimmt werden konnten und deshalb unter den Varia aufgelistet sind. Mineralisierte Pflanzenreste entstehen im Kontakt mit Phosphatanhäufungen im Trockenbodenbereich. 6. Die archäobotanischen Ergebnisse zur Landwirtschaft im chronologischen und kulturellen Vergleich Die archäobotanische Untersuchung der Siedlung Mardorf 23 ist von Bedeutung, weil die landwirtschaftliche Entwicklung, die pflanzliche Ernährung und die lokalen Umweltverhältnisse über einen mit rund 400 Jahren relativ langen Zeitraum betrachtet werden können. In diesem Zeitraum, der die Mittel- und Spätlatènezeit sowie die frühe und entwickelte Römische Kaiserzeit umfaßt, findet ein deutlicher kultureller Wandel statt. Die Arbeitshypothese zu Beginn des Forschungsprojektes war, dass sich der Übergang von einer keltisch geprägten Mittelgebirgsgruppe der Mittel- und Spätlatènezeit zur germanisch geprägten Besiedlung der Römischen Kaiserzeit auch in Veränderungen bei Ackerbau und Ernährung abzeichnen müßte (Kreuz 2000, 2005). Fragen zu Kontinuität oder Diskontinuität betreffen dabei nicht nur das Auftreten archäologischer Sachgüter wie Keramik oder Kleinfunde aus Metall, sondern alle Bereiche des täglichen Lebens. Dazu gehören insbesondere Ackerbau und Viehzucht als die wirtschaftlichen Grundlagen einer agrarisch geprägten Bevölkerung. Ablauf und Hintergrund dieses kulturellen Wandels sind in der Mittelgebirgszone und ihren Beckenlandschaften nördlich des Limes bisher erst unzureichend bekannt. Im Folgenden werden die archäobotanischen Ergebnisse der einzelnen Siedlungsphasen von Mardorf 23 dargestellt; unsere 3 Phasen fassen die später von M. Meyer eingeteilten 7 Phasen zusammen (vgl. Tab. 3). 377 6.1 Die mittel- bis spätlatènezeitlichkeltische Siedlungsphase Die mittel- bis spätlatènezeitliche Siedlungsphase von Mardorf wird von M. Meyer aufgrund der Keramikseriation in drei Phasen unterteilt (Meyer, in diesem Bd.). Die 14C-Datierungen an Fundmaterial aus den betreffenden Befunden deuten auf eine Datierung in die frühe Mittellatènezeit (vgl. Tab. 2). Da im archäobotanischen Fundspektrum der eisenzeitlich-keltischen Befunde keine wesentlichen Unterschiede erkennbar sind und für eine stärkere Differenzierung auch zuwenig Befunde vorliegen, wurde bei der Darstellung der botanischen Ergebnisse auf eine weitere chronologische Unterteilung der mittel- und spätlatènezeitlichen Siedlungsphase verzichtet. Das nachgewiesene Kulturpflanzenspektrum unterscheidet sich nicht von dem anderer keltischer Siedlungen in Hessen, Süd- und Südwestdeutschland. Spelzgerste, Echte Hirse sowie die Spelzweizen Dinkel und Emmer sind mit den höchsten Stetigkeitswerten in den Befunden vertreten (Abb. 5). Wahrscheinlich handelt es sich um die Hauptgetreide. Nacktweizen war vielleicht von geringerer Bedeutung. Andererseits könnte er in den keltischen Befunden unterrepräsentiert sein, da von ihm anstelle von Spreuresten vor allem Körner gefunden werden. Einkorn wurde vermutlich nicht eigenständig kultiviert, sondern stand als Beigetreide im Wintergetreide (vgl. dazu auch für die röm. Zeit: Wiethold 1998a). Kolbenhirse ist als eigenständig angebaute Kulturpflanze bisher nur aus dem linksrheinischen Raum von Wallendorf, Rheinland-Pfalz (Kroll 2000, 121 ff.)5, und aus Montagnieu, Ostfrankreich (Wiethold u. Treffort 2001) belegt. Sie kam an den rechtsrheinischen Fundstellen wohl nur als Ungras in Echter Hirse vor (vgl. oben). Roggenfunde sind in Mardorf so selten, dass dass Roggen wohl ebenfalls noch nicht gezielt angebaut wurde. In den Niederlanden setzt der Roggenanbau im späten 1. Jh. v. Chr. ein, in Norddeutschland im ersten und zweiten nachchristlichen Jahrhundert (Behre 1992, Behre/Kučan 1994, Wiethold 2000a). In den Mittelgebirgslandschaften nördlich des Limes ist nach derzeitigem pollenanalytischen Forschungsstand das Einsetzen des Roggenanbaus im frühen Mittelalter belegt (Schäfer 1996, 229 f.), innerhalb des Limes begann er nach Vorratsfunden frühestens im 2./3. Jahrhundert n. Chr. (Kreuz 2004). Von den nachgewiesenen Hülsenfrüchten war in der keltischen Siedlungsphase von Mardorf 23 die Erbse von etwas größerer Bedeutung, besonders wenn man 5 Die Mehrzahl der vorrömisch-eisenzeitlichen Kolbenhirsefunde stammt wahrscheinlich aus der späthallstatt-/frühlatènezeitlichen Siedlungsphase. Eine genaue Datierung kann erst nach Abschluss der archäologischen Bearbeitung des Fundplatzes vorgenommen werden (Kroll, schriftl. Mitt.). berücksichtigt, dass sich unter den unbestimmten Hülsenfrüchten stets mehr Erbsen als Linsen verbergen (vgl. oben). Interessanterweise konnten in Mardorf Ackerbohne und Linsenwicke nicht nachgewiesen werden. Die Linsenwicke konnte an 10, die Ackerbohne an 5 hallstatt- und frühlatènezeitlichen Fundstellen in Hessen nachgewiesen werden; beide Kulturpflanzen fehlen jedoch bislang in Hessen für die mittlere und späte Latènezeit (La2 und 3). Erst mit der Kaiserzeit konnte die Linsenwicke wieder an einer, die Ackerbohne an 3 germanischen Fundstellen nachgewiesen werden. Die Ackerbohne ist aus Hessen durch einen frühlatènezeitlichen Vorratsfund vom Christenberg als gezielt angebaute Kulturpflanze interpretierbar. Die nur selten und überwiegend mit Einzelfunden vertretene Linsenwicke war hingegen möglicherweise auch ein Unkraut der Linse. Im rechtsrheinischen Raum stellt sich die Situation anders dar. Hier fehlt die Ackerbohne an den meisten Fundstellen. Dagegen muß die Linsenwicke aufgrund ihrer Stetigkeit und Fundzahlen als angebaut gelten (Kroll 2000; Wiethold 1998b, 1999 u. unpubl.). Unter den Ölpflanzen ist der Leindotter nach den Fundzahlen am wichtigsten, Lein und Mohn weisen geringere Stetigkeiten und Fundzahlen auf. Grundsätzlich sind Ölpflanzen aufgrund ihrer schlechteren Erhaltungsfähigkeit im Fundgut etwas unterrepräsentiert (vgl. oben). Leindotter läßt sich erstmals für das Spätneolithikum in den Seeufersiedlungen der Schweiz als Unkraut der Leinfelder nachweisen (u. a. Schlichtherle 1981). Als kultivierte Ölpflanze tritt er in Mittelund Süddeutschland sowie im nordwestdeutschen Küstengebiet seit der Bronzezeit auf (vgl. die Fundübersicht bei Schultze-Motel 1979). In Mittel- und Südwestdeutschland ist er erst in der Hallstatt- und Latènezeit eine wichtige kultivierte Ölpflanze (Knörzer 1971; 1974; 1976; 1978; Kreuz 1993; Kreuz/Boenke 2000/2001; Stika 1995; 1999; Wiethold 2000c). Der Anbau von Sommer- und Wintergetreiden und Importe wie Feige und Sellerie müssen in Mardorf vor dem Hintergrund des eisenzeitlich-keltischen Siedlungsgefüges im Amöneburger Becken betrachtet werden. Mit der in Sichtweite von Mardorf 23 auf dem Basaltkegel der Amöneburg gelegenen Siedlung gab es dort einen Zentralort, der eine nachhaltige Versorgung mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus dem Umfeld notwendig machte. Der Anbau von Wintergetreiden und die Vielfalt angebauter Kulturpflanzenarten ermöglichten der ländlichen Siedlung Mardorf 23 eine Überschußproduktion, die die Versorgung eines solchen zentralen Ortes erlaubte. Als Indiz für eine umfangreiche Getreideproduktion dürfen auch die Vorratsfunde aus fünf keltischen Gru- 378 ben gewertet werden, von denen vier in der südlichen Grabungsfläche aufgedeckt wurden. Vergleichbare Massenfunde fehlen in den germanischen Siedlungsphasen. Für eine größere Bedeutung der Getreideproduktion in keltischer Zeit spricht auch der Vergleich der Fundkonzentrationen, angegeben in Stück/Liter pflanzlicher Reste (vgl. oben Kapitel 5.1). Die Funddichten pflanzlicher Reste sind in den latènezeitlichen Gruben mehr als fünf mal höher ist als in den Gruben der Römischen Kaiserzeit (dazu auch Kreuz/Wiethold im Druck). Zusammenfassend betrachtet fügt sich das Nutzpflanzenspektrum von Mardorf 23 ausgezeichnet in das von anderen eisenzeitlich-keltischen Fundplätzen in Hessen und Süd- und Südwestdeutschland bekannte Fundspektrum ein. Fortschritte in der Landwirtschaft wurden wohl weniger durch die Einführung neuer Kulturpflanzen, sondern in erster Linie durch Schwerpunktverlagerungen (Kreuz u. Schäfer, im Druck) und Verbesserungen der Agrartechnik, insbesondere durch den Einsatz eiserner Arbeits- und Erntegeräte erzielt (vgl. Jacobi 1974; Fries 1995, 162 f.). schalteten Brachephasen und eine Nutzung derselben oder ähnlicher Standorte annehmen wie zuvor (vgl. aber im Gegensatz dazu die Ergebnisse der Holzkohleanalysen Kap. 9). 6.3 Die kaiserzeitlich-germanische Siedlungsphase Die kaiserzeitlich-germanische Siedlungsphase ist mit 36 untersuchten Gruben am besten belegt. Wie in der Übergangsphase sind Spelzgerste, Emmer, Echte Hirse und die nicht näher bestimmbaren Spelzweizen die Hauptgetreide. Bei den Funden von unbestimmbarem Spelzweizen dürfte es sich ganz überwiegend um Emmer handeln. Dinkel ist nur mit wenigen Einzelfunden nachgewiesen; vom Nacktweizen liegt eine einzelne Karyopse vor. Beide Arten wurden nicht mehr gezielt angebaut. Vielleicht handelt es sich um verschlepptes, älteres Material (vgl. oben). Einkorn, Kolbenhirse und Roggen waren ebenfalls nur vereinzelte, unkrauthafte Beigetreide. Die Stetigkeiten der Ölpflanzen gehen zurück, jedoch sind weiterhin Leindotter und Lein nachgewiesen. Der arbeitsintensivere Schlafmohn fehlt. Bei den Hülsenfrüchten sind Linse und Erbse belegt. Der bereits in den wenigen Befunden der Übergangsphase festgestellte Wandel im Kulturpflanzenspektrum wird so bestätigt. Die germanische Landwirtschaft der Römischen Kaiserzeit stützt sich vorwiegend auf den Anbau von Sommerfrüchten. Da in dieser Siedlungsphase im Gegensatz zur Latènezeit größere zentralörtliche Siedlungen im Amöneburger Becken fehlen, bestand keine Notwendigkeit mehr, über die normale Vorratshaltung hinausgehende, verhandelbare Überschüsse zu produzieren. Die Eigenversorgung mit pflanzlichen Produkten ließ sich bei geringerem Arbeitsaufwand allein mit den genannten Kulturpflanzen im Sommerfeldanbau bewerkstelligen. Ob dies beispielsweise mit einer größeren Bedeutung der Viehzucht einherging, muß durch die archäozoologischen und pollenanalytischen Untersuchungen geklärt werden (Kreuz 2000, 2005; Benecke, in diesem Bd.). Die Wildpflanzenspektren der kaiserzeitlich-germanischen Siedlungsphase zeigen keine nennenswerten Unterschiede zu den vorherigen Siedlungsphasen. Die Anteile der ökologischen Gruppen sind ähnlich; Unkräuter und Arten grünlandartiger Vegetation dominieren. Der hohe Anteil grünlandartiger Vegetation deutet erneut auf Brachephasen der Äcker und möglicherweise auf eine grünlandartige Nutzung der sich dort entwickelnden Vegetationsbestände hin. Auch die von Ellenberg u. a. (1991) definierten Reaktions- und Stickstoffzahlen für die potentiellen Unkräuter zeigen beim Vergleich der einzelnen Siedlungsphasen keine wesentlichen Unterschiede (vgl. Tab. 5). 6.2. Die Übergangsphase der Spätlatènezeit und augusteischer Zeit Aus der Übergangsphase liegen leider nur wenige archäologisch untersuchte und beprobte Befunde vor, so dass die Ergebnisse für diesen Zeitabschnitt nicht als repräsentativ gelten können. Die Konzentration pflanzlicher Großreste war geringer als in der eisenzeitlichkeltischen Siedlungsphase und Vorratsfunde fehlen, wie in der folgenden germanisch-kaiserzeitlichen Phase. Spelzgerste, Emmer und Echte Hirse stellen die häufigsten Getreide dar. Dinkel und Nacktweizen sind nur noch mit Einzelfunden vertreten, deren zeitliche Einordnung teils problematisch ist und wurden sicherlich nicht mehr gezielt angebaut. Das Spektrum angebauter Hülsenfrüchte ist mit Linse und Erbse gleich geblieben. Die Ölpflanze Schlafmohn wurde nicht mehr nachgewiesen. Bei den angebauten Kulturpflanzen zeichnet sich daher bereits in der Übergangsphase ein Wandel ab, der das Getreidespektrum und den Schlafmohn betrifft. Bei den Wildpflanzen wurden hingegen keine signifikanten Unterschiede zur vorhergehenden Besiedlung festgestellt. Die geringeren Artenzahlen in der Übergangsphase ergeben sich wahrscheinlich aus den allgemein niedrigeren Fundkonzentrationen pflanzlicher Reste und den nur wenigen untersuchten Befunden. Bei der Betrachtung der ökologischen Gruppen ändert sich der Anteil grünlandartiger Vegetation nicht wesentlich verglichen mit der vorausgehenden eisenzeitlich-keltischen Siedlungsphase. Wir müssen deshalb eine Fortsetzung der Feldbewirtschaftung mit einge- 379 Da die verschiedenen Siedlungsphasen unterschiedliche Taxazahlen erbrachten ist ein direkter Vergleich nicht möglich. Bei einer prozentualen Darstellung wäre bei den germanischen Befunden der Übergangsphase und der Kaiserzeit ein etwas größerer Anteil stickstoffliebender Pflanzen erkennbar. Bei der vorliegenden Datenbasis kann dies allerdings nicht weiter interpretiert werden, zumal die Ellenberg-Zeigerwerte nicht obligatorische, sondern allenfalls optimale Standortbedingungen beschreiben. Es bleibt somit festzuhalten, dass die Ergebnisse auf im Wesentlichen gleichartige ökologische Bedingungen auf den Ackerflächen verweisen. Eine Ortskonstanz der Ackerflächen wäre naheliegend. und Zuschlagstoff zum Lehmverputz der Gebäude oder als Viehfutter. Das Getreide wurde vermutlich auf speziellen Druschplätzen gedroschen. Diese lassen sich archäologisch jedoch kaum fassen, da Druschreste vermutlich meist als Viehfutter verwendet wurden und daher nur im Ausnahmefall verkohlten. In den Grubenverfüllungen finden wir deshalb nur einen Bruchteil der ursprünglich in der Siedlung und in ihrem Umfeld angefallenen pflanzlichen Abfälle. Bei den Spelzgetreiden Gerste, Dinkel, Emmer und Einkorn, wurde das Erntegut als bespelzte Getreideährchen gelagert. Zur Lagerung über längere Zeitabschnitte boten sich die oft kegelstumpfförmigen Speichergruben oder oberirdische Speicherbauten an. Die häusliche Lagerung kleinerer Mengen konnte in großen Speichergefäßen erfolgen. Tiefe, kegelstumpfförmige Speichergruben, in denen das Erntegut nicht so leicht zugänglich war, wurden in Mardorf nur für die eisenzeitlich-keltische Siedlungsphase nachgewiesen. Die kleinen Vierpfostenspeicher sind fast ausschließlich auf die Kaiserzeit beschränkt (M. Meyer, in diesem Band). Eine Kartierung wichtiger Kulturpflanzenreste in der Fläche (ohne Abb.) zeigt, das Spelzgerste, Emmer, Dinkel und mit weniger Funden auch Echte Hirse nahezu flächendeckend in den Befunden der eisenzeitlich-keltischen Siedlungsphase vertreten sind. Nachweise liegen aus den meisten fundreicheren Gruben vor, die Arten sind lediglich in den stets fundarmen Pfostengruben seltener vertreten. Im Gegensatz dazu ist die Verteilung der Nacktweizenfunde nicht so deutlich (zur möglichen geringeren Erhaltung vgl. oben). Die Anzahl der der Übergangsphase zuzuweisenden beprobten Befunde ist zu gering um eine Kartierung der wichtigsten Kulturpflanzenarten zu versuchen. In der kaiserzeitlichen Siedlungsphase sind Spelzgerste und Echte Hirse in fast allen untersuchten Befunden vorhanden. Die Konzentration pflanzlicher Reste lässt jedoch bei der hier für alle Siedlungsphasen vorliegenden gleichen Befunderhaltung Rückschlüsse auf die Intensität landwirtschaftlicher Aktivitäten zu. Die höheren Konzentrationen in den eisenzeitlich-keltischen Befunden (Abb. 1) deuten daraufhin, dass im Bereich der gegrabenen Siedlungsflächen in größerem Umfang als in der Römischen Kaiserzeit landwirtschaftliche Aktivitäten stattgefunden haben, beispielsweise Reinigungs- und Entspelzungsvorgänge von geerntetem Getreide. In der Übergangsphase und in den Befunden der Römischen Kaiserzeit sind die Konzentrationen von Pflanzenresten erheblich niedriger. Sie betragen nur ein Achtel der eisenzeitlich-keltischen Werte. Diese Tatsache geht nicht auf eine schlechtere Erhaltung der Befunde zurück. Daher wurden wohl tatsächlich weniger Kulturpflanzen, insbesondere Getreide, in der Siedlung verarbeitet. 7. Zur räumlichen Verteilung und Überlieferung der Samen und Früchte – Ergebnisse zur Frage der Getreideverarbeitung und Vorratshaltung innerhalb der Siedlung Mit Ausnahme der Massenfunde von Kulturpflanzenresten (Vorratsproben) spiegeln die archäobotanischen Funde aus Gruben, Grubenkomplexen und Pfostenstellungen überwiegend den durchschnittlichen Siedlungsniederschlag verkohlter pflanzlicher Reste wider, der auf die wechselhaften landwirtschaftlichen Aktivitäten und die Nahrungszubereitung innerhalb der Siedlung zurückgeht. Bei der Verfüllung der untersuchten Befunde dürfte es sich um Abraum und Abfälle aus dem Siedlungsbereich handeln, die keine Rückschlüsse auf die primäre Nutzung der beprobten Strukturen zulassen. Die Pflanzenreste verkohlten an anderer Stelle und dürften sekundär in den Gruben und Grubenhausvertiefungen beseitigt worden sein. Obwohl die genaue Herkunft dieses sekundär verlagerten Materials unklar bleibt, ist davon auszugehen, daß es in der Regel nicht über größere Entfernungen transportiert oder einplaniert wurde, sondern daß eher nahegelegene Gruben zur Abfallbeseitigung genutzt wurden. Hinweise auf die Bedeutung der Getreideverarbeitung und Vorratshaltung in der Siedlung geben allgemein die Funddichten pflanzlicher Reste in den untersuchten Befunden, die räumliche Verteilung der wichtigen und gut repräsentierten Kulturpflanzenarten sowie Vorrats- und Massenfunde. Wenn die Spelzgetreide vor dem Schroten oder Vermahlen gedarrt wurden, bestand die Möglichkeit der Verkohlung von Spelzen und Körnern. Die Verkohlungschance beeinflusst die Fundüberlieferung botanischer Reste. Die beim Entspelzen, Worfeln und Sieben anfallenden Abfälle waren vielseitig verwendbar, beispielsweise als Brennmaterial, als Magerungsmittel 380 8. Zu den Standortverhältnissen und zur Bewirtschaftung der prähistorischen Ackerflächen und zur Landnutzung im Allgemeinen Aufschluß über die Standortverhältnisse der Anbauflächen geben am besten die Vorratsproben, da die dort nachgewiesenen Unkräuter mit großer Wahrscheinlichkeit von den Feldern stammen (vgl. Tab. 6 u. Abb. 8, Kap. 5.3.5). Die ökologischen Zeigerwerte der potentiellen Unkräuter für Bodenreaktion und Stickstoffversorgung deuten auf mäßig basische, mäßig bis gut stickstoffversorgte Ackerstandorte hin wie sie im Umfeld des Siedlungsplatzes noch heute vorliegen. Die in einigen Vorratsfunden zahlreich nachgewiesenen Arten grünlandartiger Vegetation sprechen für ungenügend gepflügte Felder sowie eine Brachwirtschaft zur Bodenerholung. Auf den abgeernteten oder brachgefallenen Ackerstandorten konnte man das Vieh weiden lassen oder Schnittgut für Viehfutter gewinnen. Die anzunehmende Beweidung von Ackerbrachen hielt den Unkrautbesatz in Grenzen und verbesserte die Bodenfruchtbarkeit durch die damit verbundene natürliche Düngung. Aussagen zur Landnutzung im Allgemeinen werden noch durch die Ergebnisse der Holzkohlenanalysen (vgl. Kap. 9) und der pollenanalytischen und makrorestanalytischen Untersuchungen an einem Bohrprofil der unmittelbar benachbarten Ohmaue ergänzt (vgl. Wiethold/Kreuz, in diesem Bd.). Die ackerbauliche Nutzung dürfte sich aus naturräumlichen Gründen ausschließlich auf die die Siedlung umgebenden Lößhochflächen beschränkt haben. Bei der Viehwirtschaft ist sowohl eine Nutzung der Ohmaue wie auch der abgeernteten und brachliegenden Ackerflächen in Betracht zu ziehen. Die von Wunderlich (1988/1999) nachgewiesenen intensiven Erosionsvorgänge und damit verbundene Kolluvienbildung im unteren Hangbereich und am Hangfuß zur Ohmaue könnte sowohl auf eine intensive ackerbauliche Nutzung bis an die Terrassenkante heran wie auch auf intensive Beweidung zurückzuführen sein. lyse von Material aus Siedlungsgruben liefert daher im Vergleich mit den botanischen Großrestanalysen und den Pollenanalysen von natürlichen Ablagerungen wichtige Erkenntnisse zur prähistorischen Waldentwicklung und zur Landschaftsnutzung im Umfeld der Siedlung (dazu auch Kreuz, 2005, 198 ff.). Methodische Probleme bestehen wie bei den Grossrestanalysen vor allem darin, dass die Hölzer an unterschiedlichen Standorten geschlagen worden sein können und bei verschiedenen Tätigkeiten verkohlten. Wir dürfen aber davon ausgehen, dass es sich bei den untersuchten Sedimenten um Abfälle aus dem Siedlungsbereich gehandelt hat. Die Holzkohlen repräsentieren wahrscheinlich in den meisten Fällen Überreste des Hausfeuers. In den eisenzeitlich-keltischen Gruben 971, 976 und 1074 gab es darüber hinaus Vorratsfunde verkohlten Getreides, die auch zahlreiche Holzkohlen enthielten. Die Spektren unterschieden sich aber nicht merklich von denjenigen aus anderen Gruben. Insgesamt wurden 204 Proben aus 92 Befunden auf Holzkohle hin untersucht; davon enthielten 147 Proben aus 84 Befunden Holzkohle. Die Ergebnisse sind in Tabelle 7 aufgelistet. Die restlichen 57 Proben enthielten keine Holzkohle. Befunde ohne nachgewiesene Holzkohlen sind nicht in Tabelle 7 aufgeführt. Es sind 7.870 Holzkohlebestimmungen von 19 Gehölzarten in die Berechnungen eingegangen. Bei der Bewertung der Ergebnisse der Holzkohlenanalysen wurden jedoch nicht die Stückzahlen bestimmter Holzkohlenfragmente, sondern das Holzkohlegewicht zugrunde gelegt. Da die Holzkohlen verschiedener Holzarten je nach Anordnung der großen Frühholzgefäße, der Länge und Dicke der Holzstrahlen sowie des Anteils von Früh- und Spätholz unterschiedlich leicht und schnell fragmentieren, läßt die Betrachtung der Gewichtsprozente eine bessere Beurteilung des Artenspektrums einer Probe oder eines Befundes zu als die von Stückzahlen (Kreuz 1988). Die geringfügig voneinander abweichenden Rohdichten bzw. die spezifischen Gewichte der verschiedenen Holzarten sind dabei zu vernachlässigen. Die Holzkohlen von Mardorf 23 bestanden fast ausnahmslos aus kleinen bis sehr kleinen Fragmenten. Daher waren Beobachtungen, die über die Holzartenbestimmung hinausgehen, beispielsweise die Ermittlung von Jahrringzahlen, Durchmesser- und Altersklassen oder Beobachtungen zur möglichen Nutzung von Stockausschlägen nicht möglich. Der Anteil an Ast- und Zweigholz am Gesamtgewicht der Holzkohlen war sehr gering (< 0,2 %); die Werte wurden in den betreffenden Fällen zu denen des Stammholzes addiert (Tab. 7). Stückzahlen und Holzkohlegewichte wurden für weitere Auswertungen stets von der Auswertungsroutine 9. Die Ergebnisse der Holzkohlenanalysen Holz war in prähistorischer Zeit eine der wichtigsten natürlichen Ressourcen. Es diente nicht nur als wesentliches Konstruktionsmaterial der Gebäude, sondern auch als Feuerholz für das Herdfeuer, zur Herstellung von Geräten und für handwerkliche und technologische Prozesse. Insbesondere für das Herdfeuer bestand alltäglich ein erheblicher Holzbedarf. Die Holzartenana- 381 des Datenbankprogrammes ArboDat auf die Gesamtprobe hochgerechnet. Tabelle 7 enthält neben dem Gewicht je Taxon und Befund die Werte für die Holzkohlekonzentration je Befund, angegeben in Gramm lufttrockener Holzkohle je Liter Sediment, sowie Angaben zur Stückzahl und zur Konzentration Stück/Liter. Die stark schwankenden Anteile unbestimmbaren Laubholzes lassen sich mit der unterschiedlichen Größe und Erhaltung von Holzkohlen in den Befunden erklären. Seltene, nur mit wenigen Fragmenten vertretene Holzarten würden wahrscheinlich erst bei größeren Probenmengen je Befund repräsentativ erfasst werden. Die Holzkohlekonzentration schwanken in den einzelnen Siedlungsphasen erheblich von Befund zu Befund (Tab. 7). Erwartungsgemäß weisen die Verfüllungen der untersuchten Pfostengruben im Gegensatz zu den Abfallgruben sehr niedrige Konzentrationen auf oder sind fundleer. Den höchsten Wert der eisenzeitlichkeltischen Befunde erreicht die Verfüllung der Grube 1153 mit 6,07 g je Liter Sediment. Höhere Werte liegen auch aus den Gruben und Grubenkomplexen 208, 344, 567a, 971, 976, 1074 und 1111 vor. In allen Befunden der Übergangsphase sind die Holzkohlekonzentrationen mit < 0,2 g/Liter sehr niedrig. Herdfeuer und einfache handwerkliche Tätigkeiten prägten den Holzbedarf der ländlichen Siedlung Mardorf 23. Als Kriterien für die Brennholzauswahl in prähistorischen Siedlungen sind die Verfügbarkeit im Naturraum, die Spaltbarkeit, der Brennwert und die Brenneigenschaften zu nennen (Kreuz 1988, 149). Eiche, Esche und Buche waren leicht spaltbar und besaßen einen hohen Heizwert. Kernobstholz ist zwar schwer spaltbar, zeichnet sich aber durch einen ruhigen Brand und hohen Heizwert aus. Bei dem im Vergleich zum Hausbau großen Holzbedarf für das Hausfeuer und für handwerkliche Tätigkeiten muß bei der anzunehmenden Menge des eingesetzten Holzes von einer gezielten Selektion und sicherlich auch Bevorratung des Brennholzes ausgegangen werden. Zweige und Äste geschlagener Bäume konnte man zur Laubheugewinnung nutzen und im Winter und Frühjahr als Rauhfutter an das Vieh verfüttern. Dadurch bot sich für diese Pflanzenteile mit geringem Brennwert auch eine alternative Nutzungsmöglichkeit. Ast- und Zweigholz wurden bei den Holzanalysen allerdings nur vereinzelt in sehr geringer Menge festgestellt (siehe oben). 9.1 Gewicht, Stetigkeit und Artenzahlen der Holzarten in den drei Siedlungsphasen als Anzeiger für unterschiedliche Beschaffungssysteme Der Vergleich der prozentualen Anteile der einzelnen Holzarten am Gesamtgewicht der Holzkohle je Befund (Abb. 16 – 18) lassen, ebenso wie der Vergleich der Stetigkeiten (Abb. 19 – 21) und der Anzahl Arten je Befund (Abb. 22 a – c), deutliche Unterschiede zwischen den eisenzeitlich-keltischen und den kaiserzeitlich-germanischen Brennholzspektren erkennen. Die Zahl nachgewiesener Holzarten je Befund schwankt in der latènezeitlich-keltischen Siedlungsphase zwischen 1 und 15 Arten (Abb. 22a, Tab. 7), in den kaiserzeitlich-germanischen Befunden zwischen 1 und 12 (Abb. 22c Tab. 7). Aus der Übergangsphase, die die germanischen Befunde der Spätlatènezeit und der augusteischen Zeit zusammenfaßt, konnten nur 15 Befunde holzkohlenanalytisch untersucht werden. Die Zahl nachgewiesener Holztaxa je Befund schwankt hier zwischen drei und zehn (Abb. 22b). Betrachtet man allerdings die Gesamtheit der Befunde je Siedlungsphase, so wird erkennbar, daß die Artenvielfalt der genutzten Holzarten in den germanischen Befunden deutlich größer ist als in den keltischen Befunden. Die prozentuale Verteilung der in 4 Klassen eingeteilten Taxazahlen (Abb. 22 a – c) verdeutlicht die Unterschiede zwischen den Siedlungsphasen. Bei den eisenzeitlich-keltischen Befunden überwiegen die Befunde mit 3 – 5 Holzarten, bei den kaiserzeitlich-germanischen Befunden stellen die Befunde mit mehr als 8 Taxa die größte Gruppe. Das Artenspektrum in der latènezeitlich-keltischen Siedlungsphase wird von den beiden Baumarten Eiche Quercus spec. und Rotbuche Fagus sylvatica dominiert (Abb. 16). Die prozentualen Gewichtsanteile beider Arten schwanken je Befund, jedoch ist die Eiche in der Mehrzahl der untersuchten Gruben und Pfostengruben vorherrschend. Mehrere Gruben sowie Pfostengrube 856 enthielten sogar fast ausschließlich Eichenholzkohle. Lediglich in fünf der 26 untersuchten Befunde wurde ein höherer Anteil Rotbuche gegenüber Eiche festgestellt. Weitere Arten der Bruch- und Auenwälder sowie anderer Feuchtstandorte wie Schwarz-Erle, Alnus cf. glutinosa, Pappel Populus spec., Weide Salix spec., Faulbaum Frangula alnus und Ulme Ulmus spec. sind nur vereinzelt im Fundspektrum vorhanden (Abb. 16, vgl. dazu auch die Stetigkeitswerte Abb. 19). Holzkohlen der lichtliebenden und oft durch menschliche Aktivitäten geförderten Birke sind ebenfalls nur selten nachgewiesen. Die ausschlagfähigen Kernobstgewächse Pomoideae sind zwar in 382 100% EZ-K 80% 60% 40% 20% 0% 20 23 8 4/ 23 5 23 4b 23 4e 25 3 26 8b 34 4 54 9a 48 5 49 2d 56 7 56 7a 56 7b 86 2 88 8e 1 97 1 97 6 10 19 10 20 10 74 10 95 11 11 11 52 11 53 18 8 46 2 22 3 19 2 19 3 19 4 19 9 34 1 Gruben Pfosten Abb. 16: Mardorf 23 (AK 85), Kr. Marburg-Biedenkopf. Prozentuale Holzartenverteilung nach Holzkohle-Gewichten der eisenzeitlich-keltischen Siedlungsphase. Schwarz-Erle (Alnus glutinosa) Gewöhnliche Esche (Fraxinus excelsior) Auenwälder Pappel (Populus spec.) Weide (Salix spec.) Pappel/Weide (Populus/Salix ) Faulbaum (Frangula alnus ) Ulme (Ulmus spec.) Eiche Buche Eiche (Quercus spec.) Buche (Fagus sylvatica) Feld-Ahorn (Acer campestre) Hänge-/Moor-Birke (Betula pendula/pubescens) Hainbuche (Carpinus betulus) Haselnuß (Corylus avellana) Kernobstartige (Pomoideae) Süß-/Traubenkirsche (Prunus cf. avium/padus) Pflaume/Schlehe (Prunus cf. insititia/spinosa) Echter Kreuzdorn (Rhamnus catharticus) Eberesche, Speierling, Mehlbeere (Sorbus spec.) Laubholz indet. ausschlagfähige Gehölze (Hecken, Waldränder, usw.) 85 6 18 9 19 6 19 7 22 7 22 5 383 100% Übergangsphase 80% 60% 40% 20% 0% 170 201 241a 243 300 472 492c 800 1044h 1154a 1154b 1154g 212 213 214 Gruben Pfosten Abb. 17: Mardorf 23 (AK 85), Kr. Marburg-Biedenkopf. Prozentuale Holzartenverteilung nach Holzkohle-Gewichten der Übergangsphase (EZ-G u. RKZ1v/1). RKZ-G 100% 80% 60% 40% 20% 0% 2a 16 14 0 17 0a 17 0h 17 3 20 0 23 0e 23 1 24 0 24 1 26 8a 28 9 28 9a 31 2 49 2a 49 7a 58 0b 58 0d 61 6 62 3 67 3 70 0 76 9b 77 0 77 1 77 7a 92 8 95 4 10 50 11 38 10 39 a 3b 14 2 14 3 14 4 14 5 1 3 Gruben Pfosten Abb. 18: Mardorf 23 (AK 85), Kr. Marburg-Biedenkopf. Prozentuale Holzartenverteilung nach Holzkohle-Gewichten der kaiserzeitlich-germanischen Siedlungsphase. mehreren Befunden vorhanden6, einen größeren Anteil am Artenspektrum erreichen sie jedoch nur in Grube 1020 mit 34 % des Gesamtgewichtes. Vergleicht man die genannten Ergebnisse mit der Stetigkeit der nachgewiesenen Taxa, so zeigt sich auch hier eine bevorzugte Nutzung der besten Brennholzarten Eiche und Buche mit geringen Anteilen anderer Gehölze (Abb. 19). 6 In dieser Gruppe verbergen sich neben Weißdorn-Arten Crataegus spec., Wildapfel Malus sylvestris und Wildbirne Pyrus pyraster und Sorbus-Arten. Die Hasel Corylus avellana ist überraschenderweise sowohl in keltischen wie auch in germanischen Befunden selten bei den Holzkohlen vertreten. Sie erreicht nur in den Befunden 268b und 227 über 2 % des Gewichtes aller Holzkohlen und insgesamt Stetigkeiten von ≤ 20 %. Da Haselnußschalen hingegen als Beleg der Nutzung dieser beliebten Sammelpflanze in den Befunden aller Siedlungsphasen regelmäßig vertreten sind, ist anzunehmen, dass die Haselsträucher gezielt geschont wurden und von der Brennholzentnahme weitgehend ausgenommen waren (vgl. Tab. 3). 384 EZ-K (25 Befunde) 100,0 80,0 Stetigkeit (%) 60,0 40,0 20,0 0,0 Abb. 19: Mardorf 23 (AK 85), Kr. Marburg-Biedenkopf. Stetigkeit der Holzarten in den Befunden der eisenzeitlichkeltischen Siedlungsphase (EZ-K = La2 und La2/3, n = 25, ohne Pfostengruben). Übergangsphase (12 Befunde) 100,0 80,0 Stetigkeit (%) Abb. 20: Mardorf 23 (AK 85), Kr. Marburg-Biedenkopf. Stetigkeit der Holzarten in den Befunden der Übergangsphase (EZ-G und RKZ1v/1, n = 12, ohne Pfostengruben). Im Gegensatz zu den keltischen Befunden der Mittelund Spätlatènezeit gibt es in den frühen germanischen Befunden überwiegend keine Dominanz von Buche und Eiche, sondern es hat den Anschein, als ob eine Vielzahl von Arten unterschiedlicher Standorte genutzt wurde (Abb. 17). Auch die durchschnittliche Artenzahl ist hier höher. Dabei kommt Erle und Birke nun besondere Bedeutung zu, sowohl bei den Gewichtsprozenten, wie auch bei den Stetigkeiten (Abb. 20). Die Brennholzspektren der kaiserzeitlich-germanischen Siedlungsphase unterscheiden sich deutlich von der eisenzeitlich-keltischen und setzen den Trend der Übergangsphase fort. Je Befund sind häufiger mehr Taxa vorhanden (Abb. 18, 22 c). Eiche und Rotbuche sind zwar weiterhin die stetigsten Arten mit 83 % und ex ce ls Po io pu r lu s sp ec Po . pu lu s/ Fa Sa gu lix s sy lv at Q ic ue a rc us Ac er sp Be ec cf tu .c . la am pe pe nd st ul re a/ pu be sc Pr en un s Po us m cf oi .i de ns ae iti tia /s pi no La sa ub ho lz in de t. os tin lu .g s nu Fr an cf Al Fr ax in us gu l a al nu s a cf .g lu Fr an tino s g Fr ax ula a in al us nu s ex ce Po ls pu io lu r s sp ec Sa . li Po x s p ec pu . lu s/ Sa U lm lix Fa us sp gu e s sy c . Q lv ue at ic A Be rc a us tu cer la cf sp .c pe e am c. nd ul pe a/ pu str e C or bes yl us cen s av Pr e un Po llan us a m cf . a oid ea vi um e cf /p .S or adu b s La us sp ub ec ho . lz in de t. 60,0 40,0 20,0 0,0 Al nu s 72 % (Abb. 21). Ihr Gewichtsanteil je Befund ist nun aber häufig zu Lasten anderer Gehölzarten verringert. Dabei fällt auf, dass Erle nun viel öfter als in den keltischen Befunden und mit höheren Gewichten vertreten ist (Abb. 18). Ihre Stetigkeit ist in den Befunden von weniger als 40 % auf 70 % gestiegen. Erheblich höhere Werte zeigen auch das Pioniergehölz Birke sowie die ausschlagfähigen Kernobstgewächse und der Ahorn. Die festgestellten Unterschiede zwischen keltischer und germanischer Brennholznutzung lassen eine Veränderung bei der Brennholzbeschaffung annehmen. Man sieht, dass in keltischer Zeit die besten Brennholzarten Eiche und Buche nachhaltig beschafft werden konnten. Das Gehölzangebot der angrenzenden 385 RKZ-G (34 Befunde) 100,0 80,0 Stetigkeit (%) 60,0 40,0 20,0 0,0 Abb. 21: Mardorf 23 (AK 85), Kr. Marburg-Biedenkopf. Stetigkeit der Holzarten in den germanischen Befunden der Römischen Kaiserzeit (RKZ-G = RKZ, RKZ1 und RKZ2, n = 34, ohne Pfostengruben). a) eisenzeitlich-keltische Befunde (38) b) Befunde der Übergangsphase (15) c) kaiserzeitlichgermanische Befunde (39) Anzahl Taxa je Befund: Abb. 22 a-c. Mardorf 23 (AK 85), Kr. Marburg-Biedenkopf. Prozentuale Anteile eisenzeitlich-keltischer Befunde (a), germanischer Befunde der Übergangsphase (b) und kaiserzeitlich-germanischer Befunde (c) klassifiziert nach der Anzahl der enthaltenen Holztaxa (0-2, 3-5, 6-8 und >8 Taxa). Ohmaue wurde hingegen nicht systematisch genutzt wie etwa die geringeren Erlenwerte zeigen. Möglicherweise wurden Eiche und Buche auf den siedlungsgünstigen Lößebenen zur Schaffung von Siedlungsfläche und Ackerland oder auch in den Wäldern der nahegelegenen Mittelgebirgsregion geschlagen. Auf jeden Fall können wir davon ausgehen, dass es sich um eine Form der Brennholzbeschaffung handelte, die mehrere Menschengenerationen während der gesamten eisenzeitlich-keltischen Besiedlung der Fundstelle tragfähig blieb. .g l an utin Fr ax gu osa in la us al n Po exc us pu els lu ior s S a spe Po lix s c. pu p e c lu U s/S . lm al Fa u i gu s s x pe s Q syl c. Be v A u tu ce erc atic la r c us a p e f. s nd ca pe ul mp c. a C /pu estr ar b p i es e C n u s cen or yl b e t s us u Pr av lus u P r nu el un s c Po lan m us f. o a cf avi ide .i um a e R ns ha iti /pa m tia du nu /s pi s s n cf cat osa . S ha o r rtic L a bus u s ub s ho pe lz c. in de t. Fr Al nu s cf 0-2 3-5 6-8 >8 Anzahl Befunde (inkl. Pfostengruben) mit n Holzkohletaxa (Laubholz indet. als Taxon mitgezählt) Anzahl Taxa EZ-K Übergangszeit RKZ-G 0-2 10 1 10 3-5 17 5 8 6-8 8 8 10 >8 3 1 11 Während der germanischen Besiedlung seit der Übergangsphase wurden dann neue Schwer punkte gesetzt. Das verstärkte Vorkommen der Erle lässt an eine Bewirtschaftung des wahrscheinlich nahe der Siedlung in der Ohmaue gelegenen Erlenbruchwaldes denken. Das von A. Stobbe dort bearbeitete Pollenprofil beginnt zwar leider erst am Ende der kaiserzeitlichen Besiedlung. Man sieht aber – auch anhand der Großreste –, dass die Erle dort erst nach Aufgabe der Siedlung Mardorf 23 wieder hochwachsen, blühen und fruchten konnte (vgl. im Anhang den Beitrag zum Pollenprofil 386 A. Stobbe). Ein weiterer neuer Aspekt der germanischen Brenn holzbeschaffung ist die Nutzung von Birkenholz. Ob Birke, wie auch Feldahorn und Kernobstgewächse auf verbuschenden Brachen oder in bewirtschafteten Niederwäldern geschlagen wurden, lässt sich bei der derzeitigen Datenlage leider nicht unterscheiden. 10. Die Ergebnisse der archäobotanischen Analysen von Mardorf 23 im überregionalen Vergleich 10.1 Untersuchungen zur keltischen Landwirtschaft Im Rahmen der Auswertung der archäobotanischen Befunde der Siedlung Mardorf 23 ist es interessant, die Ergebnisse mit den archäobotanisch untersuchten eisen- und kaiserzeitlichen Fundstellen aus Hessen sowie Süd- und Südwestdeutschland zu vergleichen (Tabellen 8 und 9). In Hessen wurden nur zwei weitere großflächig gegrabene eisenzeitlich-keltische Siedlungen durch repräsentative Probenserien archäobotanisch untersucht. Es sind die offenen ländlichen Siedlungen von AK46 Bad Nauheim-Schwalheim, „Wilhelm-Leuschner Straße“ und AK83 Bad Nauheim „Im Deut“, von denen jedoch jeweils nur Siedlungsausschnitte ausgegraben wurden (Kreuz/Boenke 2000/ 2001). Ergebnisse kleinerer Untersuchungen liegen von der frühlatènezeitlichen Höhensiedlung auf dem Christenberg (Kreuz 1993), vom spätlatènezeitlichen oppidum auf dem Dünsberg (AK 1006; Kreuz/Hopf 2001) sowie von Frankfurt-Kalbach (AK 20), Schöneck-Büdesheim (AK 54; Kreuz 1994; 1994/95) Hünfeld-Mackenzell7 (Müller u. a. 2000/2001a) und von einem latènezeitlichen Schmiedeplatz bei Lahnau-Atzbach (Kreuz 2000/2001) vor. Beim Dünsberg handelt es sich um einen Vorratsfund von verkohlter Spelzgerste, bei den anderen Fundplätzen um die Untersuchung weniger Befunde kleinerer Siedlungsausschnitte, die meistens im Rahmen von Rettungsgrabungen freigelegt worden waren.8 Auch in Süd- und Südwestdeutschland stehen zahlreichen kleinen, wenig repräsentativen Einzeluntersuchungen von Grubenbefunden oder Vorräten nur wenige, großflächig gegrabene und durch repräsentative Probenserien untersuchte, eisenzeitliche Siedlungen gegenüber. In Bayern sind dies der späthallstattzeitlichfrühlatènezeitliche Viereckhof von Niedererlbach Anders als im Vorbericht publiziert, datiert der Fundplatz nach einer 14C-Datierung und archäologischen Funden wohl in die Hallstattzeit. 8 Seit Abschluß der Arbeiten zu Mardorf 23 hat sich der Forschungsstand erheblich verbessert; vergleiche dazu Kreuz (2005). 7 (Küster 1988; 1995) und das spätlatènezeitliche oppidum von Manching bei Ingolstadt (Küster 1992). In Baden-Württemberg ist die frühlatènezeitliche Siedlung von Hochdorf im Kreis Ludwigsburg zu nennen (Stika 1995; 1996b; 1999), die mit der Importfrucht Feige und den Färbepflanzen Färber-Waid Isatis tinctoria und Wau Reseda luteola gleich mehrere besondere Funde lieferte (Tab. 4). Die vielversprechenden archäobotanischen Ergebnisse von Gruben und Erdkellern aus der Frühlatènesiedlung von Riedlingen „Klinge“, Kr. Biberach, sowie eines Brunnenschachtes in der benachbarten spätkeltischen Viereckschanze sind erst in einem kurzen Vorbericht publiziert (Bouchette/Rösch 1996). In Rheinland-Pfalz wurden die späthallstatt- und frühlatènezeitliche Siedlung von Wierschem, Kr. Mayen-Koblenz (Kroll 1998; 2001), und die frühlatènezeitliche Siedlung sowie das spätlatènezeitliche oppidum von Wallendorf repräsentativ untersucht (Kroll 2000). Die Ergebnisse von Wallendorf sind aber bisher noch nicht vollständig vorgelegt worden. Aus dem Saarland liegen aus dem Kreis Merzig-Wadern umfangreichere Ergebnisse von der späthallstattzeitlichen Siedlung von Borg „Seelengewann“ (Wiethold 2000b) und von der spätlatènezeitlichen Vorgängerbesiedlung im Bereich der römischen Großvillenanlage von Borg vor (Wiethold 2000d u. unpubl.). Auch aus der Schweiz sind nur wenige Untersuchungen zur eisenzeitlichen Landwirtschaft publiziert. Der aktuelle Forschungsstand wurde jüngst von Schmidl, Jacomet und Oeggl (2007) zusammengestellt. Die Siedlung von Mardorf 23 liegt an der Nordgrenze des keltischen Kulturkreises. Kulturell kann die Besiedlung der Mittellatènezeit und frühen Spätlatènezeit einer keltisch geprägten Mittelgebirgsgruppe zugewiesen werden (vgl. Meyer, in diesem Bd.). Eine der Aufgaben der archäobotanischen Bearbeitung war es daher zu klären, ob die für diese Siedlungsphase nachgewiesenen landwirtschaftlichen Gegebenheiten denen im zentraleren keltischen Siedlungsgebiet Südund Südwestdeutschlands entsprechen. Die Tabellen 8 und 9 stellen die archäobotanischen Nachweise von Getreiden, Hülsenfrüchten und Ölbzw. Faserpflanzen ausgewählter eisenzeitlich-keltischer Siedlungen in Hessen, Süd- und Südwestdeutschland sowie der Schweiz und Österreich den Mardorfer Ergebnissen gegenüber. Bei der Übersicht wurden stratigraphisch unklare Altfunde und unsicher datierte Befunde nicht berücksichtigt. Die Größe der untersuchten Siedlungsausschnitte sowie die Anzahl der untersuchten Befunde je Fundstelle schwanken sehr stark. Im Artenspektrum der Getreide werden – betrachtet man ausschließlich die Präsenz der Kulturpflanzentaxa – kaum Unterschiede deutlich. Spelzgerste ist in den meisten Siedlungen vorherrschend, daneben sind 387 Dinkel, Emmer, Echte Hirse und manchmal auch Saatweizen von Bedeutung. Einkorn und Kolbenhirse wurden seltener nachgewiesen. Berücksichtigt man ihre geringen Fundzahlen, so sind Einkorn und Kolbenhirse wohl lediglich Beigetreide gewesen. Eine Ausnahme bildet die latènezeitliche Siedlung von Wallendorf, in der Kolbenhirse recht stetig und mit Fundzahlen von mehreren hundert Stück vertreten war (Kroll 2000). Der derzeitige Forschungsstand lässt annehmen, dass im betrachteten Gebiet noch kein Saat-Hafer, sondern nur der wilde Flug-Hafer vorkam. Roggen ist ebenfalls selten und stets nur mit einzelnen Körner nachgewiesen worden, so dass es sich um unkrauthafte Vorkommen handeln dürfte. Zwischen der Hallstattzeit und der folgenden Latènezeit gibt es nach derzeitigem Forschungsstand bei den Nachweisen von Getreidearten überregional keine markanten Unterschiede. Bei den Hülsenfrüchten sind Linse und Erbse nahezu gleich stetig nachgewiesen. Die Ackerbohne ist offenbar von geringerer Bedeutung gewesen. Sie ist bei gleicher Erhaltungsmöglichkeit nur von der Hälfte der Fundstellen belegt. Vicia ervilia, die Linsenwicke, kommt seltener und meist nur mit wenigen Funden vor. Vermutlich handelt es sich überwiegend um ein unkrauthaftes Vorkommen in anderen Hülsenfrüchten, wohl besonders in Linsen. Bei den Öl- und Faserpflanzen könnte sich die etwas schlechtere Erhaltungsfähigkeit in einer im Vergleich zu den Getreiden und Hülsenfrüchten geringeren Präsenz in den archäologischen Befunden bemerkbar machen. Wurden von einer Fundstelle nur wenige Befunde untersucht, fehlen sie zum Teil. Die bedeutendste Ölpflanze der Hallstattzeit- und der Früh- und Mittelaltènezeit war Leindotter Camelina sativa. Lein Linum usitatissimum und Schlafmohn Papaver somniferum sind etwas seltener und in geringeren Fundzahlen nachgewiesen. Hanf Cannabis sativa, eine weitere Öl- und Faserpflanze, ist bisher nicht verkohlt, sondern nur subfossil von je einer Fundstelle aus der Westschweiz (Akeret unpubl.) und aus Ostfrankreich (Wiethold 2002) mit Feuchtbodenerhaltung bekannt geworden (vgl. Tab. 4). Die eisenzeitlich-keltische Landwirtschaft wird überregional durch die Kombination von Sommer- und Winterfruchtanbau und eine gewisse Artenvielfalt geprägt. Sommergetreide waren Echte Hirse und vermutlich vierzeilige Spelzgerste, typische Wintergetreide Dinkel und Nacktweizen. Emmer konnte sowohl als Sommer- wie auch als Wintergetreide angebaut werden. Die Hülsenfrüchte sowie die Öl- und Faserpflanzen wurden ebenfalls als Sommerfrüchte kultiviert. Da Wintergetreideanbau im Durchschnitt höhere Erträge liefert, konnte man damit Überschüsse zur Versorgung der oppida und anderer zentraler Orte wie beispielsweise der Ansiedlung auf der Amöneburg be- reitstellen. Neue Ergebnisse archäobotanischer Untersuchungen eisenzeitlicher Fundstellen Hessens, die im Rahmen des „Fürstensitzeschwerpunktes“ der DFG erarbeitet wurden, lassen einen Wechsel im Landwirtschaftssystem zu Beginn des 5. Jahrhundert v. Chr. annehmen. Es kommt zu einer Vergrößerung der Vielfalt des Anbauspektrums, möglicherweise als Strategie zur Risikominimierung oder zur Produktionssteigerung (Kreuz u. Schäfer, im Druck). Die nachgewiesenen Spektren der Ackerunkräuter lassen überregional die Praxis eingeschalteter Brachen und eines Fruchtwechsels zwischen Sommer- und Winterfrucht annehmen. Ferner ist bemerkenswert, dass an eisenzeitlich-keltischen Fundstellen erstmals besondere Funde wie Südimporte oder Gewürze auftreten (vgl. Tab. 4). Südimporte belegen zumindest indirekt Handelskontakte in den Mittelmeerraum. Färbepflanzen lassen auf eine Spezialisierung bei den handwerklichen Tätigkeiten schließen. Die eisenzeitlichen Möglichkeiten der Textilverarbeitung wurden eindrucksvoll in Hochdorf nachgewiesen (Banck 1994, Banck-Burgess 1998, 1999). Die Frage, ob und ggf. in welchem Umfang die Kelten bereits Obst- und Gartenbau betrieben haben, oder ob es sich dabei „nur“ um mediterrane Ernährungsgewohnheiten handelt, wird noch diskutiert. In den zahlreichen bisher untersuchten eisenzeitlichen Fundstellen, und so auch in Mardorf, ließen sich keine eindeutigen Hinweise auf vorrömischen Obstbau oder Gartenkultur finden. Dies kann dort nicht alleine an den Erhaltungsbedingungen liegen, denn die verkohlten Funde, die man überall antreffen kann, überwiegen bisher über die subfossilen (Tab. 4). Um diese Frage weiter zu verfolgen, wäre die Untersuchung von eisenzeitlichen Feuchtbodenbefunden besonders wünschenswert. 10.2 Untersuchungen zur germanischen Landwirtschaft Hinsichtlich der archäobotanischen Ergebnisse zur frühen germanischen Landwirtschaft der Römischen Kaiserzeit ergeben sich deutlich weniger Vergleichsmöglichkeiten, da ausschließlich Siedlungen im Mittelgebirgsraum, die eine ähnliche Ausstattung ihres Naturraumes aufweisen, für Vergleiche herangezogen werden dürfen. Das norddeutsche Flachland, insbesondere die Marschgebiete, weisen so grundlegend andere ökologische Bedingungen auf, dass die archäobotanischen Ergebnisse nicht mit unseren Untersuchungsräumen verglichen werden können. Aus den benachbarten östlichen Gebieten sind leider keine verwertbaren Untersuchungen bekannt. Daher lässt sich nach derzeitigem Forschungsstand nicht feststellen, ob das germanische Landwirtschaftssystem eingebracht oder vor Ort „erfunden“ wurde. 388 In Hessen stellt sich das germanische Anbausystem nach den botanischen Ergebnissen als eine einfache Subsistenzwirtschaft mit einem Schwerpunkt bei Sommerfrüchten und nur oberflächlicher Bodenbearbeitung dar. Als Hypothese wird ein Schwerpunkt bei der Viehzucht angenommen (Kreuz 2004, 135, 241). Mediterrane Importe oder der Anbau von arbeitsintensiven Kulturpflanzen und von Wintergetreide fehlen.9 Dieses germanische System kommt in allen Untersuchungsgebieten innerhalb und außerhalb des späteren römischen Reiches vor und löst dort das keltische System ab. Übereinstimmung zeigt sich bei dem keltischen und germanischen System bei der Anwendung von Fruchtwechsel und Brachwirtschaft, um der Bodenermüdung entgegen zu wirken. Wiesenbewirtschaftung zur Heugewinnung lässt sich vor allem im römischen, vielleicht aber auch im germanischen Gebiet annehmen (Kreuz 2004, 163ff., 194ff.). Die Holzkohlespektren lassen nirgendwo Zeichen von Holzmangel erkennen. Gleichzeitig unterscheidet sich die germanische Brennholznutzung deutlich von der keltischen (Kreuz 2004, 198ff.). Der anhand der archäobotanischen Ergebnisse für den Siedlungsplatz Mardorf 23 aufgezeigte Wechsel in den landwirtschaftlichen Schwerpunkten läßt annehmen, dass die dort ab der späten Eisenzeit wirksamen, externen Einflüsse über stilistische Impulse wie neue Keramikformen weit hinausgingen. Es ist fraglich, ob solche den gesamten Arbeitsablauf in einem landwirtschaftlichen System betreffenden Veränderungen von einer alteingesessenen Bevölkerungsgruppe vorgenommen wurden. Von archäobotanischer Seite erscheinen stattdessen externe kulturelle Einflüsse, z. B. in Form einer Neuzuwanderung germanischer Siedler als Entscheidungsträger möglich. Dies fände seine Parallele innerhalb des römischen Limes, da dort, u. a. infolge Zuwanderung von Bevölkerung aus Gallien und Ansiedlung von römischem Militär, ebenfalls eine Veränderung des Landwirtschaftssystems stattfand, allerdings mit einer völlig anderen Ausrichtung. Ein weiteres Beispiel sind die phönizischen, etruskischen und griechischen Einflüsse auf der Iberischen Halbinsel, die dort in der Eisenzeit zur Einführung des Weinbaus, Überschussproduktion und Aufbau neuer Handelsnetzwerke führten (Buxo 2008). Wo keine ökologischen Veränderungen fassbar sind, dürften wie im Falle von Mardorf 23, dem Wechsel landwirtschaftlicher Wirtschaftweisen kulturelle Entscheidungen zugrunde liegen. Das Fehlern einzelner Arten könnte theoretisch grundsätzlich auf die geringe Anzahl untersuchter Befunde zurückzuführen sein. Dies betrifft allerdings alle Zeitstellungen und Kulturgruppen in gleicher Weise. Daher ist es unwahrscheinlich, dass Arten nur methodisch bedingt in einer größeren Zahl germanischer Fundstellen fehlen. und in keltischen Fundstellen mit vergleichbaren Erhaltungsbedingungen fehlen. 9 11. Literaturverzeichnis Anderberg 1994 A.-L. Anderberg, Atlas of seeds and small fruits of Northwest-European plant species with morphological descriptions, Part 4 Resedaceae – Umbelliferae (Stockholm 1994). Banck 1994 J. Banck, Die Textilfunde aus dem Hallstattzeitlichen Fürstengrab von Hochdorf, Gemeinde Eberdingen (Kreis Ludwigsburg). In: Archäologische Textilfunde − Archaeological textiles. Textilsymposium Neumünster, 4.-7.5.1993 (Neumünster 1994) 43-52. Banck-Burgess 1998 J. Banck-Burgess, Kostbare Stoffe im Fürstengrab. Arch. Deutschland, 1998, 1, 18-21. Banck-Burgess 1999 J. Banck-Burgess, Hochdorf IV. Die Textilfunde aus dem späthallstattzeitlichen Fürstengrab von Eberdingen-Hochdorf. Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg 70 (Stuttgart 1999). 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Sie richtet sich bei den wissenschaftlichen Pflanzennamen nach der Flora Europaea, Vol. 1-5 (Tutin u.a. 1964-1980); bei den deutschen Pflanzennamen folgt sie der 6. Auflage der Pflanzensoziologischen Exkursionsflora von E. Oberdorfer (1990). Bei den Kulturpflanzen werden die deutschen Namen zum Teil nach Mansfeld (1986) angegeben. Die Kulturpflanzen Cerealia/Getreide Bei den verkohlten Getreidekörnern wurde auf eine differenzierte Bestimmung der einzelnen Karyopsen auf der Basis morphologischer Kriterien Wert gelegt. Da die Getreidefunde häufig schlecht erhalten und stark fragmentiert waren, konnten zahlreiche Karyopsen nicht sicher bestimmt werden. Sofern keine eindeutige Zuweisung zu einem Taxon vorgenommen werden konnte, erfolgte in den meisten Fällen eine Zuordnung zu einer Doppelart, die in Betracht kamen. Diese Pflanzenrestfunde werden in den Fundlisten (vgl. Tab. 3 u. 7) unter den Artnamen beider Taxa geführt, beispielsweise als Emmer/Dinkel Triticum dicoccum Schrank/Triticum spelta L. Stark fragmentierte oder korrodierte Getreidekörner, die nicht mehr bestimmt werden konnten, werden in den Fundtabellen als Cerealia indet. aufgeführt. Fragmente wurden dabei stets zu ganzen Karyopsen zusammengezählt, um die Fundzahlen vergleichbar zu halten. Im Fundmaterial aus Mardorf 23 waren zahlreiche Hüllspelzenbasen und Ährchengabeln der Spelzweizenarten stark abgerieben oder nur in ihrem basalen Teil erhalten. Im Gegensatz zu Einkorn Triticum monococcum L., von dem Spelzenreste leichter zu erkennen sind, war eine Trennung der schlecht erhaltenen Emmer- und Dinkelhüllspelzenbasen oft nicht möglich. Hordeum distichon L./H. vulgare L., Kulturgerste, zwei- oder mehrzeilig, nackt oder bespelzt (Poaceae) Erhaltung: verkohlte Körner Maße: Karyopsen vgl. Tabelle 11, Spindelglied L 3,6; B 2,1 mm, n = 1 (888e1:B:7) Abbildung: Taf. 1 Karyopse (Foto-Nr. 262-28, 262-30, Proben-Nr. 971:B:4a). 3-4 Spindelglieder (Foto-Nr. 257-17, 285-2, Proben-Nr. 888e1:B:7, 1:B:1). 5 Karyopsen, Streubild (Foto-Nr. 288-4, Proben-Nr. 1074:B:1) Tausendkorngewichte: 13,480 g (971:A:4; n = 500); 14,058 g (971:B:4a; n = 500); 13,966 g (971:B:4b); 10,948 g (976:A:3; n = 500); 12,048 g (976:A:4; n = 250); 10,812 g (1074:B:1; n = 500) Die Gerstenkaryopsen lagen mit wenigen Ausnahmen unbespelzt vor und waren in der Regel schlecht erhalten, so dass in den meisten Fällen eine sichere Zuordnung zu Zweizeil- oder Vierzeilgerste nicht möglich war. Waren die Körner jedoch gut erhalten, konnte an Hand der kantigen Ausprägung der Seitenflächen, der rhombischen Form und der breiten Bauchfurche eine Zuweisung zu einer Spelzgerste vorgenommen werden, bei der die Körner in den Spelzen verkohlt sind. Die wenigen gut erhaltenen Deckspelzenbasen zeigen eine hufeisenförmige Abbruchnarbe des Spindelgliedes, wie sie Jacomet (1987, 31, Tab. 3) als typisches Merkmal für Zwei- und Vierzeilgerste anführt. Einige Funde von über 2,5 mm langen Spindelgliedern, die ebenfalls typisch für Vierzeilgerste sind, unterstützen diese Ansprache. In den gerstenreichen Vorratsfunden aus den latènezeitlichen Gruben 971, 976 und 1074 fanden sich unter den guterhaltenen Karyopsen vereinzelt Krümmlinge, die ebenfalls eine Zuweisung der Spelzgerste zu einer vierzeiligen Form Hordeum vulgare zulassen. Es ist festzuhalten, dass sich keine Hinweise auf andere als vierzeilige Spelzgersten fanden. Panicum miliaceum L., Echte Hirse (Poaceae) Erhaltung: verkohlte Körner Maße: vgl. Tab. 11 Abbildung: Taf. 6 Karyopse (Foto-Nr. 264-25, ProbenNr. 971:B:4a) Die Hirsekaryopsen lagen unbespelzt vor und waren durch ihre Größe, ihr rundes Hilum und die breite, eingesenkte Embryogrube, deren Länge die Hälfte der dorsalen Seite des Kornes nicht überschreitet, von Setaria italica und den Unkrauthirsen (Echinochloa crus-galli und Setaria-Arten) gut zu unterscheiden. Bei verkohlten Körnern der Echten Hirse bleiben die umschliessenden Deck- und Vorspelzen üblicherweise nicht erhalten, da sie leicht vom Korn abplatzen und zerrieben werden. Einige Hirsekörner aus Mardorf wiesen seitlich Kanten und Eindrücke auf, die als Eindrücke der ursprünglich fest umschließenden Deckund Vorspelzen angesprochen werden können. Es muß deshalb angenommen werden, dass zumindest ein Teil der Hirsekaryopsen in bespelztem Zustand verkohlte. Setaria italica (L.) P. Beauv., Kolbenhirse (Poaceae) Erhaltung: verkohlte Körner, bespelzt und unbespelzt Maße: L 1,1; B 1,0; H 1,0 mm; n = 1 395 Abbildung: Taf. 6 Karyopsen, z.T. mit anhaftenden Spelzenresten (Foto-Nr. 287-14, 287-17, Proben-Nr. 140:A:1, 549a:F:2) Bespelzte Karyopsen der Kolbenhirse sind an Hand ihrer Größe, der im Gegensatz zu den Borstenhirsen eher kugeligen als lang-schmalen Form kenntlich. Das waffelförmige Zellmuster der Deck- und Vorspelzenoberfläche gewährleistet die Unterscheidung von kleinen Körnern der Rispenhirse Panicum miliaceum L. Unbespelzte Körner der Kolbenhirse zeichnen sich durch das lang-ovale Hilum und eine langgestreckte Embryogrube, die etwas mehr als die Hälfte der Rückenlinie der Karyopse einnimmt, aus. Die Ränder der Keimlingsgrube verlaufen parallel; die abschließende Rundung ist im Gegensatz zur spitzen, ‚gotischen‘ Form bei den Borstenhirsen Setaria viridis/verticillata bei der Kolbenhirse ‚romanisch‘ ausgeprägt (Kroll 1983, 46). Eine gewölbte Ventralseite ermöglicht die Unterscheidung von den Karyopsen der Hühnerhirse Echinochloa crus-galli, die stets eine flache Bauchseite besitzen. Triticum aestivum s.l./T. durum L./Triticum turgidum L., Nacktweizen (Poaceae) Erhaltung: verkohlte Körner Maße: vgl. Tab. 11 Abbildung: Taf. 2 Karyopse (Foto-Nr. 282-5, 282-9, 282-25, Proben-Nr. 208:B:y) Die Nacktweizenkaryopsen waren rundlich-kugelig und verhältnismäßig klein. Sie sind deshalb einer compactum-Form eines Nacktweizens zuzuweisen. Da im Fundmaterial von Mardorf keine Spindelglieder gefunden wurden, kann keine Zuweisung der Körner zu hexa- oder tetraploiden Nacktweizen erfolgen. Aus zeitgleichen Fundplätzen in Süd- und Südwestdeutschland stammen aber – sofern überhaupt vorhanden – stets Spindelglieder des hexaploiden Triticum aestivum s.l., so dass auch in Mardorf eher ein Anbau hexaploiden Saatweizens vom compactum-Typ angenommen werden darf. Triticum dicoccum Schrank, Emmer (Poaceae) Erhaltung: verkohlte Körner Maße: vgl. Tab. 11 Abbildung: Taf. 2 Karyopsen (Foto-Nr. 292-8, 285-26, 264-13, 262-0, Proben-Nr. 1074:B:1, 971:A:4. Ährchengabel (Foto-Nr. 262-0, Proben-Nr. 971:A:4) Tausendkorngewicht: 8,156 g (1074:B:1; n = 250) Emmerkaryopsen sind im Vergleich zu denen von Triticum spelta L. hochrückig und in Dorsalansicht meist asymmetrisch. Die Rücklinie der Karyopse erreicht ihren höchsten Punkt meist im ersten Drittel des Korns. Die Ventralseite ist meist konkav ausgebildet. Der Umriß ist oft tropfenförmig. Schlecht erhaltene, fragmentierte oder korrodierte Körner ließen sich an Hand morphologischer Kriterien nicht eindeutig von denen des Dinkels trennen. Sie werden in den Fundlisten unter der Doppelart-Bezeichnung Triticum dicoc- cum Schrank/Triticum spelta geführt. Die Emmerkörner aus Mardorf sind im Vergleich zu anderen Emmerfunden sehr klein und schlank. Diese Beobachtung kommt auch in dem sehr niedrigen Tausend korngewicht zum Ausdruck. Die Hüllspelzenbasen des Emmers sind im Vergleich zum Dinkel schlanker, kompakter und glatt. Sie weisen im basalen Teil im Gegensatz zum Dinkel keine deutlichen Leitbündeleindrücke auf. Die Seitennerven der Hüllspelzen sind als scharfe Kanten ausgebildet. Die Hüllspelzenbasen von kompletten Ährchengabeln spreizen wie beim Dinkel oft v-förmig auseinander. Triticum monococcum L., Einkorn (Poaceae) Erhaltung: verkohlte Körner Maße: L 5,5, B 2,7, H 2,8 mm; n = 1 Abbildung: Taf. 3 Karyopse (Foto-Nr. 260-33, 261-0, Proben-Nr. 208:A:4) Einkornkaryopsen sind typischerweise schmal und hochrückig und weisen eine konvexe Ventralseite mit enger, deutlich eingetiefter Bauchfurche auf. Die Einkornkaryopsen von Mardorf waren fast alle typisch ausgebildet. Hinweise auf zweikörniges Einkorn, wie sie von anderen Fundstellen Hessens vorliegen, fehlen. Hüllspelzenbasen von Triticum monococcum sind gut erkennbar durch ihre geringe Breite; Leitbündeleindrücke auf der Außenseite fehlen. Die Hüllspelzenbasen besitzen einen kompakten, rechteckigen Querschnitt. Einkorn-Ährchengabeln weisen oft eine enge Öffnung auf. Triticum spelta L., Dinkel (Poaceae) Erhaltung: verkohlte Körner Maße: L 5,0; B 2,1; H 1,8 mm; n = 1 Abbildung: Taf. 3 Karyopsen (Foto-Nr. 263-13, 26316, 263-20, Proben-Nr. 971:B:4a). Hüllspelzenbasen (Foto-Nr. 260-17, 260-20, Proben-Nr. 208:A:3) Dinkelkaryopsen sind im Vergleich zu denen des Emmers symmetrisch, flachrückiger und weisen parallel verlaufende Seitenlinien auf. Die Ventralseite ist stets flach. Im archäobotanischen Fundgut finden sich in der Regel neben den Körnern nicht die kompletten Spelzen, die verkohlt leicht zerbrechen, sondern nur die verdickten und deshalb besonders widerstandsfähigen Hüllspelzenbasen. Sie sind breit, dünn und oft in der Breitenausdehnung schaufelförmig gebogen. Die Außenseite der Hüllspelzen weist deutliche streifenartige Leitbündeleindrücke auf. Im Fundmaterial waren zahlreiche Hüllspelzenbasen besonders auf der Spelzenaußenseite stark abgerieben oder korrodiert, so dass eine sichere Zuweisung zu Dinkel oder Emmer nicht mehr möglich war. 396 Hülsenfrüchte Lens culinaris Med., Linse (Fabaceae) Erhaltung: verkohlte Samen Maße: 2,9 x 2,5 mm, n = 1 Abbildung: Taf. 4 Samen (Foto-Nr. 260-28, Proben-Nr. 208:A:3) Linsensamen sind abgeplattet-diskusförmig und weisen eine relativ scharfe Seitenlinie auf. Der auf der Seitenlinie liegende Nabel ist länglich und schmal. Die Größenverhältnisse verkohlter Linsen variieren beträchtlich. An Hand des Nabels und der abgeplattetrunden Form lassen sich Linsen jedoch auch in fragmentarischem Zustand meist noch sicher bestimmen. Pisum sativum L., Erbse (Fabaceae) Erhaltung: verkohlte Samen Maße: 4,5 x 4,45 mm, n = 2 Samen der Erbse sind kugelig-rund bis kantig-eingedellt. Charakteristisch ist der kaffeebohnenförmige gerundet-ovale Nabel, an dem die Samen stets sicher anzusprechen sind. Die Samenschale kann je nach lokaler Landrasse von glatt bis zu unregelmäßig rauh variieren. Sie platzt beim Verkohlen leicht ab. Daher war auch im Mardorfer Fundmaterial der Nabel nur im Ausnahmefall erhalten. Leguminosensamen wurden beim Mardorfer Fundmaterial als Erbse bestimmt, wenn sie groß, rund und nicht abgeplattet oder kantig waren und Vicia faba an Hand der Form sicher auszuschließen war. Die wenigen gut erhaltenen Erbsen weisen eine glatte Samenschale auf. Ist der Nabelbereich nicht mehr erhalten, bleibt die Unterscheidung von Samen der Futterwicke Vicia sativa s.l. im Einzelfall problematisch. Fabaceae kult., unbestimmbare kultivierte Hülsenfrüchte Da die Samen kultivierter Hülsenfrüchte leicht fragmentieren und eine Bestimmung häufig einen erhaltenen Nabelbereich erfordert, konnten zahlreiche Funde nicht sicher bestimmt werden. Sie wurden als unbestimmbare kultivierte Hülsenfrüchte in die Fundlisten und Diagramme aufgenommen, wenn ihr Durchmesser 3 mm überschritt oder es sich erkennbar um Fragmente größerer Samen handelte. Besonders Samenfragmente der Erbse lassen sich oft nicht sicher von denen der Ackerbohne und anderer großfrüchtiger Leguminosen abtrennen. Die Größe der Fragmente läßt nur eine Zuweisung zu kultivierten Hülsenfrüchten zu. Es liegt jedoch Nahe, dass zahlreiche der hier aufgelisteten Funde Erbsen gewesen sind. Ob sich unter den Fragmenten großfrüchtiger Leguminosensamen auch Fragmente der Ackerbohne Vicia faba L. verbergen, kann nicht sicher entschieden werden. Es ist aber nicht sehr wahrscheinlich, da sichere AckerBohnennachweise fehlen. Ölpflanzen Camelina sativa (L.) Crantz, Saat-Leindotter (Brassicaceae) Erhaltung: verkohlte Samen Maße: L 1,3; B 1,0; H 0,9; n = 2 (1020:B:2) Die Samen sind an Hand ihrer Größe und Form sowie der Lage des Würzelchens gut anzusprechen. Die papillöse Struktur der Samenschalenoberfläche tritt besonders bei verkohlten Samen gut zum Vorschein. Die verkohlten Samen waren zum Teil in charakteristischer Weise aufgebläht oder bedingt durch den hohen Ölgehalt teilweise miteinander verbacken. Bei mineralisierten Camelina-Samen ist die Samenschale oft abgeplatzt, so dass nur das mineralisierte Innere erhalten geblieben ist. Die Größe der Samen und ihre deutlich hervortretende, lange Radicula gestatteten auch hier zum Teil noch eine sichere Bestimmung. Bedingt durch den Ölgehalt der Samen sind diese nach dem Verkohlen oft blasig verformt und zerbrechen leicht. Es ist deshalb anzunehmen, dass Camelina sativa erhaltungsbedingt im botanischen Fundgut unterrepräsentiert ist. Linum usitatissimum L., Gebauter Lein oder Flachs (Linaceae) Erhaltung: verkohlte Samen Maße: L 3,51; B 1,73; H 0,67 mm; n = 10 (1020:B:2) Abbildung: Taf. 4 Samen, Streubild (Foto-Nr. 265-12, Proben-Nr. 1020:A:4) Die verkohlten Leinsamen sind im Umriß an ihrer charakteristischen „Nase“ sowie ferner am auffälligen, isodiametrischen Zellnetz der Samenschale gut zu erkennen. Beim Verkohlen blähen sich die ölhaltigen Samen oft auf, bleiben aber in ihren Umrissen weitgehend erhalten. Wie Leindotter können Leinsamen auf Grund ihres Ölgehaltes vollständig verbrennen, so dass sie in verkohltem archäobotanischen Fundmaterial wahrscheinlich unterrepräsentiert sind. Die ausgezeichnete Erhaltung der Leinsamen aus der Grube 1020 spricht bei diesem Befund für ein langsames Verkohlen. Papaver somniferum L., Schlaf-Mohn (Papaveraceae) Erhaltung: verkohlte Samen Maße: L 1,05; B 0,9 mm, n = 2 Abbildung: Taf. 4 Same (Foto-Nr. 265-19, Proben-Nr. 1020:B:2) Samen des Schlafmohns sind deutlich größer als die der wilder Papaver-Arten (Papaver argemone, P. dubium, P. rhoeas u.a.). Im Gegensatz zu diesen liegen die Netzmaschen auf der Samenoberfläche nicht in parallelen Reihen, sondern sind weitgehend ungeordnet verteilt. Ferner ist die Maschenweite des Zellnetzes deutlich größer als bei den wilden Mohnarten. Wie die Samen der anderen Ölpflanzen sind auch die Samen des Schlafmohns bei großer Hitze leicht brennbar und bleiben deshalb ebenfalls in archäobotanischem Fundgut unterdurchschnittlich erhalten. 397 Importobst Ficus carica L., Feigenbaum (Moraceae) Erhaltung: mineralisiertes Nüsschen Maße: L 1,55; B 1,05 mm, n = 1 Abbildung: Taf. 4 (Foto-Nr. 291-17, Proben-Nr. 208: A:8) Das mineralisierte Feigennüsschen zeigt den typischen Umriß mit scharfen Seitenkanten und das für Ficus charakteristische eingesenkte, punktförmige Hilum. graveolens L.) oder sie weisen im Gegensatz zu Daucus carota L. eine Bestachelung der zwischen den Rückenrippen liegenden Zwischenräume auf wie es bei Torilis beobachtet werden kann. Die Wildpflanzen Apiaceae Apium graveolens L., Sellerie Erhaltung: verkohlte Teilfrüchte, fragmentarisch erhalten Maße: L 0,8; B 0,6 mm; n = 1 Abbildung: Taf. 5 (Foto-Nr. 264-31, Proben-Nr. 1153: A:4) Die verkohlte Teilfrucht der Sellerie war trotz des fragmentarischen Erhaltungszustandes an Hand ihrer Größe, der kugelig aufgewölbten Rückenpartie und der aufsitzenden Rückenrippen eindeutig bestimmbar. Von den fünf charakteristischen Rückenrippen waren noch vier, zum Teil fragmentarisch erhalten. Teilfrüchte anderer Apium-Arten (Apium nodiflorum (L.) Lag., Apium repens (Jacq.) Lag.) weisen deutlich größere Teilfrüchte auf. Conium maculatum L., Gefleckter Schierling Erhaltung: verkohlte Frucht, fragmentarisch erhalten Maße: L 2,0 (unvollständig); B 1,0; H 1,1 mm; n = 1 Die gewölbte Teilfrucht von eiförmigem Umriß ist im oberen, zum Griffelpolster spitz zulaufenden Bereich abgebrochen. Eine eindeutige Bestimmung gelingt jedoch durch das unverwechselbare Zellmuster aus zahlreichen parallelen Reihen kleiner, langrechteckiger Zellen, das durch Verkohlung besonders gut hervortritt. Typisch für Teilfrüchte von Conium maculatum L. ist ferner die schmal-längliche, tiefe Einbuchtung auf der Bauchseite, die teilweise erhalten ist. Ähnlich sind lediglich Früchte der Ackerröte Sherardia arvensis L. denen jedoch das auffällige Zellmuster fehlt. Daucus carota L., Wilde gelbe Rübe, Möhre Erhaltung: verkohlte Teilfrüchte Maße: L 1,7; B 1,1; H 0,3 mm; n = 1 Die charakteristischen Teilfrüchte sind leicht gewölbt und tragen vier markante Rücken rippen, die ursprünglich mit relativ groben Stacheln besetzt waren. Die Stacheln sind fragil und brechen bei verkohlten Früchten in der Regel ab, so dass höchstens Teile der Stachelansätze erhalten geblieben sind. Das obere Ende läuft spitz zu einem Griffelrest aus. Die zwischen den Rückenrippen liegenden Ölstriemen sind nicht mehr erkennbar. Andere kleine Apiaceen-Teilfrüchte besitzen eine stärke gewölbte Rückenpartie (z.B. Apium Torilis arvensis (Huds.) Link /T. japonica (Houtt.) DC. Acker-Klettenkerbel oder Gewöhnlicher Klettenkerbel Erhaltung: verkohlte Teilfrüchte Maße: L 1,6; B 0,7; H 0,55; n = 2 Abbildung: Taf. 5 (Foto-Nr. 261-14, Proben-Nr. 1074: B:1) Die verkohlten Teilfrüchte besitzen fünf erhabene Rückenleisten und ein typisches langgestrecktes Griffelpolster. Im Querschnitt sind sie rundlich mit abgeflachter, zum Teil eingesenkter Bauchseite. Die Teilfrüchte waren vermutlich noch nicht voll ausgereift, da sie ungewöhnlich klein sind. Der zwischen den Rückenrippen liegende dichte Besatz mit spitzen Stacheln war bei fast allen Exemplaren fast vollständig abgebrochen oder abgerieben. Die Torilis-Arten lassen sich aber vor allem an der unterschiedlichen Bestachelung unterscheiden. Beim Gewöhnlichen Klettenkerbel sind die meisten der spitzen Stacheln nach oben zum Griffelpolster hin ausgerichtet oder teilweise hakig geborgen. Im Gegensatz dazu stehen die Stacheln des AckerKlettenkerbels gerade und zeigen keine erkennbare Ausrichtung. Wenn die Bestachelung bei verkohlten Früchten nicht mehr erhalten ist, können die Funde nur als Doppelart bestimmt werden. Asteraceae Anthemis cotula L., Stinkende Hundskamille Erhaltung: verkohlte Frucht Maße: L 1,7; B 0,8; H 0,7 mm; n = 1 Abbildung: Taf. 5 Achäne (Foto-Nr. 272-34, ProbenNr. 289:A:2) Die kleine stäbchenförmige, annähernd vierkantige Achäne läuft zum unteren Ende verschmälert zu. Das Scheitelfeld trägt als Griffelrest ein kurzes Zäpfchen. Die in Längsrichtung verlaufenden zwölf Rippen der Frucht sind in regelmäßigen Abständen mit kleinen, auffälligen Warzen oder Papillen besetzt, durch die sich Früchte der Stinkenden Hundskamille gut von denen anderer Anthemis-Arten abtrennen lassen. Centaurea spec., Flockenblume Erhaltung: verkohlte Früchte Maße: L 2,3; B 0,9; H 0,6 mm; n = 1 Die im Querschnitt ovalen Früchte zeigen im unteren Viertel der Achäne den kleinen, auffällig eingebuchteten, seitlich sitzenden Nabel. Der obere Abschluß der Frucht weist einen erhabenen, schmalen Ring auf, in dessen Mitte sich ein rundliches Zäpfchen befindet. Die Mardorfer Funde gehören vermutlich zur Artengruppe der Wiesen-Flockenblume Centaurea jacea 398 agg. Achänen der Kornblume Centaurea cyanus L. besitzen einen erheblich größeren Nabelbereich; Früchte der Skabiosen-Flockenblume Centaurea scabiosa L. sind deutlich länger. Da weitere Arten der artenreichen und zum Teil hybridisierenden Gattung in Betracht kommen, wurden die Funde lediglich auf Gattungsniveau bestimmt. Cirsium spec. Mill., Kratzdistel Erhaltung: verkohlte Früchte Maße: L 2,0; B 0,8; H 0,8 mm; n = 1 Die Achänen sind rundlich-länglich und zum unteren Ende hin verschmälert. Das rundliche Scheitelfeld weist einen ringförmigen, scharf abgesetzen Rand auf; der ursprünglich aufsitzende Pappus ist bei verkohlten Früchten nicht erhalten. In der Mitte des Scheitelfeldes befindet sich ein kleines Zäpfchen. Form und Größe von Früchten der Kratzdistel variieren entsprechend ihrer Position im Blütenköpfchen, so dass Länge und Krümmung der Achänen sehr unterschiedlich ausfallen können. Vergleiche mit rezenten Früchten von Cirsium-Arten haben gezeigt, dass es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um Cirsium arvense (L.) Scop., die Acker-Kratzdistel, oder um Cirsium palustre (L.) Scop., die Sumpf-Kratzdistel, handelt. Früchte anderer Cirsium-Arten sind in der Regel breiter und länger. Leucanthemum vulgare agg., Margerite Erhaltung: Fragment einer verkohlten Frucht Maße: L 1,3 (fragmentarisch erhalten), B 0,4; H 0,4 mm; n = 1 Von der kleinen, unten verschmälerten Achäne ist nur die untere Hälfte vorhanden; der obere Teil mit dem auffälligen Zäpfchen fehlt. Die Seiten sind mit zehn deutlich hervortretenden Rippen besetzt. Auf eine stärker entwickelte Rippe folgt abwechselnd eine weniger prominent hervortretende Rippe. Das untere Fragment der verkohlten Achäne war sicher bestimmbar, weil die gleichmäßig verteilten Rückenrippen ausgezeichnet erhalten waren. Matricaria perforata Mérat, Geruchlose Kamille Erhaltung: verkohlte Samen Maße: L 1,3; B 0,4; H 0,3 mm; n= 1 Die verkohlten Achänen sind klein, länglich und werden zum unteren Ende hin schmaler. Zum Teil sind sie leicht gebogen. Im Querschnitt sind sie annähernd vierkantig; auf den Seitenkanten liegen leicht erhabene Leisten. Die Oberfläche der Früchte trägt ein Muster aus kräftigen parallel liegenden Querrunzeln. Das Scheitelfeld weist einen hochgezogenen Rand und ein kleines zentrales Zäpfchen auf. Dicht am oberen Rand der Achäne liegen zwei ovale Grübchen, bei denen es sich um Harzdrüsen handelt. Caryophyllaceae Myosoton aquaticum (L.) Moench, Wassermiere Erhaltung: verkohlte Samen Maße: L 0,6; B 0,6; H 0,4 mm; n = 1 Es handelt sich um kleine scheibenförmige, dicht mit kleinen Warzen besetzte Caryophyllaceen-Samen mit flachen oder wenig gewölbten Seitenflächen. Von den sehr ähnlichen Samen der Stellaria media (L.) Vill. agg. Unterscheiden sie sich durch das Fehlen von Mikrowarzen, die die Oberfläche der größeren Warzen überziehen und die nur bei 40-facher Vergrößerung sichtbar werden. Die ähnlichen Samen der verschiedenen Cerastium-Arten sind nicht kreisrund und deutlich kleiner. Korrodierte Samen, bei denen die Samenschale stark abgerieben war, wurden stets als Doppelart Myosoton aquaticum (L.) Moench/Stellaria media agg. bestimmt. Chenopodiaceae Atriplex patula L./Atriplex hastata L., Ruten-Melde/ Spieß-Melde Erhaltung: verkohlte Samen Maße: L 1,3; B 1,2; H 0,3 mm; n = 1 Die kleinen, schwarzglänzenden Samen weisen ein leicht hervorstehendes Würzelchen auf, das aus der sonst runden Form des Samens deutlich hervorsteht. Das charakteristische zelluläre Muster der Samenschale ist mehr oder weniger deutlich erkennbar, besonders im Bereich des Würzelchens. Die Gattung Atriplex L. ist ausgesprochen formenreich und läßt sich innerhalb der einzelnen Artengruppen in zahlreiche Kleinarten und Varietäten gliedern. Atriplex-Arten neigen auch zur Bildung von Hybriden (z.B. Atriplex patula x A. hastata). Die Bestimmung von AtriplexArten stößt schon bei kompletten Pflanzen auf Schwierigkeiten. Eine sichere Unterscheidung der Samen, die in Form und Größe auch innerhalb einer Art erheblich variieren können, stützt sich auf die bei verkohlten Funden nicht erhaltenen Brakteolen (Berggren 1981). Ruten- und Spießmelde sind die beiden im Untersuchungsgebiet häufigsten Arten, die Samen mit der beobachteten Größe und Oberflächenskulptur aufweisen. Samen der Glanz-Melde Atriplex nitens Schkuhr sowie der Langblättrigen Melde Atriplex oblongifolia Waldst. et Kit. sind ebenfalls nicht vollkommen auszuschließen. Es handelt sich jedoch um ursprünglich südosteuropäisch-pannonisch verbreitete Arten, die als sekundär eingebürgert gelten und außerhalb des Rheintales und der mitteldeutschen Trockengebiete nur sporadisch auftreten. Das heutige Verbreitungsgebiet der Langblättrigen Melde ist nahezu auf das Mainzer Trockengebiet beschränkt. Dagegen besitzt die GlanzMelde heutige Standorte im Lahntal bei Marburg (Häupler/Schönfelder 1988), so dass diese Art möglicherweise auch im Amöneburger Becken vorgekommen sein kann. 399 Cornaceae Cornus sanguinea L., Roter Hartriegel Erhaltung: verkohlter Steinkern, nur fragmentarisch erhalten Maße: L 4,0; B 3,0; n = 1 Die kugeligen Steinkerne mit unstrukturierter Oberfläche sind besonders im Querschnitt oder bei Fragmenten leicht anzusprechen, da die innere Höhlung durch eine massive Scheidewand in der Mitte in zwei Hälften gekammert ist. Das vorliegende Fragment ist verkohlungsbedingt stark deformiert, weist jedoch die für Steinkerne des Roten Hartriegels typische Kammerung auf. Cyperaceae Carex disticha Huds., Kamm-Segge Erhaltung: verkohlte Früchte Maße: L 1,45; B 0,8; H 0,2 mm; n = 2 Abbildung: Taf. 5 (Foto-Nr. 302-3, Proben-Nr. 208:B: y) Die verkohlten Früchte sind bikarpellat, klein, sehr flach und weisen parallel verlaufende bis leicht ausgebauchte Seitenkanten auf. Ihre Oberfläche weist ein auffälliges, dichtes Zellnetz aus kleinen isodiametrischen Zellen auf, das auch bei verkohlten Früchten in der Regel ausgezeichnet erhalten bleibt. Der Griffelansatz der verkohlten Früchte ist bei allen Exemplaren nur fragmentarisch erhalten. Von Früchten der ähnlichen Carex elongata L. unterscheiden sie sich durch das schlankere, gerundete untere Ende, das bei der Langährigen Segge deutlich breiter und abgeflachtkantig ausgebildet ist. Carex muricata agg., Stachel-Segge (Artengruppe) Erhaltung: verkohlte Früchte Maße: L 2,0; B 1,6; H 0,8 mm; n = 1 Abbildung: Taf. 5 (Foto-Nr. 262-11, Proben-Nr. 1152: A:4) Die verkohlten Früchte sind bikarpellat, trapezförmigflach und weisen ausgebauchte Seitenkanten auf, die im unteren Drittel der Frucht deutlich schulterartig einziehen. Die größte Breite der Früchte liegt stets im unteren Drittel; der aufsitzende Griffelrest ist meist abgebrochen. Die Oberfläche weist ein kleines, dichtes Zellnetz aus isodiametrischen Zellen auf, das auch bei verkohlten Früchten gut erhalten ist. Die einzelnen Arten der Artengruppe (Lockerährige Segge Carex divulsa Stokes, Dichtährige Segge C. spicata Huds., Sparrige Segge C. muricata Igel-Segge L., C. polyphylla Kar. et Kir.) lassen sich morphologisch an Hand der Früchte nicht trennen. Dipsacaceae Knautia arvensis (L.) Coult., Wiesen-Knautie Erhaltung: verkohlte Früchte Maße: L 3,5; B 1,5; H 1,0; n = 1 Abbildung: Taf. 5 Achäne (Foto-Nr. 281-10, ProbenNr. 208:B:y). Die Früchte sind abgeflacht-kantig und weisen eine bauchig gewölbte Rückenfläche auf. Im unteren Bereich sind die Seiten auffällig zusammengekniffen. Der obere Abschluß der Früchte ist rautenförmig-viereckig und weist einen prominenten, kurz gestielten Griffelrest auf. Form und Größe der Früchte variieren entsprechend ihrer Lage innerhalb des Blütenköpfchens. Von den Ächänen der ähnlichen WaldKnautie Knautia dipsacifolia s.l. Kreutzer können gut erhaltenen verkohlte Früchte an Hand des leicht papillösen isodiametrischen Zellmusters auf der Oberfläche abgetrennt werden, das bei Wald-Knautie fehlt. Euphorbiaceae Euphorbia helioscopia L., Sonnenwend-Wolfsmilch Erhaltung: verkohlte Samen Maße: L 2,0; B; 1,6; H 1,2 mm; n = 1 Abbildung: Taf. 5 Klause (Foto-Nr. 258-16, Proben-Nr. 777a:B:6). Die breit-eiförmigen Samen mit einem ausgezogenen Nabelbereich weisen auf ihrer Oberfläche ein grobmaschiges Netz erhabener Leisten auf, das nur das Nabelfeld mit dem kleinen, kreisförmigen Nabel ausspart. Die Rückenlinie wird durch einen deutlichen leistenartigen Kiel markiert. Fabaceae Medicago lupulina L., Hopfenklee Erhaltung: verkohlte Samen Maße: L 1,5; B 1,1; H 0,7 mm; n = 1 Der verkohlte Same ist flach-eiförmig und weist eine dicht anliegende Radicula auf, die etwa 2/3 seiner Länge erreicht. Ihre Spitze steht deutlich ab und bildet dadurch vor dem kreisrunden Nabel eine auffällige „Lippe“. Von anderen kleinen Fabaceen-Samen, beispielsweise denen der Gattung Klee Trifolium L. unterscheiden sich die Samen des Hopfenklees durch die stärker hervortretende, lippenartig vorragende Radicula. Melilotus spec. Mill., Steinklee Erhaltung: verkohlte Samen Maße: L 1,6; B 1,2; H 0,7 mm; n = 1 Abbildung: Taf. 7 (Foto-Nr. 302-14, Proben-Nr. 1152: A:3) Die Samen sind im Umriß schlank-oval mit gerundeten Seitenflächen. Die Radicula ist deutlich abgesetzt und erreicht etwa 2/3 der Gesamtlänge des Samens. Der deutliche kreisförmige Nabel liegt unmittelbar unterhalb der abstehenden Spitze des Würzelchens. Die Samen der verschiedenen Trifolium-Arten sind nicht so lang wie die von Melilotus; die des Hopfenklees Medicago lupulina L. sind an Hand ihrer anderen Form gut abzutrennen. Als Arten kommen der häufige Weiße Steinklee Melilotus alba Medik., der häufige Gebräuchliche Steinklee Melilotus officinalis Pall. und der selten auftretende Hohe Steinklee Melilotus altissima Thuill. in Betracht. Die geringen Unterschiede in 400 Länge, Form und Ausbildung des Würzelchens erlauben keine sichere Trennung der drei Arten. Trifolium campestre Schreb./T. dubium Sibth./Trifolium arvense L., Feld-Klee/Kleiner Klee/Hasen-Klee Erhaltung: verkohlte Samen Maße: L 0,9; B 0,4; H 0,3 mm; n = 1 Die kleinen, ovalen Samen der drei Kleearten sind nicht eindeutig zu trennen. Ihr Würzelchen ist lang, steht aber nur wenig hervor. Der Nabel ist klein und rundlich. Der Hasen-Klee besitzt die kleinsten Samen, deren Länge stets <1 mm ist.. Samen des Kleinen Klees und des Feld-Klees erreichen stets Längen von 1,0-1,2 mm. Liegt die Länge der Nachweise bei 1mm oder darüber, so wurde die Doppelart Trifolium campestre/ T. dubium bestimmt. Trifolium hybridum L./T. repens L., Schweden-Klee/ Weiß-Klee Erhaltung: verkohlte Samen Maße: L 1,0; B 0,8; H 0,4 mm; n = 1 Die herzförmigen Samen weisen eine lange Radicula auf, die etwa so lang wie der eigentliche Samen ist und deutlich absteht. Samen von Trifolium pratense L. sind deutlich länger und ihre Radicula ist kürzer. Trifolium medium L./T. pratense L., Mittlerer Klee/ Roter Wiesen-Klee Erhaltung: verkohlte Samen Maße: L 1,4; B 1,2; H 1,0 mm; n = 1 Die verkohlten Samen sind länglich-oval und weisen eine deutlich hervorstehende Keimwurzel auf, die länger als die Hälfte des Samens ist. Die herausstehende Radicula führt zu einem kommaförmigen Umriß. Die Samen von Trifolium repens L. sind etwas kleiner und haben eine längere Keimwurzel. Juncaceae Luzula campestris (L.) DC./L. multiflora (Retz.)Lej., Feld-Hainsimse/Vielblütige Hainsimse Erhaltung: verkohlte Samen Maße: L 0,6; B 0,4; H 0,4 mm; n = 1 Die Samen sind klein, rundlich-oval mit leicht gerundeten Schmalseiten und weisen auf ihrer Oberfläche ein charakteristisches Netzmuster isodiametrischer Zellen auf. Oben sitzt ein winziger Zapfen, der – wenn er abgebrochen ist – ein rundliches Loch hinterläßt. Lamiaceae Nepeta cf. cataria L., wohl gewöhnliche Katzenminze Erhaltung: verkohlte Früchte Maße: L 1,1; B 0,6; H 0,4; n = 1. Abbildung: Taf. 7 Klause (Foto-nr. 302-35, Proben-Nr. 1039a:A:2) Die breit-ovale Klause zeigt den für die Gattung Nepeta charakteristischen zweigeteilten, zusammengekniffenen Nabel, der den Eindruck zweier „Augen“ vermittelt. Die Rückenseite der Frucht ist glatt und leicht bauchig gerundet, besitzt aber keine dachförmige Kante wie sie die ähnliche, südosteuropäisch verbreitete Kahle Katzenminze Nepeta nuda L. aufweist. Da die für rezente Früchte der Kahlen Katzenminze typische warzig-höckerige Oberfläche bei verkohlten Funden abgerieben sein kann, wurde hier nur eine cf. Bestimmung vorgenommen. Der unterschiedliche Verbreitungsschwerpunkt beider Arten legt jedoch nahe, dass es sich bei dem Mardorfer Fund um Nepeta cataria, Gewöhnliche Katzenminze, handelt. Origanum vulgare L., Wilder Majoran Erhaltung: verkohlte Früchte Maße: L 0,7; B 0,4; H 0,4 mm; n = 1 Die Klausen des Wilden Majorans sind sehr klein, oval und im Bereich des Nabelfeldes deutlich zusammengekniffen und leicht zugespitzt. Die Oberfläche ist glatt. Von den anderen kleinfrüchtigen Lamiaceen-Samen der Gattungen Thymus, Mentha und Calamintha sind sie am besten an Hand des „zusammengekniffenen“ Nabelfeldes und der Oberfläche zu unterscheiden, das dort jeweils anders entwickelt ist. Papaveraceae Fumaria spec., Erdrauch Erhaltung: verkohlte Früchte Maße: keine, da nur Fragmente erhalten Die Früchte sind breit-kugelig und abgeflacht. Typisch ist im Bereich der Ansatzstelle die obere Öffnung in Form einer liegenden Acht. Bei den Funden von Mardorf 23 handelt es sich nur um Fragmente, auf denen jeweils die Hälfte dieser charakteristischen Öffnung bewahrt war. Da außer dem häufigen Gewöhnlichen Erdrauch Fumaria officinalis L. auch noch Fumaria vaillantii aus der Artengruppe des Kleinblütige Erdrauch Fumaria parviflora agg. in Betracht kommt, wurde nur eine Bestimmung auf Gattungsniveau getroffen. Beide in Betracht kommenden Arten sind jedoch Getreideunkräuter. Papaver dubium agg., Saat-Mohn Erhaltung: verkohlter Same Maße: L 0,6; B 0,5; H 0,2 mm; n = 1 Es handelt sich um kleine, nierenförmige Mohnsamen, die ein regelmäßig in gekrümmten Reihen angeordnetes Zellnetz aus achteckigen Zellen aufweisen. Die Zellen des Klatsch-Mohns Papaver rhoeas L. sind deutlich kleiner und länglicher. Samen des Schlaf-Mohns Papaver somniferum L. sind deutlich größer; die Netzmaschen ihres Zellnetzes liegen nicht in Reihen. Papaver dubium agg./P. rhoeas, Saat-Mohn/KlatschMohn Erhaltung: verkohlter Same Maße: L 0,6; B 0,4; H 0,3 mm; n = 1 Mohnsamen, die ein regelmäßig in Reihen angeordnetes Zellnetz mit achteckigen Zellen aufwiesen und 401 die deutlich kleiner als Samen des Schlaf-Mohns Papaver somniferum L. waren, wurden teilweise als Doppelart Papaver dubium agg./Papaver rhoeas L. bestimmt. In diesen Fällen war die Erhaltung so schlecht, dass eine sichere Trennung nicht mehr möglich erschien. Plantaginaceae Plantago major s.str., Großer Wegerich Erhaltung: verkohlte Samen Maße: L. 1,4; B 0,6; H 0,5 mm; n = 1 Die Samen sind im Umriß oval und tragen auf der Oberseite ein Muster aus gewellten, linienartigen feinen Leisten. Auf der Bauchseite des Samens laufen die gewellten Leisten zu der länglich-ovalen Nabelmarke mit zwei Näbeln strahlenförmig zusammen. Samen von Plantago major s.str. können an Hand ihrer größeren Länge von denen des Kleinen Wegerichs Plantago major ssp. intermedia unterschieden werden. Sie erreichen Längen zwischen 1,3 und 1,6 mm. Plantago major ssp. intermedia, Kleiner Wegerich Erhaltung: verkohlte Samen Maße: L 1,1; B 0,5; H 0,3 mm; n = 1 Die Samen der sind morphologisch gleich gestaltet wie diejenigen der ssp. major. Sie sind jedoch mit Längen von 1,0 bis 1,3 mm deutlich kleiner als Samen von Plantago major s. str. Poaceae Apera spica-venti (L.) P. Beauv., Gewöhnlicher Windhalm Erhaltung: verkohlte Früchte Maße: L 1,4; B 0,2 mm; H 0,2 mm; n = 1 Es handelt sich um kleine, unten zugespitzte längliche Grasfrüchte mit spitz hervorstehendem Embryo und kleinem, runden Hilum, das jedoch selten erkennbar ist. Die Spelzen mit aufsitzender Granne sind in der Regel nicht mehr erhalten. Die Bauchseite ist entweder charakteristisch rinnenförmig ausgebildet oder verkohlungsbedingt gerundet. Arrhenatherum elatius ssp. bulbosum (Willd.) Schübl. et Mart, Glatthafer Erhaltung: verkohlte Speicherbulbillen Maße: L 8,6; B 3,6; n = 1 Abbildung: Taf. 8 Speicherbulbillen (Foto-Nr. 281-28, Proben-Nr. 208:B:y) Es handelt sich um zwiebelartige, kantig verdickte Speicherbulbillen an der Basis eines Halmes einer einkeimblättrigen Pflanze, vermutlich eines Süßgrases (Poaceae). Die eigentliche Bulbille ist kantig verdickt, zeigt auf außen rippenartige Verdickungen, die von oben nach unten verlaufen, und weist oben einen Halmansatz auf. Unten befindet sich eine runde Abbruchnarbe, vermutlich der dort ansetzenden Hauptwurzel oder eines Rhizoms. Avena fatua L., Flug-Hafer Erhaltung: verkohlte Deckspelzenbasen Maße: nicht präzise zu ermitteln Zur sicheren Bestimmung wird die Ausbildung der Abbruchnarbe der Deckspelzenbasis herangezogen, die bei Avena fatua typisch hufeisenförmig entwickelt ist. Flughafer ist durch eine hufeisenförmige Abbruchnarbe der Deckspelzenbasis von anderen Hafern zu unterscheiden. Er kann nur an Hand der bespelzten Karyopsen oder von Deckspelzenbasen sicher bestimmt werden (vgl. Pasternak 1991). Die Deckspelze ist bei beiden Haferkörnern eines jeden Ährchens stets begrannt und meist rauher als beim Saat-Hafer. Nackte Karyopsen vom Hafer Avena spec. können nicht sicher einem Kulturhafer oder Avena fatua zugeordnet werden. Einzelne Haferdeckspelzen und bespelzte Körner, die im Mardorfer Fundmaterial auftraten, gehörten jedoch sämtlich zum Flug-Hafer. Es muß daher angenommen werden, dass auch die nackten Haferkörner vollständig oder ganz überwiegend Avena fatua L., Flughafer, repräsentieren. Avena spec., L. Hafer Erhaltung: verkohlte Körner und Grannenfragmente Abbildung: Taf. 3 (Foto-Nr. 260,20, Proben-Nr. 208: A:3) Haferkörner zeichnen sich durch eine gerundete oder abgeplattete Bauchseite und eine enge, nicht eingesenkte Bauchfurche aus. Der Embryo ist klein und wenig hervortretend. Nackte Haferkörner lassen sich nicht artgenau bestimmen, da die beiden kultivierten Haferarten Saat-Hafer Avena sativa L. und Sand-Hafer Avena nuda ssp. strigosa (Schreb.) Mansf. sowie das Ungras Flughafer Avena fatua L. nur an Hand der Deckspelzenbasen oder komplett bespelzter Körner sicher bestimmt werden können. Alle nackten Haferkaryopsen sind daher in den Fundlisten nur als Avena spec. aufgeführt. Gedrehte Grannenfragmente sind für die Gattung Avena und einige Wildgräser typisch. Hafergrannen sind jedoch deutlich dicker als die gedrehten Grannen der Wildgräser. Eine Unterscheidung der Grannen verschiedener Hafer ist ebenfalls nicht möglich. Bromus cf. arvensis L., wohl Acker-Trespe Erhaltung: verkohlte Früchte Maße: L 4,6; B 1,0; H 1,0 mm; n = 1 Früchte der Acker-Trespe sind relativ schmal. Die Bauchseite ist stark konkav eingezogen und im Bereich des Hilums in der Längsachse geknickt. Ihre Oberfläche weist am oberen Ende das wellige bogenförmige Muster aus langrechteckigen Zellen auf, das für Früchte der Gattung Bromus typisch ist. Im Vergleich zu den ähnlichen Früchten der Roggen-Trespe Bromus secalinus L. sind die Früchte der Ackertrespe aber schmaler und im Bereich des Embryos stärker zugespitzt. Da Form und Ausmaße der Trespenfrüchte auch innerhalb einer Art stark variieren und die Ab- 402 grenzung zu ähnlichen Arten im Einzelfall auf Probleme stoßen kann, erfolgt eine cf. Bestimmung. Bromus cf. secalinus L., Roggen-Trespe Erhaltung: verkohlte Früchte Maße: L 4,8; B 1,4; H 1,0 mm; n = 1 Roggentrespenfrüchte sind im Vergleich zu den Karyopsen anderer Trespenarten relativ breit und kurz. Embryo und Embryogrube sind klein. Die Bauchseite weist das typische Wellenmuster aus langrechteckigen, parallel verlaufenden Zellen auf. Eine sichere Abgrenzung zu den sehr ähnlichen, ebenfalls recht breiten Früchten weiterer Trespenarten (Bromus racemosus L., Bromus hordeaceus agg., Bromus commutatus Schrad., Bromus japonicus Thunb.) ist nicht möglich, so dass stets eine cf. Bestimmung vorgenommen wurde. Da von den beiden Arten nur die Roggentrespe ein typisches Wintergetreideunkraut ist, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Mardorfer Funde alle zur Roggentrespe Bromus secalinus L. gehören. Digitaria ischaemum (Schreb.) Muhl., Faden-Fingergras Erhaltung: verkohlte Früchte Maße: L 1,0; B 0,5; H 0,3 mm; n = 2 Abbildung: Taf. 6 Karyopse (Foto-Nr. 300-1, ProbenNr. 208:B:6) Die kleinen, länglich-ovalen Früchte sind 0,9-1,2 mm lang und weisen eine verhältnismäßig große, breitovale Keimlingsgrube auf, die etwa ein Drittel der Rückenlinie einnimmt. Körner des ähnlichen Blut-Fingergrases Digitaria sanguinalis (L.) Scop. sind mit 1,2-1,5 mm deutlich länger. Echinochloa crus-galli (L.) P. Beauv., Hühnerhirse Erhaltung: verkohlte Früchte; zum Teil mit anhaftenden Spelzenresten Maße: L 1,3; B 0,9; H 0,4 mm; n = 2 Die Körner sind im Umriß oval und besitzen eine flache Bauchseite. Die schmale, tief eingesenkte Keimlingsgrube mit parallel verlaufenden oder leicht nach innen gezogenen Seitenkanten nimmt etwa drei Viertel der Rückenlinie des Kornes ein. Das Hilum ist im Gegensatz zum Hilum der ähnlichen Körnern von Setaria viridis/verticillata stets rundlich. Anhaftende Spelzenreste zeigen kein Waffelmuster wie bei Setaria, sondern breite Zellreihen lang-rechteckiger Zellen. Festuca spec./Lolium spec., Schwingel oder Lolch Erhaltung: verkohlte Früchte Maße: L 2,3; B 0,9; H 0,5 mm; n = 1 Die verkohlten Grasfrüchte sind breit-abgeflacht und weisen eine breit-ovale Embryogrube mit einem spitz hervorragenden Embryo auf. Die Ventralseite ist in Querrichtung eingebogen. Da an den Karyopsen keine Spelzenreste mehr anhafteten, konnte zwischen Schwingelarten Festuca spec. und kleinfrüchtigen Lolch-Arten (Lolium perenne L., Lolium multiflorum Lam.) nicht sicher unterschieden werden. Glyceria maxima (Hartm.) Holmbg./Glyceria plicata Fr., Großes oder Gefaltetes Süßgras Erhaltung: verkohlte Früchte Maße: L 1,3; B 0,8; H 0,6 mm; n = 1 Verkohlte Früchte der beiden Glyceria-Arten lassen sich nicht voneinander trennen. Die Grasfrüchte sind abgerundet lang-oval. Sie weisen eine deutlich konvexe Bauchseite mit einem schmalen, strichförmigen Hilum innerhalb einer flachen Längsmulde auf. Die Keimlingsgrube ist breit-eiförmig ausgebildet. Die meisten anderen kleinen Poaceen-Früchte besitzen kein strichförmiges, sondern ein rundlich-ovales Hilum. Früchte anderer Glyceria-Arten sind deutlich größer. Die ähnlichen Früchte des Pfeifengrases Molinia caerulea (L.) Moench, die auch einen strichförmiges Hilum besitzen, sind schlanker und im Bereich des Embryo stärker zugespitzt. Phleum pratense s.l. L. Wiesen-Lieschgras Erhaltung: verkohlte Früchte Maße: L 1,2; B 0,4; H 0,5 mm; n = 1 Die Früchte sind klein, rundlich-oval bis tropfenförmig und weisen einen sehr kleinen rundlichen Embryo und auf der Bauchseite ein rundlich-ovales Hilum auf. Charakteristisch ist das gut kenntliche, erhabene Zellnetz der Fruchtwand, das auch bei verkohlten Früchten stets erhalten ist. Die Trennung von den ähnlichen Früchten des Einjährigen Rispengrases Poa annua L. ist durch die gerundetere Form und die konvex gewölbte, ungekielte Ventralseite gegeben. Eine Unterscheidung der verschiedenen Kleinarten ist bei unbespelzten, verkohlten Grasfrüchten nicht möglich. Poa annua L., Einjähriges Rispengras Erhaltung: verkohlte Früchte Maße: L 1,0; B 0,3; H 0,3 mm; n = 1 Die Früchte des Einjährigen Rispengrases sind klein, länglich und im Gegensatz zu Phleum pratense s.l. deutlich schlanker und zum Embryo hin zugespitzt. Die Bauchseite ist konvex gebogen und zum Teil kielartig kantig ausgebildet. Das Zellnetz der Fruchtwand besteht aus isodiametrisch bis lang-rechteckigen Zellen und bleibt auch bei verkohlten Exemplaren deutlich sichtbar. Von Früchten anderer Poa-Arten können die Früchte des Einjährigen Rispengrases durch ihre Größe, das deutlich ausgebildete Zellnetz und die konvexe Ventralseite leicht abgetrennt werden. Poa non annua, Rispengräser, nicht Einjähriges Rispengras Erhaltung: verkohlte Früchte Maße: L 1,25; B 0,3; H 0,4 mm; n = 2 Es handelt sich um sehr kleine, längliche Grasfrüchte mit spitzem, hervorstehendem Embryo, punktförmigem Hilum und ohne erhaltenes auffälliges Zellnetz. 403 Setaria verticillata (L.) P. Beauv./S. viridis (L.) P. Beauv., Quirlige oder Grüne Borstenhirse Erhaltung: verkohlte Früchte, zum Teil mit anhaftenden Spelzenresten Maße: L 1,55; B 0,75; H 0,45 mm; n = 2 Abbildung: Taf. 6 (Foto-Nr. 261-22, 261-27, 300-32, Proben-Nr. 1152:A:3, 208:B:y). Die länglichen Karyopsen dieser beiden Borstenhirsen zeichnet eine Keimlingsgrube aus, die etwa zwei Drittel der Rückenlinie des Korns einnimmt. Die Bauchseite der Körner ist flach. Das Hilum ist länglich-oval. Körner der ähnlichen Hühnerhirse Echinochloa crusgalli sind größer, rundlicher und breiter und weisen ein rundes Hilum auf. Die Körner der Kolbenhirse Setaria italica (L.) P. Beauv. sind größer, rundlicher und besitzen keine abgeflachte Bauchseite. Haften noch Spelzenreste an, so weist das waffelförmige Zellmuster von Deck- und Vorspelze auf die Zugehörigkeit zur Gattung Setaria hin. Auf Grund der Form der Körner konnte Setaria italica ausgeschlossen werden. Polygonaceae Polygonum hydropiper L./Polygonum mite Schrank, Wasserpfeffer/Milder Knöterich Erhaltung: verkohlte Früchte Maße: L 2,4; B 1,3; H 0,7 mm; n = 1 Die zugespitzten Früchte sind meist zweiseitig und weisen im Gegensatz zu den Früchten des AmpferKnöterichs Polygonum lapathifolium agg. und des Pfirsichblättrigen Knöterichs Polygonum persicaria L. eine deutlich gewölbte Dorsalseite mit gerundeter Rückenlinie auf. Beim Wasserpfeffer, der im Durchschnitt etwas größere Früchte besitzt, erscheint die Oberfläche unregelmäßig rauh-genarbt; beim Milden Knöterich ist sie dagegen in der Regel etwas glatter. Diese Merkmale erlauben jedoch bei verkohlten Funden keine sichere Trennung beider Knötericharten. Fragmente lassen sich gut an Hand der rauhen Fruchtwand von denen anderen Polygonum-Arten abtrennen. Polygonum minus Huds., Kleiner Knöterich Erhaltung: verkohlte Früchte Maße: L 1,4; B 1,0; H 0,8 mm; n = 1 Die kleinen, in der Regel zweiseitig-flachen und oben und unten zugespitzten Knöterich-Früchte besitzen eine glänzende Oberfläche. Sie gehören zu den kleinsten Früchten der Gattung. Nur in seltenen Fällen kommen dreiseitige Früchte vor. Die in der Form sehr ähnlichen Früchte des Pfirsichblättrigen Knöterichs Polygonum persicaria L. und des Ampfer-Knöterichs Polygonum lapathifolium L. erreichen in der Regel Längen >2 mm. Primulaceae Anagallis arvensis L., Acker-Gauchheil Erhaltung: verkohlte Samen Maße: L 0,9; B 0,9; H 0,4 mm; n=1 Samen des Acker-Gauchheils sind pyramidenartig zu- sammengekniffen, so dass auf der Oberseite drei scharfe, unregelmäßig verlaufende Kanten entstanden sind. Der Nabel liegt auf der „Spitze“. Die feine rauhe Netzstruktur auf der Außenseite der Samen ist im verkohlten Zustand nicht bewahrt. Samen der Gattung Lysimachia zeigen eine ähnliche Form, weisen aber eine warzige Oberfläche auf. Ranunculaceae Ranunculus sardous Crantz, Sardinischer Hahnenfuß Erhaltung: verkohlte Frucht Maße: L 1,4; B 1,3; H 0,3 mm; n = 1 Abbildung: Taf. 7 Nr. 1 Frucht (Foto-Nr. 265-00, Proben-Nr. 971:B:4a) Charakteristisch für die Nüsschen des Sardinischen Hahnenfuß sind ein peripherer Ring kleiner Warzen auf beiden Seiten und das isodiametrische, feine Zellnetz der Oberfläche. Anzahl und Abstände der Warzen können stark variieren. Der Rand der Früchte ist schmal. Die für den Sardinischen Hahnenfuß typischen Warzen fehlen bei Früchten anderer Hahnenfußarten. Der schnabelartige Fortsatz der Früchte ist beim Mardorfer Fund – wie bei nahezu allen verkohlten Ranunculus-Früchten – nicht erhalten geblieben. Rosaceae Aphanes arvensis L., Gewöhnlicher Acker-Frauenmantel Erhaltung: verkohlte Frucht Maße: L 1,1; B 0,65; H 0,2 mm; n = 1 Abbildung: Taf. 7 Nr. 2 Frucht (Foto-Nr. 301-2, Proben-Nr. 234b:N1:3-4) Die Früchte sind flachgedrückt, eiförmig-zugespitzt und weisen scharfe Seitenkanten sowie ein feines Zellmuster aus isodiametrischen Zellen auf. An der Basis befindet sich eine deutlich hervorstehende, stielartige Ansatzstelle, an der die Nüsschen stets gut von Alchemilla zu unterscheiden sind. Prunus padus L., Traubenkirsche Erhaltung: verkohlter Steinkern Maße: ca. L 6,1; B 5,5 mm; n = 1 (nur fragmentarisch erhalten) Der kleine, rundliche Steinkern mit Resten des verkohlten Fruchtfleisches ist nur fragmentarisch erhalten. Er ist innen hohl, rund und zeigt eine glatte Innenwand. Typisch für die Traubenkirsche, aber auch für die Schlehe, Prunus spinosa, ist das fest am Steinkern anhaftende Fruchtfleisch. Steinkerne der Vogel-/Süßkirsche Prunus avium L. sind meist größer und weniger rundlich; Steinkerne der Schlehe sind oval und tragen auf der Oberfläche markante Runzeln. Pyrus cf. pyraster Burgsd., Wild-Birnbaum Erhaltung: verkohlter Same, fragmentarisch erhalten Maße: L 6,0; B 2,6; H 0,5 mm; n = 1 Der in Fragmenten erhaltene Birnenkern ist gekrümmt und weist eine etwas einziehende und eine gebauchte 404 Längskante auf. Er besitzt seine größte Breite im unteren Viertel. Seine schmales Ende ist zu einer gerundeten Nase ausgezogen wie sie für Birnenkerne besonders typisch ist. Die Oberfläche zeigt eine feine Längsstreifung; das bei rezenten Birnenkernen deutlich sichtbare aufgelagerte Zellnetz aus isodiametrischen Zellen ist nur in einigen Partien des Kerns noch schwach sichtbar. Apfelkerne zeigen eine abweichende, mehr breit-ovale Form und eine deutlichere Längsstreifung des zellulären Musters. Die Samen des WildBirnbaums Pyrus pyraster Burgsd. und des GartenBirnbaums Pyrus communis L. sind samenmorphologisch nicht zu trennen. Da das Vorkommen des kultivierter Garten-Birnbaums in der Latènezeit unwahrscheinlich ist, wurde der Fund als Pyrus cf. pyraster, wohl Wild-Birnbaum in die Fundtabelle aufgenommen. Rosa spec., eine Rose Erhaltung: verkohlte Früchte Maße: L 4,0; B 2,3; H 2,0 mm; n = 1 Die verkohlten Nüsschen einer Rose weisen eine glatte oder unregelmäßig fein gerunzelte Oberfläche auf. Sie sind hohl, im Querschnitt unregelmäßig kantig und meist einseitig zugespitzt. Form, Größe und Ausbildung der Kanten der Rosa-Nüsschen variieren entsprechend ihrer Lage und Anordnung im Fruchtbecher der Hagebutte. Rubiaceae Galium cf. aparine L., wohl Kletten-Labkraut Maße: L 1,7; B 1,4; H 1,4 mm; n = 1 Die rundlich-ovalen Samen des Kletten-Labkrautes gehören zu den größten der Gattung Galium L. Die Bauchöffnung ist groß und tief; die Ränder sind nach innen eingezogen. Charakteristisch ist ein dichtes Zellnetz aus parallel verlaufenden Reihen aus langrechteckigen Zellen, das meist auf der Dorsalseite am besten erhalten ist. Die etwa gleich großen Samen des Dreihörnigen Labkrautes Galium tricornutum Dandy weisen dagegen ein andersartiges Zellnetz aus mehr oder weniger isodiametrisch bis unregelmäßig quadratischen Zellen auf. Da einzelne Funde von verkohlten, großen Galium-Samen ein zelluläres Muster aufweisen, das Übergänge zwischen schmalen-langrechteckigen und isodiametrischen Zellen zeigt und bei dem deshalb die Zuordnung zum Kletten-Labkraut nicht ganz sicher ist, werden die Funde in den Tabellen stets als Galium cf. aparine aufgelistet. Wiesen-Labkraut/Echtes Labkraut, Galium mollugo agg. L. /G. verum L. (Rubiaceae) Erhaltung: verkohlte Samen Maße: L 0,9; B 0,5; H 0,4 mm; n = 1 Die Samen sind sehr klein (<1,5 mm) und von walziglänglicher Form. Die Dorsalseite ist auf Grund der Rückenrippen unregelmäßig faltig und zeigt zwei flache Längsfurchen, die drei breite, leicht gewölbte Rücken- wülste voneinander trennen. Die Grubenöffnung auf der Bauchseite ist länglich und weist einen unregelmäßigen Rand auf. Form, Größe und Dreiteilung der Rückenpartie lassen jedoch eine Zuweisung entweder zum Wiesen-Labkraut Galium mollugo L. oder zum Echten Labkraut Galium verum L. zu. Galium palustre agg., Sumpf-Labkraut (Rubiaceae) Erhaltung: verkohlte Samen Maße: L 1,0; B 1,0; H 1,0 mm; n = 1 Die Oberfläche der kleinen, ovalen bis kugeligen Samen trägt ein isodiametrisches Zellnetz auf der Oberfläche. Die für die Rubiaceen-Samen typische Bauchöffnung besitzt die Form einer liegenden Acht. Von den ähnlichen Samen des Anis-Labkrautes Galium verrucosum Huds. können die Samen des Sumpf-Labkrautes durch ihre geringere Größe (<2 mm) und die im Verhältnis zum Umfang größere Bauchöffnung unterschieden werden. Scrophulariaceae Veronica opaca Fr./V. polita Fr., Glanzloser oder Glänzender Ehrenpreis (Scrophulariaceae) Erhaltung: verkohlte Samen Maße: L 1,1; B 0,9; H 0,6 mm; n = 2 Abbildung: Taf. 7 Nr. 4-5 Same (Foto-Nr. 302-21, 30227, Proben-Nr. 208:B:y) Die Samen sind schüssel- oder napfförmig. Im Inneren der ovalen Aushöhlung liegt der kleine, kaum kenntliche Nabel. Auf der Oberseite weisen die Samen ein Muster aus gewellten, kräftigen, unregelmäßigen Runzeln auf. Beide Arten unterscheiden sich nur geringfügig in ihrer Form und der Aushöhlung der Ventralseite, so dass eine eindeutige Bestimmung verkohlter, möglicherweise verformter Samen nicht möglich ist. Solanaceae Hyoscyamus niger L., Schwarzes Bilsenkraut (Solanaceae) Erhaltung: verkohlte Samen Maße: L 1,1; B 1,1; H 0,3 mm; n = 1 Abbildung: Taf. 7 Nr. 3 Same (Foto-Nr. 262-12, Proben-Nr. 971:B:4a) Bilsenkrautsamen sind flach, eiförmig-rundlich bis nierenförmig und an dem groben, typischen unregelmäßigen Solanaceen-Zellmuster, das als erhabenes Netz vorspringender Leisten mit dazwischen liegenden Grübchen ausgebildet ist, leicht zu erkennen. Solanum nigrum L., Schwarzer Nachtschatten (Solanaceae) Erhaltung: verkohlte Samen Maße: L 1,4; B 1,0; H 1,0 mm; n = 1 Der flache, länglich-ovale, meist einseitig verschmälerte Samen zeigt das typische Zellmuster der Solanaceen mit einer regelmäßigen Anordnung von Zellen, deren Zellwände einen welligen Verlauf aufweisen. Von den Samen anderer Arten der Gattung Solanum L. 405 ist er durch seine geringe Größe, seine längliche Form und das verhältnismäßig feine Zellmuster abzutrennen. Die ähnlichen Samen des Bittersüßen Nachtschattens Solanum dulcamara L. und der Gewöhnliche Judenkirsche Physalis alkekengi L. sind rundlich, größer und weisen ein anderes Zellnetz auf. Sparganiaceae Sparganium cf. erectum s.l., wohl Ästiger Igelkolben (Sparganiaceae) Erhaltung: verkohlter Steinkern Maße: L 2,4; B 1,4; H 1,2 mm; n = 1 Abbildung: Taf. 7 Nr. 7 Steinkern (Foto-Nr. 273-2, Proben-Nr. 888e1:C:12) Der verkohlte Steinkern ist birnenförmig und besitzt 6 unregelmäßig verteilte, scharfe Längskanten. Das stark verholzte Perikarp erleichtert die verkohlte Erhaltung. Steinkerne des Einfachen Igelkolbens Sparganium emersum Rehm. besitzen im Gegensatz zum Ästigen Igelkolben keine scharfen, sondern nur undeutliche Längskanten. Eine eindeutige Zuordnung zu einer der zahlreichen Kleinarten dieser Artengruppe ist nicht möglich, da Form und Maße der Früchte äußerst variabel sind. Rezente Steinkerne sind mit Maßen von ca. 5,0 x 3,2 mm deutlich größer; jedoch zeigen Verkohlungsversuche, dass diese beim Verkohlen schrumpfen. Valerianaceae Valerianella dentata (L.) Pollich, Gezähnter Feldsalat (Valerianaceae) Erhaltung: verkohlte Früchte Maße: L 1,3; B 0,7; H 0,6 mm; n = 1 Die eiförmig-zugespitzten Früchte zeigen auf der Bauchseite ein von einer hufeisenförmigen Leiste umrandetes Mittelfeld. Die andere Seite zeigt eine in Längsrichtung verlaufende feine Mittelrippe. Die Oberfläche ist unregelmäßig und durch ein auffälliges Zellmuster aus isodiametrischen Zellen gekennzeichnet, das besonders deutlich in dem von einer Leiste umrandeten Mittelfeld sichtbar ist. Die feinen, hakenartig gekrümmten Stacheln rezenter Früchte brechen leicht ab und sind deshalb bei verkohlten Früchten nicht mehr erhalten. Früchte anderer Feldsalat-Arten sind anders gestaltet. Die Fruchtkörper können je nach Entwicklungsstadium sehr unterschiedliche Längen und Dicken aufweisen. Sie sind länglich, manchmal gekrümmt und weisen unregelmäßige abgerundete Längskanten auf. 13. Abkürzungsverzeichnis In Text, Katalog und den Abbildungen und Tabellen werden folgende Abkürzungen verwandt: agg. = aggregatio, Sammelart Arch = archäologische Funde A/Z = Ast- oder Zweigholz BGF = Brei/Gebäck/Fruchtfleisch Blü = Blüte Blüst = Blütenstand camp./dub./arv. = campestre/dubium/arvense cf. = confere, unsichere Bestimmung DSB = Deckspelzenbasen dur./turg./dicoccum = durum/turgidum/dicoccum EZ-G = eisenzeitlich-germanisch EZ-K = eisenzeitlich-keltisch Fisch = Fischreste (Wirbel, Gräten, Schuppen) GrKo = Grubenkomplex Gr = Grube Grha = Grubenhaus GrIn = Grube in Grubenkomplex Hano = Halmnodien HSB = Hüllspelzenbasen indet. = indeterminata, unbestimmt i. w. S. = im weiteren Sinne Insek = Insektenreste Kapz = Kapselzähne Knoz = Knochen und Zähne Kopr = Koprolithen kult. = kultiviert l = Liter La A/B = Frühlatènezeit La C/D = Mittel- und Spätlatènezeit La D = Spätlatènezeit La2/3 = Übergang Mittel- und Spätlatènezeit La3 = Spätlatènezeit n = numero, Anzahl mi(n) = mineralisiert MIN = mineralische Schlämmfraktion Öko_u = Ökologische Gruppe unsicher ORG = organische Schlämmfraktion Pfo = Pfostengrube Pi = Pilz (Fruchtkörper) RKZ = Römische Kaiserzeit RKZ1 = kaiserzeitliche Befunde des 1. Jh. AD RKZ2 = kaiserzeitliche Befunde des 2. Jh. n. Chr. RKZ1v/1-G = germanische Befunde augusteischer Zeitstellung RTyp = Resttyp Weitere botanische Funde Ascomycetidae Claviceps cf. purpurea (Ascomycetidae), Mutterkorn Erhaltung: verkohlte Fruchtkörper Maße: 6,3; B 2,1; H 1,8 mm; n = 1. Abbildung: Taf. 8 Nr. 2-3 Fruchtkörper (Foto-Nr. 27317, 273-22, Proben-Nr. 1074:B:1.). Es handelt sich um verkohlte Fruchtkörper eines auf verschiedenen Getreiden, besonders auf Roggen, parasitierenden, giftigen Schlauchpilzes (Ascomycetidae). 406 sf. = subfossil s.l. = sensu latu, im weiteren Sinne Sgew = Summe Gewicht Sho = Stammholz So = Sonstiges SPfl = Summe Pflanzenreste Spi = Spindelglieder ssp. = Subspezies Stck. = Stück Veget = vegetative Reste vk = verkohlt Zust = Zustand Zwi = Zwiebeln Maßangaben: B = Breite H = Höhe L = Länge 407 Anhang Tabelle 1: Mardorf 23, Kr. Marburg-Biedenkopf. Übersicht über die archäobotanisch untersuchten Befunde der verschiedenen Siedlungsphasen, ihre Datierung und das untersuchte Probenvolumen je Befund (vgl. Abkürzungsverzeichnis). eisenzeitlich-keltische Befunde (EZ-K) Befund 208 549a 188 189 192 193 194 196 197 199 223 225 227 234/235 234b 234e 253 268b 341 344 462 485 492d 567 567a 567b 856 862 888e1 971 976 1019 1020 1074 1095 1111 1152 1153 gesamt Befundtyp Grube Grube in GK Pfostengrube Pfostengrube Pfostengrube Pfostengrube Pfostengrube Pfostengrube Pfostengrube Pfostengrube Pfostengrube Pfostengrube Pfostengrube Grube in GK Grube in GK Grube in GK Grube Grube in GK Pfostengrube Grube Grube Grubenkomplex Grube in GK Grube Grube in GK Grube in GK Pfostengrube Grube Grube in GK Grube Grube Grube Grube Grube Grube Grube Grube Grube 38 Befunde Archäologische Datierung La2 La2 La2/3 La2/3 La2/3 La2/3 La2/3 La2/3 La2/3 La2/3 La2/3 La2/3 La2/3 La2/3 La2/3 La2/3 La2/3 La2/3 La2/3 La2/3 La2/3 La2/3 La2/3 La2/3 La2/3 La2/3 La2/3 La2/3 La2/3 La2/3 La2/3 La2/3 La2/3 La2/3 La2/3 La2/3 La2/3 La2/3 Anzahl Proben 18 13 1 1 1 1 1 1 2 2 1 1 1 6 2 1 2 1 1 15 3 2 1 2 1 3 2 13 13 8 8 11 7 1 4 8 8 9 176 Proben Probenvolumen (l) 164 142 5 4 4 7 5 10 17 16 5 5 14 97 22 10 9 10 5 320 30 22 10 27 7 38 2 118 79 94 85,5 157,5 51,25 9 32 72,7 54,8 71,5 1.832,25 408 Befunde der Übergangsphase (EZ-G und RKZ1v/1) Befund 201 212 213 214 243 300 472 1044h 170 241a 492c 800 1154a 1154b 1154g gesamt Befundtyp Grubenhaus Pfostengrube Pfostengrube Pfostengrube Grube Grube Grube Grube in GK Grubenkomplex Grube in GK Grube in GK Grube Grubenhaus Grube Grube 15 Befunde Archäologische Datierung EZ-G EZ-G EZ-G EZ-G EZ-G EZ-G EZ-G EZ-G RKZ1v/1 RKZ1v/1 RKZ1v/1 RKZ1v/1 RKZ1v/1 RKZ1v/1 RKZ1v/1 Anzahl Proben 27 2 1 1 8 2 5 4 6 1 1 10 8 2 1 79 Proben Probenvolumen (l) 469 12 10 7 88,5 12,5 44 33 72,5 10 11 159 77 13 4 1.022,5 kaiserzeitlich-germanische Befunde (RKZ, RKZ1, RKZ2) Befund 231 616 1 2a 3 3b 16 140 142 143 144 145 170a Befundtyp Grube Grube Grubenhaus Grube in GK Grubenhaus Pfostengrube Grube Grube Pfostengrube Pfostengrube Pfostengrube Pfostengrube Grube in GK Archäologische Datierung RKZ1 RKZ1 RKZ2 RKZ2 RKZ2 RKZ2 RKZ2 RKZ2 RKZ2 RKZ2 RKZ2 RKZ2 RKZ2 Anzahl Proben 20 7 2 4 11 3 2 37 3 2 3 2 13 Probenvolumen (l) 196,5 86 43 51 239 26 18 494,5 15,5 6 15,3 9 138,5 409 kaiserzeitlich-germanische Befunde (RKZ, RKZ1, RKZ2) Fortsetzung Befund 200 241 289 289a 312 492a 497a 580b 580d 623 673 700 769b 770 777a 928 954 1039a 1138 170h 173 230e 240 268a 771 1050 gesamt Befundtyp Grubenhaus Grubenkomplex Grubenkomplex Grube in GK Grube Grube in GK Grube in GK Grube in GK Grube in GK Grube Grube Grube Grube in GK Grube Grube in GK Grube Grube Grube Grube Grube in GK Grube Grube in GK Grube Grube in GK Grube Grube 39 Befunde Archäologische Datierung RKZ2 RKZ2 RKZ2 RKZ2 RKZ2 RKZ2 RKZ2 RKZ2 RKZ2 RKZ2 RKZ2 RKZ2 RKZ2 RKZ2 RKZ2 RKZ2 RKZ2 RKZ2 RKZ2 RKZ RKZ RKZ RKZ RKZ RKZ RKZ Anzahl Proben 1 22 17 1 7 4 9 1 2 8 6 21 2 7 9 8 16 4 17 4 6 2 4 2 5 8 302 Proben Probenvolumen (l) 16 455,5 327,25 1,5 115 50 105 10 27 81 72 324 17 49 77 50 148 33 136,8 34 73 28 29 20 49 56,5 3.722,85 410 Tabelle 2: Mardorf 23, Kr. Marburg-Biedenkopf. Radiokarbondatierungen des Leibniz-Labors für Altersbestimmung und Isotopenforschung der Universität Kiel an verkohlten pflanzlichen Makroresten (Samen und Früchte) aus verschiedenen Grubenbefunden und einer Pfostengrube. Oben: konventionelle 14C-Datierungen, unten: AMS-14C-Datierungen (vgl. Abkürzungsverzeichnis). Befund-Nr. 971:A:4 976:A:3 1074:B:1 Befundtyp Grube Grube Grube Labor-Nr. Ki-4999 Ki-5000 Ki-5001 Datiertes Material Gerste Gerste Gerste 14 C-Alter 35 35 30 C ‰ PDB -25,36 -25,01 -25,03 13 Kalenderalter/ ± 1,65 365 BC – 115 BC 405 BC – 205 BC 385 BC – 195 BC 2170 2280 2210 Befund-Nr. 208:A:8 1152:A:3 1153:A:4 201:B:1 623:D:3 227:B:1 Befundtyp Grube Grube Grube Grubenhaus Grube Pfostengrube Labor-Nr. KIA-18409 KIA-18406 KIA-18408 KIA-18405 KIA-18407 KIA-16751 Datiertes Material Nacktweizen Gerste, Erbse Gerste Gerste Echte Hirse Cerealia, Prunus -Stck. 14 C-Alter 33 27 33 26 25 25 C ‰ PDB -22.50 -21,09 -23,56 -23.36 -9,9 -23,49 13 Kalenderalter/ ± 1,65 516 BC – 401 BC 387 BC – 203 BC 408 BC – 213 BC 408 BC – 261 BC 31 AD – 212 AD 2009 BC – 1778 BC 2359 2236 2309 2325 1898 3561 411 Tabelle 3: Mardorf 23 AK85. Artenliste und Summe pflanzlicher Funde je Siedlungsphase geordnet nach Ökologischen Gruppen. Die Siedlungsphasen entspechen folgenden Phasen nach Michael Meyer: EZ-K = Phasen 1-3, Übergangsphase = Phasen 4-6, EZ-G = Phasen 6-8 (vgl. Abkürzungsverzeichnis). Siedlungsphasen Archäologische Datierung Phasen M. Meyer Anzahl Befunde Anzahl Proben Probenvolumen (l) RTyp Zust eisenzeitlichkeltisch La2, La2/3 1-3 38 176 1.832,25 Übergangsphase EZ-G, RKZ1v/1 4-6 15 79 1.022,5 kaiserzeitlichgermanisch RKZ, RKZ1, RKZ2 6-8 39 302 3.722,85 Deutscher Name Botanischer Name 1 Ufer-/Auenvegetation Carex disticha Carex cf. disticha Carex cf. hirta Eleocharis palustris agg. Eleocharis palustris agg. cf. Eleocharis palustris agg. cf. Eleocharis palustris agg. Galium palustre Galium cf. palustre Glyceria maxima/plicata cf. Glyceria maxima/plicata Myosoton aquaticum Plantago major ssp. intermedia Polygonum lapathifolium agg. Polygonum lapathifolium agg. Polygonum minus Polygonum hydropiper/mite Ranunculus sardous Rumex crispus/obtusifolius Sparganium cf. erectum s.l. 2 Grünlandartige Vegetation Arrhenatherum elatius Carex muricata agg. Carex cf. muricata agg. Centaurea spec. Cerastium cf. arvense Festuca/Lolium cf. Fragaria cf. vesca Galium mollugo/verum Juncus spec. Knautia arvensis Leucanthemum vulgare agg. Luzula campestris/multiflora Medicago lupulina Origanum vulgare Phleum pratense s.l. Phleum pratense s.l. cf. Phleum pratense s.l. Plantago lanceolata Plantago major s. str. Poa annua Poa spec. non annua Poa spec. non annua Poaceae Bromus/Festuca -Typ Polygonum aviculare agg. Polygonum aviculare agg. Polygonum cf. aviculare agg. cf. Polygonum aviculare agg. Prunella cf. vulgaris Prunella cf. vulgaris cf. Prunella cf. vulgaris Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr vk vk vk vk mi vk mi vk vk vk vk vk vk vk mi vk vk vk vk vk 15 4 396 43 1 18 9 2 32 4 66 2 384 2 1 1 1 56 1 2 9 2 1 11 2 2 1 34 3 247 3 4 92 1 11 Kamm-Segge Kamm-Segge Rauhe Segge Gewöhnliche Sumpfbinse Gewöhnliche Sumpfbinse Gewöhnliche Sumpfbinse Gewöhnliche Sumpfbinse Sumpf-Labkraut Sumpf-Labkraut Großes -/ Gefaltetes Süßgras Großes -/ Gefaltetes Süßgras Wassermiere Kleiner Wegerich Ampfer-Knöterich Ampfer-Knöterich Kleiner Knöterich Wasserpfeffer/Milder Knöterich Sardinischer Hahnenfuß Krauser/Stumpfblättriger Ampfer Ästiger Igelkolben boPf Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk mi vk vk vk vk vk mi vk vk mi vk vk vk mi vk 4 11 4 14 1 17 2 1 13 5 1 2 5 8254 3 1 3 75 99 1 6 181 1 3 1 132 2 1 122 2 1 5 194 1 1 1 8 8 9 7 31 1 2 1 1 Glatthafer Stachel-Segge Stachel-Segge Flockenblume Acker-Hornkraut Schwingel/Lolch Wald-Erdbeere Wiesen-/Echtes Labkraut Binse Wiesen-Knautie Margerite Feld-/Vielblütige Hainsimse Hopfenklee Wilder Majoran Wiesen-Lieschgras Wiesen-Lieschgras Wiesen-Lieschgras Spitz-Wegerich Großer Wegerich Einjähriges Rispengras Rispengras außer einjähriges R. Rispengras außer einjähriges R. Süßgräser Trespe-/Schwingel-Typ Vogel-Knöterich Vogel-Knöterich Vogel-Knöterich Vogel-Knöterich Kleine Brunelle Kleine Brunelle Kleine Brunelle 412 Siedlungsphasen Archäologische Datierung Phasen M. Meyer Anzahl Befunde Anzahl Proben Probenvolumen (l) RTyp Zust eisenzeitlichkeltisch La2, La2/3 1-3 38 176 1.832,25 Übergangsphase EZ-G, RKZ1v/1 4-6 15 79 1.022,5 kaiserzeitlichgermanisch RKZ, RKZ1, RKZ2 6-8 39 302 3.722,85 Deutscher Name Botanischer Name Grünlandartige Vegetation (Fortsetzung) Ranunculus acris Sa/Fr Rumex acetosella agg. Sa/Fr Rumex acetosella agg. Sa/Fr Stellaria graminea Sa/Fr Trifolium campestre/dubium Sa/Fr Trifolium hybridum/repens Sa/Fr Trifolium cf. hybridum/repens Sa/Fr Trifolium medium/pratense Sa/Fr Trifolium camp./dub./arv. Sa/Fr cf. Trifolium camp./dub./arv. Sa/Fr Trifolium spec. Sa/Fr Trifolium spec. Sa/Fr Veronica austriaca/chamaedrys Sa/Fr 3 Ruderalfluren Bromus sterilis/tectorum Chenopodium cf. glaucum Conium maculatum Daucus carota cf. Daucus carota Galium cf. aparine Hyoscyamus niger Lapsana communis cf. Lapsana communis Melilotus spec. cf. Melilotus spec. Nepeta cf. cataria Urtica dioica cf. Urtica dioica vk vk mi vk vk vk vk vk vk mi vk mi vk 74 19 16 10 46 1937 1 2 1 8 32 1 45 3 8 3 2 1 4 99 1 Scharfer Hahnenfuß Gewöhnlicher Kleiner Sauerampfer Gewöhnlicher Kleiner Sauerampfer Gras-Sternmiere Kleiner Klee/Feld-Klee Schweden-Klee/Weiss-Klee Schweden-Klee/Weiss-Klee Mittlerer/Roter Wiesen-Klee Feld-/Kleiner/Hasen-Klee Feld-/Kleiner/Hasen-Klee Klee Klee Österreich./Gamander-Ehrenpreis Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk 1 1 54 5 175 256 1 2 1 8 1 4 1 1 1 3 1 1 3 24 3 3 1 9 Taube /Dach-Trespe Graugrüner Gänsefuß Gefleckter Schierling Wilde Gelbe Rübe Wilde Gelbe Rübe Kletten-Labkraut Schwarzes Bilsenkraut Rainkohl Rainkohl Steinklee Steinklee Gewöhnliche Katzenminze Große Brennessel Große Brennessel 4 Ruderal-/Segetalvegetation undifferenziert Atriplex patula/hastata Sa/Fr vk Atriplex/Chenopodium Sa/Fr vk Atriplex/Chenopodium Sa/Fr mi Brassica nigra Sa/Fr vk Brassica cf. nigra Sa/Fr vk cf. Brassica nigra Sa/Fr vk Sa/Fr vk Chenopodium album Chenopodium album Sa/Fr mi Chenopodium hybridum Sa/Fr vk Chenopodium spec. Sa/Fr vk Chenopodium spec. Sa/Fr mi Echinochloa crus-galli Sa/Fr vk Echinochloa crus-galli Sa/Fr mi Galeopsis bifida/tetrahit Sa/Fr vk Galeopsis spec. Sa/Fr vk Malva spec. Sa/Fr vk Matricaria perforata Sa/Fr vk Silene cf. alba Sa/Fr vk Solanum nigrum Sa/Fr vk Urtica urens Sa/Fr vk Urtica urens Sa/Fr mi cf. Urtica urens Sa/Fr vk 101 5 4 1 2 4 1229 15 1 53 13 82 1 32 2 2 18 1 22 1 587 1 12 11 2 2 2 1 432 27 2 62 4 1 4 7 3 2 Ruten-/Spieß-Melde Melde/Gänsefuß Melde/Gänsefuß Schwarzer Senf Schwarzer Senf Schwarzer Senf Weißer Gänsefuß Weißer Gänsefuß Unechter Gänsefuß Gänsefuß Gänsefuß Hühnerhirse Hühnerhirse Kleinblüt./Gewöhnl. Hohlzahn Hohlzahn Malve Geruchlose Kamille Weiße Lichtnelke Schwarzer Nachtschatten Kleine Brennessel Kleine Brennessel Kleine Brennessel 413 Siedlungsphasen Archäologische Datierung Phasen M. Meyer Anzahl Befunde Anzahl Proben Probenvolumen (l) RTyp Zust eisenzeitlichkeltisch La2, La2/3 1-3 38 176 1.832,25 Übergangsphase EZ-G, RKZ1v/1 4-6 15 79 1.022,5 kaiserzeitlichgermanisch RKZ, RKZ1, RKZ2 6-8 39 302 3.722,85 Deutscher Name Botanischer Name 5 Kulturpflanzen Hordeum vulgare 4-zeilig Hordeum distichon/vulgare Hordeum distichon/vulgare Hordeum distichon/vulgare Hordeum distichon/vulg. Spelzgerste Panicum miliaceum cf. Panicum miliaceum Secale cereale cf. Secale cereale Setaria italica Setaria cf. italica Triticum dicoccum Triticum dicoccum Triticum dicoccum Triticum cf. dicoccum Triticum monococcum Triticum monococcum Triticum cf. monococcum Triticum spelta Triticum spelta Triticum spelta Triticum cf. spelta Triticum dicoccum/spelta Triticum dicoccum/spelta Triticum dicoccum/spelta Triticum monococcum/dicoccum Triticum monococcum/dicoccum Triticum monococcum/dicoccum Triticum aestivum s.l./dur./turg. Triticum aestivum s.l./dur./turg. Triticum cf. aestivum s.l./dur./turg. Triticum aest. s.l./dur./turg./dicoccum Triticum aest. s.l./dur./turg./spelta Triticum spec., Spelzweizen Triticum spec., Spelzweizen Triticum spec. Cerealia Cerealia Cerealia Cerealia Lens culinaris cf. Lens culinaris Pisum sativum cf. Pisum sativum Fabaceae (kult.) Camelina sativa Camelina sativa cf. Camelina sativa Linum usitatissimum cf. Linum usitatissimum Papaver somniferum Spi Sa/Fr DSB Spi Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr HSB Spi Sa/Fr Sa/Fr HSB Sa/Fr Sa/Fr HSB Spi Sa/Fr Sa/Fr HSB Spi HSB Gr Gr Sa/Fr Spi Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr HSB Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Hano Spi Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk mi vk vk vk vk vk vk vk vk vk mi vk vk vk vk vk vk vk vk mi vk vk vk vk 2 27566 23 6 2637 355 3 2 4 12 1 925 225 4 2 5 23 2 775 952 3 11 2375 5016 4 5 304 464 3 10 529 6 2 1 2 42 61 89 1 22 57 3 2 27 1 9 2 61 181 3 7 124 1 24 198 1 973 2 22 43 3 5 1568 14341 26 2 82 3 52 2 54 230 4 10 166 1 15 4 1 35 23 933 18 23 1432 1 5 3 7 11 29 1 7 4 6 30 46 2 7 12 2 Gerste, 4-zeilig, nack.o.besp. Kulturgerste, 2-o.mehrz., nack.o.besp. Kulturgerste, 2-o.mehrz., nack.o.besp. Kulturgerste, 2-o.mehrz., nack.o.besp. Spelzgerste, 2- oder mehrzeilig Echte Hirse Echte Hirse Roggen Roggen Kolbenhirse Kolbenhirse Emmer Emmer Emmer Emmer Einkorn Einkorn Einkorn Dinkel Dinkel Dinkel Dinkel Emmer/Dinkel Emmer/Dinkel Emmer/Dinkel Einkorn/Emmer Einkorn/Emmer Einkorn/Emmer Nacktweizen Nacktweizen Nacktweizen Nacktweizen/Emmer Nacktweizen/Dinkel Spelzweizen Spelzweizen Weizen undifferenziert Getreide Getreide Getreide Getreide Linse Linse Erbse Erbse Hülsenfrüchte Saat-Leindotter Saat-Leindotter Saat-Leindotter Gebauter Lein, Flachs Gebauter Lein, Flachs Schlaf-Mohn 414 Siedlungsphasen Archäologische Datierung Phasen M. Meyer Anzahl Befunde Anzahl Proben Probenvolumen (l) RTyp Zust eisenzeitlichkeltisch La2, La2/3 1-3 38 176 1.832,25 Übergangsphase EZ-G, RKZ1v/1 4-6 15 79 1.022,5 kaiserzeitlichgermanisch RKZ, RKZ1, RKZ2 6-8 39 302 3.722,85 Deutscher Name Botanischer Name 6 Unkräuter in Hackfrucht und Gärten Chenopodium polyspermum Sa/Fr Chenopodium cf. polyspermum Sa/Fr Digitaria ischaemum Sa/Fr Digitaria cf. ischaemum Sa/Fr Euphorbia helioscopia Sa/Fr Fumaria spec. Sa/Fr Polygonum persicaria Sa/Fr Setaria verticillata/viridis Sa/Fr Spergula arvensis Sa/Fr Stellaria media agg. Sa/Fr Thlaspi arvense Sa/Fr Veronica opaca/polita Sa/Fr Veronica opaca/polita Sa/Fr 7 Unkräuter in Halmfrucht Anagallis cf. arvensis Anthemis cotula Apera spica-venti cf. Apera spica-venti Aphanes arvensis Avena fatua Bromus cf. arvensis Bromus cf. secalinus Buglossoides arvensis Buglossoides arvensis Galium spurium Galium spurium cf. Lolium temulentum Papaver argemone Papaver dubium agg. Papaver dubium/rhoeas Polygonum convolvulus Raphanus raphanistrum cf. Raphanus raphanistrum Scleranthus annuus s.str. Scleranthus annuus s.str. Sherardia arvensis cf. Sherardia arvensis Valerianella dentata Vicia hirsuta Vicia tetrasperma Vicia hirsuta/tetrasperma 8 Garten- und Importpflanzen Apium graveolens cf. Apium graveolens Ficus carica vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk mi 1 145 6 4 1 4 528 42 19 60 39 1 1 10 3 1 17 12 42 7 13 1 7 3 4 7 2 1 Vielsamiger Gänsefuss Vielsamiger Gänsefuss Faden-Fingergras Faden-Fingergras Sonnenwend-Wolfsmilch Erdrauch Pfirsichblättriger Knöterich Quirlige/Grüne Borstenhirse Acker-Spörgel Vogelmiere Acker-Hellerkraut Glanzloser/Glänzender Ehrenpreis Glanzloser/Glänzender Ehrenpreis Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr DSB Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr vk vk vk vk vk vk vk vk vk mi vk mi vk vk vk vk vk vk vk vk mi vk vk vk vk vk vk 11 145 8 1 30 45 306 51 2 2701 2 5 1 1 2 21 1 102 1 1 44 2 432 3 1 3 1 2 225 1 126 2 1 81 35 3 413 83 107 1 21 1 1 3 2 44 56 9 Acker-Gauchheil Stinkende Hundskamille Gewöhnlicher Windhalm Gewöhnlicher Windhalm Gewöhnlicher Acker-Frauenmantel Flug-Hafer Acker-Trespe Roggen-Trespe Acker-Steinsame Acker-Steinsame Saat-Labkraut Saat-Labkraut Taumel-Lolch Sand-Mohn Saat-Mohn Klatsch-, Saat-Mohn Winden-Knöterich Acker-Rettich Acker-Rettich Einjähriges Knäuelkraut Einjähriges Knäuelkraut Ackerröte Ackerröte Gezähnter Feldsalat Rauhhaarige Wicke Viersamige Wicke Rauhhaarige Wicke/Viersamige Wicke Sa/Fr vk Sa/Fr vk Sa/Fr mi 1 1 1 Echte Sellerie Echte Sellerie Feigenbaum 415 Siedlungsphasen Archäologische Datierung Phasen M. Meyer Anzahl Befunde Anzahl Proben Probenvolumen (l) RTyp Zust eisenzeitlichkeltisch La2, La2/3 1-3 38 176 1.832,25 Übergangsphase EZ-G, RKZ1v/1 4-6 15 79 1.022,5 kaiserzeitlichgermanisch RKZ, RKZ1, RKZ2 6-8 39 302 3.722,85 Deutscher Name Botanischer Name 10 Laubwälder/Gebüsche Cornus cf. sanguinea Corylus avellana cf. Corylus avellana Crataegus laevigata Malus/Pyrus Prunus padus Prunus spinosa Pyrus communis/pyraster Rosa spec. Rubus fruticosus agg. Rubus idaeus Rubus caesius/fruticosus Sa/Fr Sa/Fr Blü Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk 1 220 56 1 632 1 1 1 5 1 3 1 5 20 3 1 Roter Hartriegel Hasel Hasel Zweigriffliger Weißdorn Apfelbaum/Birnbaum Traubenkirsche Schlehe Garten-/Wild-Birnbaum Rose Echte Brombeeren Himbeere Kratzbeere/Brombeere 11 Varia Apiaceae Apiaceae Asteraceae Avena spec. Avena spec. Avena spec. cf. Avena spec. Brassicaceae Brassicaceae Bromus spec. Carex spec. Caryophyllaceae Caryophyllaceae Caryophyllaceae Caryophyllaceae Caryophyllaceae/Chenopodiaceae Caryophyllaceae/Chenopodiaceae Cerastium spec. Chenopodiaceae Chenopodiaceae Cirsium spec. Cyperaceae Fabaceae Fabaceae Galium spec. Lamiaceae Lamium spec. Myosoton/Stellaria Panicoideae Poaceae Poaceae Poaceae Poaceae Polygonaceae Polygonum convolvulus/aviculare Polygonum convolvulus/dumetorum Polygonum convolvulus/dumetorum Polygonum lapathifolium/persicaria Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr DSB Gr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Blüst Kapz Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Hano Spi Zwi Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr vk mi vk vk vk vk vk vk mi vk vk vk mi vk vk vk mi vk vk mi vk vk vk mi vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk mi vk 111 2 21 584 20 571 2 23 1 225 34 14 1 3 43 5 16 34 14 5 10 95 119 38 1 220 36 246 6 1 2 12 16 18 1 1 90 8 52 12 15 22 6 40 26 18 3 7 2 16 1 1 21 24 19 7 14 158 2 28 1 18 22 10 2 11 7 1 39 23 76 11 4 8 1 46 16 1 90 Doldengewächse Doldengewächse Korbblütler Hafer Hafer Hafer Hafer Kreuzblütler Kreuzblütler Trespe Segge Nelken- und Nagelkrautgewächse Nelken- und Nagelkrautgewächse Nelken- und Nagelkrautgewächse Nelken- und Nagelkrautgewächse Nelkengewächse/Meldengewächse Nelkengewächse/Meldengewächse Hornkraut Gänsefußgewächse Gänsefußgewächse Kratzdistel Sauergräser Hülsenfrüchte Hülsenfrüchte Labkraut Lippenblütler Taubnessel Wassermiere/Sternmiere Hirseartige Süßgräser Süßgräser Süßgräser Süßgräser Knöterichgewächse Winden-Knöterich/Vogel-Knöterich Winden-/Hecken-Knöterich Winden-/Hecken-Knöterich Ampfer-/Pfirsichblättriger Knöterich 416 Siedlungsphasen Archäologische Datierung Phasen M. Meyer Anzahl Befunde Anzahl Proben Probenvolumen (l) RTyp Zust eisenzeitlichkeltisch La2, La2/3 1-3 38 176 1.832,25 Übergangsphase EZ-G, RKZ1v/1 4-6 15 79 1.022,5 kaiserzeitlichgermanisch RKZ, RKZ1, RKZ2 6-8 39 302 3.722,85 Deutscher Name Botanischer Name Varia (Fortsetzung) Polygonum minus/persicaria Polygonum spec. Polygonum/Rumex Potentilla spec. cf. Potentilla spec. Ranunculus repens Ranunculus cf. repens Ranunculus subgen. Ranunculus Rumex conglomeratus/sanguineus Rumex spec. Stachys spec. Torilis arvensis/japonica Vicia spec. Viola spec. 20 Sonstiges Indeterminata Indeterminata Indeterminata Indeterminata Indeterminata Indeterminata Indeterminata Claviceps purpurea cf. Claviceps purpurea Indeterminata Indeterminata Indeterminata Indeterminata Indeterminata Indeterminata Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk 2 1 9 4 14 1 1 1 2 1 1 1 61 24 21 3 30 1 2 Kleiner- /Pfirsichblättriger Knöterich Knöterich Knöterich/Ampfer Fingerkraut Fingerkraut Kriechender Hahnenfuß Kriechender Hahnenfuß Terrestrischer Hahnenfuß Knäuel-/Hain-Ampfer Ampfer Ziest Acker-/Gewöhnlicher Klettenkerbel Wicke Veilchen Sa/Fr Sa/Fr Veget BGF boPf Zwi Knos Pi Pi Pi Kopr Fisch Insek Knoz Arch vk mi vk vk vk vk vk vk vk vk vk so vk so so 1437 30 3704 325 1 4 10 1 2 3 9 10 + + 185 30 446 70 720 422 637 272 1 1 1 4 + + 6 1 5 1 + + unbestimmte Reste unbestimmte Reste unbestimmte Reste unbestimmte Reste unbestimmte Reste unbestimmte Reste unbestimmte Reste Mutterkorn Mutterkorn unbestimmte Reste unbestimmte Reste unbestimmte Reste unbestimmte Reste unbestimmte Reste unbestimmte Reste 417 Tabelle 4: Archäobotanische Nachweise von Importpflanzen aus eisenzeitlichen Fundstellen Hessens, Süd- und Südwestdeutschlands, der Schweiz und aus Frankreich. Coriandrum sativum Koriander Petroselinum crispum Petersilie Reseda luteola Färber-Resede Foeniculum vulgare Fenchel Isatis tinctoria Färber-Waid Fundstelle und Lage Hattstatt Elsaß, Frankreich Frasses Praz au Doux, Schweiz Gerlingen Baden-Württemberg Pluvet N-Burgund, Frankreich Bad Nauheim AK83, Hessen Hochdorf Baden-Württemberg Gaukönigshofen AK104, Mainfranken Wierschem Rheinland-Pfalz Mardorf 23 AK85, Hessen St.-Julien-du-Sault W-Burgund, Frankreich Damary Aisne-Tal, N-Frankreich Pankofen Niederbayern Fossé de Pandours Elsaß, Frankreich Basel "Gasfabrik" Schweiz Bevaix Lac de Neuchâtel, Schweiz Datierung Ha1 Ha Ha/La Ha/La La1 La1 La2 La2 La2/3 La2/3 La2/3 La3 La3 La3 La3 Fundstellentyp Befundtyp ?Siedlung Siedlung Siedlung Siedlung Siedlung Siedlung Siedlung Siedlung Siedlung Siedlung Siedlung Brunnen Schicht Gruben Grube Gruben Grube Grube Grube Gruben Brunnen Grube 1vk 2vk HK 2sf 1sf 1vk 2 vk 1cf vk 1vk 1vk archäobotanische Nachweise Sorbus domestica Speierling Publikation Wiethold 2001 Brombacher unpubl. Stika unpubl. Wiethold 1998 Kreuz/Boenke 2000/2001 Stika 1999 Kreuz 2005 Kroll 2001 Kreuz/Wiethold 2002 1sf Bouchette 1999 Bakels 1999 Schaich 1995 Wiethold 2002 Iseli/Kühn unpubl. Akeret unpubl. Apium graveolens Sellerie Anethum graveolens Dill 1cf vk 2min 1vk 1vk 1vk 1vk 5vk 1min 3sf 8sf Viereckschanze Brunnen Oppidum Siedlung Siedlung Brunnen Gruben Brunnen 3sf 2 vk, 1cf vk, 6 min 1sf 1sf 1sf 1sf Prunus insititia Pflaume 1sf Cannabis sativa Hanf Ficus carica Feige Abies alba Tanne 418 Tabelle 5: Mardorf 23 AK85. Nachgewiesene potentielle Unkräuter (Ökologische Gruppen 1-4 und 6-7): Stückzahl je Phase und ihre Reaktions- und Stickstoffzahlen nach Ellenberg et. al. (1991). Reaktionszahlen (Re): 2-3 (Stark-)Säurezeiger, 4-5 (Mäßig-)Säurezeiger, 6-7 Schwachsäure- und Schwachbasenzeiger, 8-9 Basen- und Kalkzeiger. Stickstoffzahlen (N): 2-3 stickstoffarme Standorte, 4-5 mäßig stickstoffhaltige Standorte, 6-7 stickstoffreiche Standorte, 8-9 stark bis übermäßig stickstoffreiche Ellenberg-Zeigerwerte Re 1. Ufer- / Auenvegetation Carex disticha Carex hirta Eleocharis palustris agg. Galium palustre Glyceria maxima/plicata Myosoton aquaticum Plantago major ssp. intermedia Polygonum hydropiper/mite Polygonum lapathifolium agg. Polygonum minus Ranunculus sardous Rumex crispus/obtusifolius Sparganium erectum s.l. 2. Grünlandartige Vegetation Arrhenatherum elatius Cerastium cf. arvense Fragaria cf. vesca Galium mollugo/verum Knautia arvensis Leucanthemum vulgare agg. Luzula campestris/multiflora Medicago lupulina Origanum vulgare Phleum pratense s.l. Plantago lanceolata Plantago major s. str. Poa annua Polygonum aviculare agg. Prunella cf. vulgaris Ranunculus acris Rumex acetosella agg. Stellaria graminea Trifolium campestre/dubium Trifolium hybridum/repens Trifolium medium/pratense Veronica austriaca/chamaedrys 3. Ruderalfluren Bromus sterilis/tectorum Chenopodium glaucum Conium maculatum Daucus carota Galium cf. aparine Hyoscyamus niger Lapsana communis Nepeta cf. cataria Urtica dioica N EZ-K Übergangsphase RKZ-G 8 x x x 8 7 5 5/6 x 5 x x 7 7 6 x 7 x x x 8 8 x x x x x 7 x 2 4 6 7/6 6/x 9/x x/8 x x x 6 7 x 7 7 5 5 x 4 9/8 8 4 8/7 8 8 7 6/9 7 7 4 6 2/3 4 3 3 x 3 7 x 6 8 6 x x 2 3 3/4 5/6 3/x 2/x 5/4 9 8 4 8 9 7 7 9 15 4 458 11 36 66 2 1 386 1 1 56 1 4 1 3 2 9 2 1 1 34 11 2 3 4 250 11 92 2 1 5 1 2 5 8257 1 3 75 186 134 74 19 16 10 46 1 1 1 59 175 257 9 1 8 1 4 1 3 24 3 4 1 4 1 122 195 1 8 34 2 1 48 8 3 3 4 1 5 1 7 8 419 Ellenberg-Zeigerwerte Re 4. Ruderal- / Segetalvegetation undifferenziert Atriplex patula/hastata 7/x Brassica nigra 8 Chenopodium album x Chenopodium hybridum 8 Echinochloa crus-galli x Galeopsis bifida/tetrahit 6/x Matricaria perforata 6 Silene alba x Solanum nigrum 7 Urtica urens x 6. Unkräuter in Hackfrucht und Gärten Chenopodium polyspermum Digitaria ischaemum Euphorbia helioscopia Polygonum persicaria Setaria verticillata/viridis Spergula arvensis Stellaria media agg. Thlaspi arvense Veronica opaca/polita 7. Unkräuter in Halmfrucht Anagallis cf. arvensis Anthemis cotula Apera spica-venti Aphanes arvensis Avena fatua Bromus cf. arvensis Bromus cf. secalinus Buglossoides arvensis Galium spurium Lolium temulentum Papaver argemone Papaver dubium agg. Papaver dubium/rhoeas Polygonum convolvulus Raphanus raphanistrum Scleranthus annuus s.str. Sherardia arvensis Valerianella dentata Vicia hirsuta Vicia hirsuta/tetrasperma Vicia tetrasperma x 2 7 7 x 3 7 7 8 N EZ-K Übergangsphase 2 587 1 11 2 RKZ-G 7/9 7 7 8 8 6 6 7 8 8 8 3 7 7 7 6 8 6 6/7 6 5 x 5 x 4 x 5 5 x 5 5 5/6 6 6 5 5 x 4 4/5 5 101 1 1229 1 83 32 18 1 22 1 4 5 432 62 4 1 7 5 1 10 3 17 12 42 7 13 4 151 4 4 528 42 19 60 39 11 153 1 30 45 306 53 2701 3 1 1 1 7 3 4 7 3 2 x x 5 x 7 8 5 7 8 8 5 5 5/7 x 4 2 7 7 x x/5 5 5 1 1 1 1 44 2 435 1 2 21 1 102 1 2 225 1 128 1 81 35 413 3 83 9 107 1 21 1 1 3 56 44 2 420 Standorte. Botanischer Name 1 Ufer-/Auenvegetation Carex cf. hirta Carex disticha Eleocharis palustris agg. Eleocharis palustris agg. Galium palustre Galium cf. palustre Glyceria maxima/plicata cf. Glyceria maxima/plicata Myosoton aquaticum Polygonum lapathifolium agg. Rumex crispus/obtusifolius Plantago major ssp. intermedia Polygonum minus Ranunculus sardous 2 Grünlandartige Vegetation Arrhenatherum elatius Centaurea spec. Leucanthemum vulgare agg. Stellaria graminea Carex muricata agg. Carex cf. muricata agg. Festuca/Lolium Juncus spec. Knautia arvensis Medicago lupulina Phleum pratense s.l. Plantago lanceolata Plantago major s. str. Poa annua Poa spec. non annua Polygonum aviculare agg. Prunella cf. vulgaris cf. Prunella vulgaris Rumex acetosella agg. Trifolium campestre/dubium Trifolium camp./dub./arv. Trifolium medium/pratense Trifolium hybridum/repens 3 Ruderalfluren Bromus sterilis/tectorum Daucus carota Galium cf. aparine Lapsana communis Melilotus spec. Urtica dioica Befund Befundtyp Archäologische Datierung n Proben Summe Probenvolumen Öko_u RTyp Zust x Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr boPf Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr vk vk vk mi vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk 208 Gr La2/3 2 20,50 567 Gr La2/3 1 18,00 971 Gr La2/3 5 67,00 976 Gr La2/3 7 79,50 1074 Gr La2/3 1 9,00 Deutscher Name 2 11 187 44 38 1 1 1 16 16 8 1 1 1 2 23 1 5 2 2 3 99 8 1 1 1 2 x 4 4 1 7 55 2 x Rauhe Segge Kamm-Segge Gewöhnliche Sumpfbinse Gewöhnliche Sumpfbinse Sumpf-Labkraut Sumpf-Labkraut Großes -/ Gefaltetes Süßgras Großes -/ Gefaltetes Süßgras Wassermiere Ampfer-Knöterich Krauser/Stumpfblättriger Ampfer Kleiner Wegerich Kleiner Knöterich Sardinischer Hahnenfuß Französisches Raygras Flockenblume Margerite Gras-Sternmiere Stachel-Segge Stachel-Segge Schwingel/Lolch Binse Wiesen-Knautie Hopfenklee Wiesen-Lieschgras Spitz-Wegerich Großer Wegerich Einjähriges Rispengras Rispengras außer einjähriges R. Vogel-Knöterich Kleine Brunelle Kleine Brunelle Gewöhnlicher Kleiner Sauerampfer Kleiner Klee/Feld-Klee Feld-/Kleiner/Hasen-Klee Mittlerer/Roter Wiesen-Klee Schweden-Klee/Weiss-Klee Taube /Dach-Trespe Wilde Gelbe Rübe Kletten-Labkraut Rainkohl Steinklee Große Brennessel Ruten-/Spieß-Melde Schwarzer Senf Weißer Gänsefuß Gänsefuß Hühnerhirse Kleinblütiger/Gewöhnl. Hohlzahn Malve Geruchlose Kamille Schwarzer Nachtschatten 4 10 1 2 1 7 4 5 1044 18 1 4 4 395 1 1 x x x x 2 2 8 1 x x 66 17 37 31 844 17 2 3 x x x x x 1 8 15 10 1 16 113 798 1 1 4 1 27 62 5 6 212 22 60 1 10 11 52 1 1 17 1 81 75 23 4 27 1 77 15 4 1 3 25 162 8 4 7 4 1 12 295 6 13 1 1 18 1 1 7 21 38 1 1 5 x x x x 2 4 Ruderal-/Segetalvegetation undifferenziert Atriplex patula/hastata x Brassica nigra x Chenopodium album Chenopodium spec. Echinochloa crus-galli x Galeopsis bifida/tetrahit Malva spec. x Matricaria perforata Solanum nigrum 421 Befund Befundtyp Archäologische Datierung n Proben Summe Probenvolumen Öko_u RTyp Zust Sa/Fr DSB Spi Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr HSB Sa/Fr HSB Sa/Fr HSB Sa/Fr HSB Sa/Fr Sa/Fr Spi Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Hano Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr DSB Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk mi vk vk vk vk vk vk 208 Gr La2/3 2 20,50 567 Gr La2/3 1 18,00 971 Gr La2/3 5 67,00 976 Gr La2/3 7 79,50 1074 Gr La2/3 1 9,00 Deutscher Name 1125 1005 10417 21 1 242 17 10207 2 1796 19 4 2073 Kulturgerste, 2-o.mehrz., nackt/besp. Kulturgerste, 2-o.mehrz., nackt/besp. Kulturgerste, 2-o.mehrz., nackt/besp. Spelzgerste, 2- oder mehrzeilig Echte Hirse Kolbenhirse Roggen Roggen Emmer Emmer Emmer/Dinkel Emmer/Dinkel Einkorn Einkorn Dinkel Dinkel Dinkel Nacktweizen Nacktweizen Nacktweizen/Emmer Nacktweizen/Dinkel Weizen undifferenziert Getreide Getreide Linse Erbse Hülsenfrüchte (angebaut?) Saat-Leindotter Saat-Leindotter Gebauter Lein, Flachs Schlaf-Mohn Faden-Fingergras Faden-Fingergras Sonnenwend-Wolfsmilch Pfirsichblättriger Knöterich Quirlige/Grüne Borstenhirse Acker-Spörgel Vogelmiere Acker-Hellerkraut Glanzloser/Glänzender Ehrenpreis Acker-Gauchheil Flug-Hafer Acker-Trespe Roggen-Trespe Saat-Labkraut Einjähriges Knäuelkraut Einjähriges Knäuelkraut Winden-Knöterich Sand-Mohn Gezähnter Feldsalat Rauhhaarige Wicke Viersamige Wicke Rauhhaarige/Viersamige Wicke Botanischer Name 5 Kulturpflanzen Hordeum distichon/vulgare Hordeum distichon/vulgare Hordeum distichon/vulgare Hordeum dist./vulg. , Spelzgerste Panicum miliaceum Setaria italica Secale cereale cf. Secale cereale Triticum dicoccum Triticum dicoccum Triticum dicoccum/spelta Triticum dicoccum/spelta Triticum monococcum Triticum monococcum Triticum spelta Triticum spelta Triticum cf. spelta Triticum aestivum s.l./durum/turgidum Triticum aestivum s.l./durum/turgidum Triticum aest.s.l./dur./turg./dicoccum Triticum aest.s.l./dur./turg./spelta Triticum spec. Cerealia Cerealia Lens culinaris Pisum sativum Fabaceae (kult.) Camelina sativa cf. Camelina sativa Linum usitatissimum Papaver somniferum 23 13 1 1 4 15 883 1 17 16 707 2 71 1 94 12 9 38 48 16 9 138 5 1 5 34 9 50 91 48 645 1639 2 3 410 438 6 144 22 34 980 4512 11 1 2 3 47 1 2 1 1 2 2 50 4 5 22 21 1 9 31 82 502 16 78 32 27 2 266 1 672 8 530 177 79 2 28 395 1 395 313 3734 4 3 2180 1 2 1 1 17 1 1 5 2 408 1 1 13 10 1 6 4 30 143 5 13 2 14 7 13 780 1 2 24 1 2 1 6 Unkräuter in Hackfrucht und Gärten Digitaria ischaemum Digitaria cf. ischaemum Euphorbia helioscopia Polygonum persicaria Setaria verticillata/viridis Spergula arvensis Stellaria media agg. Thlaspi arvense Veronica opaca/polita 7 Unkräuter in Halmfrucht Anagallis cf. arvensis Avena fatua Bromus cf. arvensis Bromus cf. secalinus Galium spurium Scleranthus annuus s.str. Scleranthus annuus s.str. Polygonum convolvulus Papaver argemone Valerianella dentata Vicia hirsuta Vicia tetrasperma Vicia hirsuta/tetrasperma x 1 1 1 1 1 6 4 4 x x x x x 3 1 3 34 8 4 1 5 x 3 11 422 Befund Befundtyp Archäologische Datierung n Proben Summe Probenvolumen Öko_u RTyp Zust Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr DSB Gr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Pi Pi Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Sa/Fr Veget Hano Knoz Zwi BGF Kopr Insek Arch mi vk vk vk mi vk vk vk vk mi vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk vk mi vk vk so vk vk vk vk so 208 Gr La2/3 2 20,50 567 Gr La2/3 1 18,00 971 Gr La2/3 5 67,00 976 Gr La2/3 7 79,50 1074 Gr La2/3 1 9,00 Deutscher Name 1 96 1 37 1 11 1 5 8 6 3 5 Feigenbaum Hasel Wild-Birnbaum 1 Doldengewächse Doldengewächse Korbblütler Kreuzblütler Segge Nelken- und Nagelkrautgewächse Gänsefußgewächse Gänsefußgewächse Sauergräser Hülsenfrüchte Hafer Hafer Hafer Trespe Hirseartige Süßgräser Knöterichgewächse Winden-Knöterich/Vogel-Knöterich Winden-/Hecken-Knöterich Ampfer-/Pfirsichblättriger Knöterich Knöterich/Ampfer Ampfer Kleiner- /Pfirsichblättriger Knöterich Fingerkraut Labkraut Nelkengewächse/Meldengewächse Mutterkorn Mutterkorn Lippenblütler Taubnessel Wassermiere/Sternmiere Ziest Acker-/Gewöhnlicher Klettenkerbel Veilchen unbestimmte Pflanzenreste unbestimmte Pflanzenreste unbestimmte Pflanzenreste unbestimmte Pflanzenreste unbestimmte Pflanzenreste unbestimmte Pflanzenreste Brei/Gebäck/Fruchtfleisch Koprolithen Insektenreste Archäologische Funde Botanischer Name 8 Garten- und Importpflanzen Ficus carica 10 Laubwälder /Gebüsche Corylus avellana Pyrus cf. pyraster 11 Varia Apiaceae Apiaceae Asteraceae Brassicaceae Carex spec. Caryophyllaceae Chenopodiaceae Chenopodiaceae Cyperaceae Fabaceae Avena spec. Avena spec. Avena spec. Bromus spec. Panicoideae Poaceae Polygonaceae Polygonum convolvulus/aviculare Polygonum convolvulus/dumetorum Polygonum lapathifolium/persicaria Polygonum/Rumex Rumex spec. Polygonum minus/persicaria cf. Potentilla spec. Galium spec. Caryophyllaceae/Chenopodiaceae Claviceps cf. Claviceps Lamiaceae Lamium spec. Myosoton/Stellaria Stachys spec. Torilis arvensis/japonica Viola spec. Sonstiges Indeterminata Indeterminata Indeterminata Indeterminata Indeterminata Indeterminata Indeterminata Indeterminata Indeterminata Indeterminata 51 1 12 8 3 3 56 42 20 7 4 8 32 2 5 5 5 155 172 18 27 8 2 2 1 4 31 2 3 2 6 17 5 56 181 74 2 8 1 1 7 2 2 9 2 3 4 2 11 8 1 24 1 7 60 5 128 75 2 4 1 1 9 2 4 2 81 1 15 1 1 4 43 105 1 1 1 160 766 5 2 167 1 1366 6 4 8 28 1 1 4 6 423 Tabelle 6: Mardorf 23 AK85. Pflanzennachweise aus eisenzeitlich-keltischen Massenfunden („Vorratsfunden“) von Kulturpflanzenresten (vgl. Abkürzungsverzeichnis). eisenzeitlich-keltische Befunde Befund Befundtyp Archäologische Datierung n Proben gesamt Anzahl Proben Holz untersuchtes Probenvolumen (l) Botanischer Name Acer cf. campestre Alnus cf. glutinosa Betula pendula/pubescens Carpinus betulus Corylus avellana cf. Corylus avellana Fagus sylvatica Frangula alnus Fraxinus excelsior Pomoideae Populus spec. Populus/Salix Prunus cf. avium/padus Prunus cf. insititia/spinosa Quercus spec. Rhamnus catharticus Salix spec. Sorbus spec. cf. Sorbus spec. Ulmus spec. Laubholz indet. Summe Gewicht (g) Konzentration Holzkohle je Befund (g/l) Stückzahl gesamt Konzentration Stück/l 208 Gr La2 18 11 104 0,058 0,091 549a GrIn La2 13 5 41 188 Pfo La2/3 1 1 5 0,013 0,238 192 Pfo La2/3 1 1 4 193 Pfo La2/3 1 1 7 194 Pfo La2/3 1 1 5 196 Pfo La2/3 1 1 10 0,001 0,006 197 Pfo La2/3 2 2 17 199 Pfo La2/3 2 2 16 223 Pfo La2/3 1 1 5 225 Pfo La2/3 1 1 5 234/235 GrIn La2/3 6 4 67 234b GrIn La2/3 2 2 22 234e GrIn La2/3 1 1 10 253 Gr La2/3 2 2 9 268b GrIn La2/3 1 1 10 344 Gr La2/3 15 9 210 3,952 5,885 1,674 0,650 0,229 68,591 0,319 7,080 11,156 26,357 0,479 0,275 59,959 1,103 0,106 0,069 0,008 0,114 0,013 0,029 0,187 11,898 1,044 0,209 0,620 0,238 0,016 63,394 0,633 0,005 0,002 0,006 0,013 0,005 0,366 0,010 0,009 0,054 0,083 0,003 0,003 1,893 0,487 0,019 0,001 0,006 0,027 0,050 0,025 0,916 0,011 0,001 0,392 0,007 0,002 0,006 0,012 0,095 2,782 80,644 0,775 1047 10,1 2,080 4,981 0,121 369 9,0 0,160 0,66 0,132 201 40,2 0,004 0,023 0,006 22 5,5 0,006 0,001 4 0,6 0,006 0,001 4 0,8 0,004 0,038 0,004 11 1,1 0,074 0,195 0,011 80 4,7 0,088 0,119 0,007 93 5,8 0,010 0,95 0,19 131 26,2 0,011 0,025 0,005 9 1,8 0,405 1,291 0,019 298 4,4 0,020 0,04 0,002 18 0,8 0,013 0,024 0,002 7 0,7 0,012 0,018 0,002 14 1,6 0,030 0,062 0,006 4 0,4 40,767 228,585 1,089 4044 19,3 eisenzeitlich-keltische Befunde Befund Befundtyp Archäologische Datierung n Proben gesamt Anzahl Proben Holz untersuchtes Probenvolumen (l) Botanischer Name Acer cf. campestre Alnus cf. glutinosa Betula pendula/pubescens Carpinus betulus Corylus avellana cf. Corylus avellana Fagus sylvatica Frangula alnus Fraxinus excelsior Pomoideae Populus spec. Populus/Salix Prunus cf. avium/padus Prunus cf. insititia/spinosa Quercus spec. Rhamnus catharticus Salix spec. Sorbus spec. cf. Sorbus spec. Ulmus spec. Laubholz indet. Summe Gewicht (g) Konzentration Holzkohle je Befund (g/l) Stückzahl gesamt Konzentration Stück/l 462 Gr La2/3 3 2 20 485 GrKo La2/3 2 1 9 492d GrIn La2/3 1 1 10 567 Gr La2/3 2 1 18 567a GrIn La2/3 1 1 7 567b GrIn La2/3 3 1 10 856 Pfo La2/3 2 2 2 862 Gr La2/3 13 5 47 888e1 GrIn La2/3 13 13 79 971 Gr La2/3 8 3 35 0,214 0,057 0,594 0,021 1,739 0,216 0,223 1,862 0,014 0,014 2,085 0,909 0,065 1,58 4,084 0,089 0,028 10,746 2,072 3,955 0,912 0,006 0,018 0,643 29,333 0,404 976 Gr La2/3 8 1 10 0,074 1019 Gr La2/3 11 2 19 0,091 0,019 0,073 1020 Gr La2/3 7 3 34 1074 Gr La2/3 1 1 9 1095 Gr La2/3 4 1 8 1111 Gr La2/3 8 1 9,5 1152 Gr La2/3 8 5 34 1153 Gr La2/3 9 1 5,5 1,012 0,001 0,001 0,001 0,037 0,065 0,039 0,045 0,028 0,329 0,153 0,365 0,201 0,061 0,041 0,004 0,127 0,029 0,006 0,94 0,051 0,039 0,058 0,121 0,021 3,184 0,103 0,044 0,300 4,176 0,501 0,259 5,206 2,126 17,475 1,970 0,096 2,095 0,307 0,021 0,814 1,184 0,913 0,179 3,424 0,171 115 5,8 0,001 0,232 0,4 0,044 114 12,7 0,289 0,338 0,034 92 9,2 0,3 0,017 127 7,1 4,176 0,597 250 35,7 0,033 0,733 0,073 129 12,9 0,004 0,263 0,131 165 82,5 0,045 6,385 0,136 93 2,0 0,526 3,773 0,048 229 2,9 2,188 22,727 0,649 539 15,4 0,092 4,026 0,403 209 20,9 0,100 2,551 0,134 28 1,5 0,01 4,659 0,137 50 1,5 0,466 4,967 0,552 47 5,2 0,018 0,86 0,108 94 11,8 16,773 1,766 166 17,5 0,065 2,92 0,086 107 3,1 1,762 33,424 6,077 254 46,2 424 germanische Befunde der Übergangsphase Befund Befundtyp Archäologische Datierung n Proben gesamt Anzahl Proben Holz untersuchtes Probenvolumen (l) Botanischer Name Acer cf. campestre Alnus cf. glutinosa Betula pendula/pubescens Carpinus betulus Corylus avellana cf. Corylus avellana Fagus sylvatica Frangula alnus Fraxinus excelsior Pomoideae Populus spec. Populus/Salix Prunus cf. avium/padus Prunus cf. insititia/spinosa Quercus spec. Rhamnus catharticus Salix spec. Sorbus spec. cf. Sorbus spec. Ulmus spec. Laubholz indet. Summe Gewicht (g) Konzentration Holzkohle je Befund (g/l) Stückzahl gesamt Konzentration Stück/l 201 GrHa EZ-G 27 5 120 212 Pfo EZ-G 2 1 9 0,013 0,547 213 Pfo EZ-G 1 1 10 214 Pfo EZ-G 1 1 7 0,007 0,275 0,200 0,033 0,170 0,065 0,567 0,030 243 Gr EZ-G 8 1 10 300 Gr EZ-G 2 2 12,5 472 Gr EZ-G 5 1 10 1044h GrIn EZ-G 4 4 33 170 241a 492c 800 GrKo GrIn GrIn Gr RKZ1v/1 RKZ1v/1 RKZ1v/1 RKZ1v/1 6 1 1 10 1 1 1 1 15 10 11 17 0,001 0,009 1154a 1154b GrHa Gr RKZ1v/1 RKZ1v/1 8 2 8 1 77 8 1,131 0,034 0,080 0,053 0,114 0,430 0,805 0,223 0,059 0,011 0,140 1,112 0,074 0,030 0,007 0,001 0,022 0,788 0,016 0,039 0,011 0,015 0,047 0,028 0,013 0,018 0,052 0,078 0,507 0,236 0,115 0,033 0,016 0,019 0,034 0,007 0,011 1,348 0,105 0,001 0,051 0,011 0,585 0,001 0,061 0,064 0,115 0,116 0,216 0,138 2,837 0,07 0,28 0,104 2,336 6,182 0,052 487 4,1 0,257 0,995 0,111 196 21,8 0,011 0,042 0,004 13 1,3 0,220 0,571 0,082 129 18,4 0,273 1,846 0,185 242 24,2 0,154 0,227 0,018 137 11,0 0,326 0,726 0,073 106 10,6 0,066 0,284 0,009 23 0,7 0,123 0,805 0,054 173 11,5 0,084 0,422 0,042 137 13,7 0,200 0,556 0,051 211 19,2 0,528 4,651 0,274 285 16,8 0,421 0,897 0,012 25 0,3 0,076 1,299 0,162 19 2,4 kaiserzeitlich-germanische Befunde 231 Befund Befundtyp Gr Archäologische Datierung RKZ1 20 n Proben gesamt Anzahl Proben Holz 2 17 untersuchtes Probenvolumen (l) Botanischer Name Acer cf. campestre Alnus cf. glutinosa Betula pendula/pubescens Carpinus betulus Corylus avellana cf. Corylus avellana Fagus sylvatica Frangula alnus Fraxinus excelsior Pomoideae Populus spec. Populus/Salix Prunus cf. avium/padus Prunus cf. insititia/spinosa Quercus spec. Rhamnus catharticus Salix spec. Sorbus spec. cf. Sorbus spec. Ulmus spec. Laubholz indet. Summe Gewicht (g) Konzentration Holzkohle je Befund (g/l) Stückzahl gesamt Konzentration Stück/l 616 Gr RKZ1 7 1 16 1 GrHa RKZ2 2 2 43 2a GrIn RKZ2 4 2 30 0,015 0,145 0,007 3 GrHa RKZ2 11 1 36 0,010 0,024 0,007 0,106 0,035 0,005 1,021 0,059 3b Pfo RKZ2 3 1 11 16 Gr RKZ2 2 2 18 140 Gr RKZ2 37 1 25 142 Pfo RKZ2 3 2 5,5 144 Pfo RKZ2 3 2 10,3 145 Pfo RKZ2 2 2 9 170a GrIn RKZ2 13 1 8 200 GrHa RKZ2 1 1 16 241 GrKo RKZ2 22 4 50 0,024 0,154 0,163 0,020 0,126 289 GrKo RKZ2 17 3 77 312 Gr RKZ2 7 4 86 1,036 0,158 0,085 0,210 0,026 3,166 1,188 0,063 2,207 0,008 3,258 0,466 0,151 0,490 0,150 0,032 0,002 0,161 0,061 0,061 0,712 2,530 0,020 0,626 0,188 0,014 0,809 0,065 0,834 0,144 0,265 0,048 0,018 0,001 0,052 0,024 0,135 0,081 0,100 0,026 0,013 1,030 0,042 3,696 0,063 0,735 0,012 0,250 1,439 0,011 0,011 5,215 0,004 0,259 0,894 0,036 0,007 0,014 0,839 2,17 0,06 319 8,9 0,776 3,323 0,195 186 10,9 0,439 8,388 0,524 342 21,4 0,145 0,221 0,005 188 4,4 2,046 9,853 0,328 592 19,7 0,063 0,075 0,007 45 4,1 0,629 1,036 0,058 121 6,7 0,745 2,448 0,098 202 8,1 0,039 0,117 0,021 41 7,5 0,005 0,023 0,002 15 1,5 0,004 0,004 0,000 3 0,3 0,086 6,322 0,79 92 11,5 0,034 0,038 0,002 26 1,6 0,225 0,935 0,019 218 4,4 0,167 1,342 6,023 0,078 371 4,8 0,054 1,983 0,023 126 1,5 425 kaiserzeitlich-germanische Befunde 492a Befund Befundtyp GrIn Archäologische Datierung RKZ2 4 n Proben gesamt 1 Anzahl Proben Holz untersuchtes Probenvolumen (l) 13 Botanischer Name Acer cf. campestre Alnus cf. glutinosa Betula pendula/pubescens Carpinus betulus Corylus avellana cf. Corylus avellana Fagus sylvatica Frangula alnus Fraxinus excelsior Pomoideae Populus spec. Populus/Salix Prunus cf. avium/padus Prunus cf. insititia/spinosa Quercus spec. Rhamnus catharticus Salix spec. Sorbus spec. cf. Sorbus spec. Ulmus spec. Laubholz indet. Summe Gewicht (g) Konzentration Holzkohle je Befund (g/l) Stückzahl gesamt Konzentration Stück/l 0,008 0,070 0,241 0,002 0,461 0,039 0,011 0,177 0,016 0,074 0,011 0,006 0,954 1,753 0,015 0,276 497a GrIn RKZ2 9 5 57 580d GrIn RKZ2 2 2 27 623 Gr RKZ2 8 2 19 673 Gr RKZ2 6 2 37 700 Gr RKZ2 21 2 27 0,153 0,014 2,137 769b GrIn RKZ2 2 1 7 770 Gr RKZ2 7 4 29 0,128 0,073 0,181 777a GrIn RKZ2 9 3 27 0,006 0,067 0,040 0,102 7,644 30,499 0,144 0,003 0,022 0,207 0,001 0,106 0,030 0,319 0,021 0,1 0,197 0,098 0,213 0,128 0,095 0,007 0,311 0,701 0,036 0,530 928 Gr RKZ2 8 8 50 954 Gr RKZ2 16 2 17 0,335 1,536 0,288 0,04 0,628 0,067 0,114 0,028 1,168 0,124 0,040 0,794 0,686 1,384 0,093 0,067 0,155 0,967 0,119 0,248 0,301 1039a Gr RKZ2 4 1 10 0,674 0,409 0,166 1138 Gr RKZ2 17 1 9,3 0,277 0,211 170h GrIn RKZ 4 1 8 0,228 4,428 173 Gr RKZ 6 1 10 230e GrIn RKZ 2 1 14 0,002 0,014 0,027 0,004 0,010 0,191 0,023 0,007 0,018 0,149 0,135 0,057 0,519 0,034 0,045 1,522 0,062 0,075 1,509 0,018 1,412 0,071 0,198 0,549 0,008 0,002 0,060 0,315 1,332 0,258 2,543 0,196 186 14,3 0,132 1,948 0,034 164 2,9 0,047 0,102 0,004 21 0,8 0,206 0,781 0,041 116 6,1 1,427 4,128 0,112 327 8,8 1,361 43,599 1,615 459 17,0 0,015 0,018 0,003 4 0,6 0,024 0,848 0,029 14 0,5 0,451 0,93 0,034 115 4,3 0,152 1,126 0,023 41 0,8 1,573 5,657 0,333 88 5,2 0,384 3,496 0,35 264 26,4 1,394 5,061 0,544 129 13,9 0,171 5,854 0,732 206 25,8 0,312 2,241 0,224 111 11,1 0,984 2,93 0,209 329 23,5 kaiserzeitlich-germanische Befunde Befund Befundtyp Archäologische Datierung n Proben gesamt Anzahl Proben Holz untersuchtes Probenvolumen (l) Botanischer Name Acer cf. campestre Alnus cf. glutinosa Betula pendula/pubescens Carpinus betulus Corylus avellana cf. Corylus avellana Fagus sylvatica Frangula alnus Fraxinus excelsior Pomoideae Populus spec. Populus/Salix Prunus cf. avium/padus Prunus cf. insititia/spinosa Quercus spec. Rhamnus catharticus Salix spec. Sorbus spec. cf. Sorbus spec. Ulmus spec. Laubholz indet. Summe Gewicht (g) Konzentration Holzkohle je Befund (g/l) Stückzahl gesamt Konzentration Stück/l 240 Gr RKZ 4 2 14 771 Gr RKZ 5 1 10 1050 Gr RKZ 8 3 22 194 2127,6 Deutscher Name Feld-Ahorn Schwarz-Erle Hänge-/Moor-Birke Hainbuche Hasel Hasel Rotbuche Faulbaum Gewöhnliche Esche Kernobstartige Pappel Pappel/Weide Süß-/Traubenkirsche Pflaume/Schlehe Eiche Echter Kreuzdorn Weide Eberesche, Speierling, Mehlbeere Eberesche, Speierling, Mehlbeere Ulme Laubholz indet. 0,443 0,209 0,023 0,265 0,085 0,012 0,182 0,020 0,084 0,142 0,266 0,015 0,099 0,007 30 2,1 0,003 0,446 0,045 15 1,5 0,561 1,766 0,08 112 5,1 426 Tabelle 7: Mardorf 23 AK85. Ergebnisse der Holzkohlenanalysen: Holzkohle-Gewicht (g)je Taxon, Summen von Gewicht und Stückzahl Holzkohle sowie die Konzentrationswerte für Gewicht (Gramm/Liter) und Stückzahl (Anzahl Holzkohlefragmente/Liter) je Probe. Die Anzahl Proben Holz und das Probenvolumen Holz beziehen sich auf die Proben, die auf Holzkohle hin untersucht wurden, und schließen auch untersuchte Proben ohne Holzkohle mit ein. Vollständig holzkohlefreie Befunde wurden nicht aufgelistet; dies betrifft die untersuchten Proben aus den Befunden 143, 189, 227, 268a, 289a, 341, 580b und 1154g. Triticum aestivum s.l./durum /turg. Hordeum vulgare *nudum Triticum monococcum Vicia faba var. minor Linum usitatissimum Hessen 1 AK 85 Mardorf 23, Kr. Marburg-Bkpf. 2 AK 55 Echzell-Mühlbach 3 AK 46 Schwalheim, Wetteraukreis 4 AK 83 Bad Nauheim, Wetteraukreis 5 AK 3 Goddelau, Kr. Groß-Gerau 6 AK 51 Christenberg, Kr. Marburg-Bkpf. 7 AK 54 Büdesheim, Wetteraukreis 8 AK 43 Steinbach 9 AK 20 Kalbach, Stadt Frankfurt 10 AK 1006 Dünsberg, Kr. Giessen Saarland 11 Borg, Kr. Merzig-Wadern 12 Sehndorf , Kr. Merzig-Wadern 13 Büschdorf, Kr. Merzig-Wadern 14 Borg, Kr. Merzig-Wadern Rheinland-Pfalz 15 Wierschem, Kr. Mayen-Koblenz 16 Wierschem, Kr. Mayen-Koblenz 17 Wierschem, Kr. Mayen-Koblenz 18 Wallendorf, Kr. Bitburg-Prüm Baden-Württemberg 19 Tamm-Hohenstange, Kr. Ludwigsburg 20 Freiberg-Geisingen, Kr. Ludwigsburg 21 Freiberg-Beihingen, Kr. Ludwigsburg 22 Heilbronn, Klingenberg, Kr. Heilbronn 23 Bondorf, Kr. Böblingen 24 Hochdorf, Kr. Ludwigsburg 25 Ilsfeld, Kr. Heilbronn 26 Lauffen, Kr. Heilbronn 27 Stuttgart-Mühlhausen, Stuttgart (a) 28 Stuttgart-Mühlhausen, Stuttgart (b) 29 Riedlingen „Klinge“, Kr. Biberach 30 Riedlingen „Klinge“, Kr. Biberach Bayern 31 Niederachdorf, Lkr. Straubing-Bogen 32 Steinheim, Lkr. Dillingen 33 Niedererlbach, Lkr. Landshut 34 Niederpöring, Lkr. Deggendorf 35 Kehlheim „Mitterfeld“, Lkr. Kehlheim 36 Manching, oppidum , Lkr. Ingolstadt 37 Gauting, Lkr. Starnberg 38 Feldkirchen, Lkr. Straubing-Bogen 39 Stephansposching, Lkr. Deggendorf La C/D1 Ha Ha D-La A La A/B La A/B La A/B La C/D La C/D1 La D La D Ha D3 Ha D La C/D La D 2 Ha D La A La B Latène Ha D Ha D Ha D-La B Ha D-La B La A/B La A/B La A/B La A/B La B1 La B1 La A/B La D Ha C/D Ha C/D Ha C-La A La A/B La C/D La D La D La D La D · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · ? · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · ? · · · · · · · · · · · · ? · · · · · · · · · · · · · · · · · ? · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · ? · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · Papaver somniferum Panicum miliaceum Triticum dicoccum Hordeum vulgare Camelina sativa Triticum spelta Triticum spec. Pisum sativum Lens culinaris Secale cereale Setaria italica Avena spec. Vicia ervilia 427 Tabelle 8: Nachweise von verkohlten Getreiden, Hülsenfrüchten und Öl-/Faserpflanzen aus ausgewählten eisenzeitlichen Siedlungen in Süd- und Südwestdeutschland (zu Hessen und Mainfanken vgl. auch Kreuz 2005). Avena spec. Hafer, Setaria italica Kolbenhirse und Secale cereale Roggen wurden wahrscheinlich nicht bewusst angebaut, Vicia ervilia Linsen-Wicke vielleicht ebenfalls nicht (vgl. im Text). Literaturnachweise: 1 Kreuz/Wiethold (2000), 2 Kreuz (2005), 3-4 Kreuz/Boenke 2001/2002, 5-6 Triticum aestivum s.l./durum /turg. Hordeum vulgare *nudum Triticum monococcum Vicia faba var. minor Linum usitatissimum Fundort Schweiz 1 Frasses (FR) „Praz-au-Doux“ 2 Neunkirch (SH) „Tobeläcker“ 3 Otelfingen (ZH) „Bonenberg“ 4 Brig-Glis (WA) „Waldmatte“ 5 Chur (GR) „Areal Ackermann“ 6 Lantsch (GR) „Bot da Loz“ 7 Therwil (BL) „Baselstr./Fichtenrain“ 8 Alle „Noir Bois“ 9 Orbe (VD) „Boscéaz“ 10 Basel (BS) „Gasfabrik“ 11 Basel (BS) „Rittergasse 4“ Österreich 12 Kundl, Tirol 13 Wattens, Himmelreich, Tirol 14 Dürrnberg, Bergwerk, Salzburg Datierung Ha C/D Ha D Ha D3 Ha C/D Ha D-La B Ha C/D La A/B La A/B La A/B La D La D La D La C La C/D · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · ? · · · · · · · · · · · · · · ? ? · · · · · · · ? · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · Kreuz (1993), 7-9 Kreuz (2005), 10 Kreuz/Hopf 2001, 11 Wiethold (2000b), 12 Henz (2000), 13 Wiethold (2000c), 14 Wiethold (2000d), 15-17 Kroll (1998, 2001), 18 Kroll (2000), 19 Piening (1982), 20 Piening (1988b), 21 Stika (1999), 22 Stika (1996a, 1999), 23 Körber-Grohne/Piening (1979), 24 Stika (1996a), 25 Piening (1982), 26 Piening (1983), 27 Piening (1988a), Hordeum vulgare Befund-Nr. Anzahl Körner Länge (L) Breite (B) Höhe (H) L:B L:H B:H 971:B:4a 100 4,0 (5,50) 6,9 1,9 (2,97) 4,0 1,7 (2,43) 3,2 1,41 (1,87) 2,82 1,65 (2,29) 3,44 0,94 (1,23) 1,59 Hordeum vulgare 976:A:4 100 4,2 (5,37) 6,4 2,1 (2,99) 3,9 1,5 (2,38) 3,1 1,15 (1,83) 2,68 1,45 (2,32) 3,40 0,97 (1,27) 1,79 Hordeum vulgare 1074:B:1 100 4,2 (5,20) 6,4 2,0 (2,80) 3,8 1,6 (2,10) 2,9 1,35 (1,91) 2,23 1,68 (2,48) 3,13 1,15 (1,30) 2,00 Triticum dicoccum 1074:B:1 100 4,3 (5,19) 6,5 4,0 (2,51) 1,9 1,7 (2,43) 2,9 1,68 (2,08) 2,59 1,93 (2,46) 3,29 0,92 (1,18) 1,47 Triticum aestivum s.l./ durum/turgidum 208:A:8 100 2,5 (3,85) 5,1 1,4 (2,76) 3,7 1,1 (1,90) 2,9 1,11 (1,41) 1,79 1,31 (1,81) 2,27 1,09 (1,29) 1,48 Panicum miliaceum 1020:B:2 50 1,2 (1,63) 2,0 0,9 (1,27) 1,6 0,7 (1,20) 1,5 1,06 (1,30) 1,89 1,13 (1,38) 2,14 0,92 (1,07) 1,36 Papaver somniferum Panicum miliaceum Triticum dicoccum Hordeum vulgare Camelina sativa Triticum spelta Triticum spec. Pisum sativum Lens culinaris Secale cereale Setaria italica Avena spec. Vicia ervilia
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